Kabarettabend im Life House 

„Freiheit aushalten!“

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Kabarettist Richard Rogler amüsierte sein Publikum im Stemweder Life House mit seinen Gedanken zur Freiheit aller und zu der, die sich einige herausnehmen. 

Wehdem - Von Ralf Kapries. Auch wer von „weiter her“ nach Stemwede gekommen war, um im Life House Richard Rogler zu erleben, konnte zufrieden sein. Wie der Kabarettist in seinen Dankesworten zum Abschluss ausführte, gebe es ja jede Menge Möglichkeiten, weshalb man den Umstand eines Kabarettbesuches scheue, besonders, wenn die Vorstellung zu lang werden könnte. „Jetzt ist es viertel vor zehn und dann reicht es auch.“ Als Zugabe gab es ein einzelnes Wort: „Marktbreit“. Das ist der Geburtsort Alois Alzheimers, der als Arzt als erster die nach ihm benannte Demenzkrankheit beschrieben hat. Das habe er vorhin vergessen, witzelte Rogler.

In der Tat war es genug, oder besser noch mehr als genügend, was Rogler seinem Publikum in seinem Programm „Freiheit aushalten“ mit auf den Weg gab. A propos Weg: „Wo ist Stemwede?“ hätten ihn seine Nachbarn in Köln gefragt. „Na, Sie kennen doch Osnabrück. Sehen Sie. Und das ist ein Vorort von Stemwede.“ Damit hatte er das Publikum sofort auf seiner Seite. Wer ihn aus dem Fernsehen kennt, erlebt ihn dort „scheibchenweise“, als einen konzentrierten Ausschnitt aus seinem Programm und der ist meist ganz schön scharf. Rogler live und „abendfüllend“ zu erleben, zeigt ihn eher gemütlich plaudernd. Aber Vorsicht! „Entschuldigen Sie, dass ich meine Meinung frei äußere“, hat er angeblich auf die Rückseite seiner Visitenkarte drucken lassen. Und so hatte es auch dieser Abend in sich.

Da war zunächst von der allgemeinen Angst der Deutschen die Rede, von diesem unglaublichen Bedürfnis nach Sicherheit. „Meine Nachbarin ist so ängstlich, die fährt ihren Sohn jeden Morgen zum Gymnasium“, plaudert er. „Weil sie die U-Bahn-Fahrt für zu gefährlich hält. Das ist doch peinlich, oder? Vor allem für den Sohn.“ Und er ergänzt: „Der ist Lehrer.“ Wir seien das vorsichtigste Volk der ganzen Welt. Darum gebe es auch überall Sicherheitshinweise wie etwa beim Kauf eines neuen Bügeleisens. „Vorsicht. Gerät wird heiß. Hemden nicht am Körper bügeln.“

Vor einem Urlaub habe ein anderer Bekannter genau im Internet recherchiert, wo er hinfahren und in welchem Hotel er wohnen wollte. Dort sei alles genau beschrieben, fotografiert und gefilmt gewesen. Im Urlaub habe er dann zwei Wochen im Hotel gesessen, weil er nicht wusste, was er sich noch ansehen wollte, denn er kannte ja schon alles. Zu Hause habe er denn allen vorgeschwärmt, wie toll das war: „Alles genauso wie im Internet. Den Anbieter nehme ich nächstes Jahr wieder.“

Berlin wolle sich schon jetzt für 2200 für die olympischen Sommerspiele bewerben. Doch schon jetzt gebe es Leute, die befürchteten, dass die Stadt zwei Großereignisse gleichzeitig nicht schaffen könnte: die Eröffnung der Spiele und des Flughafens...

Und schon ist er bei der Politik. Es geht um Drohnen für Mali und über Unfähigkeit und Ausrüstung der deutschen oder gar einer europäischen Armee, Mütterrente und Altersarmut, aber dann auch wieder um einfach Lustiges, wie seine Abneigung gegen Kürbissuppe, Bärlauch und Rukola. Seine Erzählungen über den neuen Thermomix eines Bekannten, einem wahren Wunderwerk der Küchentechnik, ist schon fast ein Programm für sich. Der Automat isst zum Schluss noch ein Schnitzel mit, weil er die Kürbissuppe nach dem Rezept aus dem Internet ohne Ingwer nicht fertigstellen kann.

Nach der Pause geht es dann mehr um die Freiheit, aber weniger um die, welche man selber hat, als vielmehr die der anderen, die man ertragen soll. Die Religionsfreiheit, durch die Kirchen weitgehend außerhalb geltenden Rechts stünden, Rechte, die Glaubensgemeinschaften und merkwürdige Sekten für sich beanspruchen, so dass der Missbrauch von Kindern und Frauen von deutschen Gerichten nicht geahndet würden. Er wettert gegen Freiheiten, die sich andere herausnehmen und gegen Politiker, die die unseren einschränken wollen. Dabei fallen Sätze fundamentaler Erkenntnis wie: „Wer die Grenzen seiner eigenen Inkompetenz überschritten hat, ist für jedes Amt geeignet“ oder „Es genügt nicht, keine eigene Meinung zu haben – man muss auch unfähig sein, die auszudrücken.“

Rogler einen Abend „am Stück“ zu erleben, bedeutet viel Spaß und munteres Gelächter, aber seine bunte Mischung enthält auch Zutaten, die anschließend ganz schön schwer im Magen liegen.

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