„Folk-Hero“ Seth Lakeman verzaubert 140 Gäste im Life House

Hautnahe Musik zum Träumen, Weinen und Feiern

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Seth Lakeman spielte in schwindelerregender Geschwindigkeit Violine.

Wehdem - Von Mareile Mattlage. Minutenlang nicht abreißen wollender Applaus gepaart mit „Oh, wie ist das schön! So was hat man lange nicht gesehen!“-Sprechchören erlebt man nicht so häufig. Doch dies war das Ergebnis, das der britische Folk-Musiker Seth Lakeman am Freitagabend auf Einladung des Vereins für Jugend, Freizeit und Kultur (JFK) mit seinem Auftritt im Wehdemer Life House erreichte. Und es stimmt: Einen Künstler wie ihn hat man tatsächlich lange nicht gesehen beziehungsweise gehört und im Anschluss zudem an der Theke persönlich gesprochen.

Seth Lakeman zählt zu den Pionieren der seit einigen Jahren neu erblühenden britischen Folkszene, in der sich aktuell Bands wie „Mumford and Sons“ oder Singer-Songwriter wie Amy Macdonald weltweit entfalten. Lakeman gilt als Wegbereiter von populären Gruppen und Interpreten wie diesen (sein Debütalbum „Poor Man’s Heaven“ erschien im Juni 2008), ist selbst hierzulande aber sehr viel weniger bekannt. Zu Unrecht.

Sei es bei herzzerreißenden Balladen, mystischen Highland-Sounds oder energiegeladenem Folk zum Feiern: seine charismatische Stimme ging stets unter die (Gänse-)Haut und wühlte tief in der Magengrube. Gitarre, Bratsche und Banjo spielte er mit Leichtigkeit. Über die Saiten seiner Violine jagte der Multiinstrumentalist teilweise in einer derartigen Geschwindigkeit, dass selbst einem Teufelsgeiger wie David Garrett hätte schwindelig werden müssen. Und bei manchen Balladen herrschte eine so andächtig-atemlose Stille im Raum, dass man sich als Fotograf kaum traute, den Auslöser der Kamera zu drücken.

Unter den Besuchern waren auch Fans und Kenner Lakemans, und so wurde nicht nur gejubelt und verträumt gekuschelt, sondern von einigen Besuchern auch selbstbewusst mitgesungen. Es brauchte vier Anläufe, bis der von der britischen Times als „New Folk Hero“ gefeierte Künstler vom Wehdemer Publikum von der Bühne entlassen wurde.

Ganze drei Mal wurde Lakeman vom nicht abreißen wollenden Applaus und besagten Sprechchören auf die Bühne zurückzitiert, was den Vollblut-Musiker natürlich sehr freute, aber auch glatt ein wenig irritierte: „Ich wollte doch bloß ein Bier trinken gehen“, kommentierte er, fast schon ein wenig verlegen. Anschließend ließ er einfach seine Fans entscheiden, welche Lieder als nächstes noch gespielt werden sollten, bevor es dann schließlich doch noch zum Biertrinken und ungenierten Schnacken an die Theke ging. Der Vorteil an weniger bekannten Künstlern: nicht nur ihre Musik, auch die Menschen selbst können bei kleinen Zimmer-Konzerten wie diesen noch hautnah erlebt werden.

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