An fast jedem vierten Unfall ist Radfahrer beteiligt / Polizei arbeitet präventiv

Weniger Tote und Verletzte bei steigender Unfallzahl

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Zwar gab es mehr Unfälle im vergangenen Jahr, aber die Zahl der Verletzten und Toten ist zurückgegangen. Darüber informierten nun (v.l.) Landrat Dr. Ralf Niermann, Kriminaloberrat Björn Brocks (Leiter der Direktion Verkehr) und Polizeidirektor Detlef Stüven, als sie ihre aktuelle Polizeistatistik in Minden vorstellten.

Minden-Lübbecke - Weniger Verkehrstote sowie Schwer- und Leichtverletzte, aber insgesamt mehr Unfälle. Das ist die Aussage der Verkehrsunfallbilanz 2015 für den Kreis Minden-Lübbecke, die Landrat Dr. Ralf Niermann, Polizeidirektor Detlef Stüven und Kriminaloberrat Björn Brocks jetzt vorgestellt haben.

Damit folgt die Kreispolizeibehörde dem NRW-Trend. Auf Landesebene stieg die Zahl der Verkehrsunfälle um 3,6 Prozent und die Summe der Verunglückten nahm um ein Prozent ab. Zu den häufigsten Unfallursachen zählten laut Polizei überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit, Alkohol- oder Drogeneinfluss und mangelnder Sicherheitsabstand.

Im Mühlenkreis stieg die Gesamtzahl aller Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr um 1319 auf 8527. Der deutliche Anstieg von 18,3 Prozent bezieht sich auf Verkehrsunfälle mit Sachschäden, ergänzen die Beamten. Als „sehr positiv“ hat die Polizei registriert, dass die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten sich verringert hat: So sank die Zahl aller Verunglückten um 66 (Minus 5,2 Prozent) auf 1208 Personen. Im Einzelnen bedeutet dies, dass die Summe der Schwerverletzten um 27 Personen (Minus 10,7 Prozent) auf 225 und die Zahl der Leichtverletzten um 38 (Minus 3,8 Prozent) auf 967 abnahm.

Die kreisweit positive Entwicklung resultiert aus den Entwicklungen der einzelnen Ortsbereiche. Während die Zahl der Verunglückten in Pr. Oldendorf gleichbleibend ist, sank sie in den übrigen Kommunen. Insbesondere in Minden (Minus 28), Rahden (Minus 26) und Hille (Minus 23) verzeichnet die Polizei gravierende Rückgänge. Lediglich in Porta Westfalica (Plus 26) und Stemwede (Plus 21) ist ein Anstieg zu verzeichnen.

Auch die Zahl der Verkehrstoten hat abgenommen – verloren 2014 noch 17 Menschen ihr Leben auf den heimischen Straßen, so waren es 2015 insgesamt 16. Darunter befand sich auch ein Siebenjähriger, der in Levern getötet wurde, als er mit seinem Rad von der Maschstraße auf das elterliche Grundstück abbog und dabei von einem Auto erfasst wurde, erinnerten sich die Beamten bei der Vorstellung der aktuellen Statistik.

Landrat Dr. Niermann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Zahl der verunglückten Kinder um 11,6 Prozent auf 99 sank. Allerdings zeige die Statistik für Rahden eine andere Entwicklung, da dort vier Unfälle mehr aufgenommen wurde; in Stemwede waren es zwei mehr.

Polizeidirektor Stüven machte deutlich, dass trotz der Abnahme der verunglückten Radfahrer um 16 Prozent, diese Gruppe nach den Autoinsassen weiterhin die zweitgrößte unter den Verunglückten darstelle. Obgleich die Anzahl der verunglückten Radfahrer rückläufig sei, kam dennoch bei fast jedem vierten Unfall ein Radler zu Schaden, so Stüven. Von den 945 Unfällen mit Personenschaden passierten im vergangenen Jahr 225 unter Beteiligung eines Radfahrers. Die Zahl der verunglückten Fußgänger nahm um acht auf 88 Personen zu. Zwei Fußgänger starben.

Auch im Kreis Minden-Lübbecke sei zu beobachten, dass immer mehr Autofahrer ihr Mobiltelefon während der Fahrt benutzten und so sich und andere in Gefahr bringen würden. Björn Brocks, Direktionsleiter Verkehr, sagte: „Inzwischen ist nicht nur das Telefonieren das Problem, sondern auch das Versenden und Empfangen von Kurznachrichten. Ganz klar, das lenkt ab.“ Daher werde die Polizei weiter ein Auge auf dieses Problem haben. Bereits im vergangenen Jahr ahndeten die Beamten 1442 derartige Verkehrsverstöße.

Laut Brocks spielen Zuwanderer bisher keine Rolle in der Statistik. Gleichwohl habe man mit einer Info-Veranstaltung in Minden Flüchtlinge mit einfachen Piktogrammen auf die Regeln und Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht (wir berichteten).

Auch bei den Senioren gab es seitens der Polizei Positives zu vermelden. So nahm nach steigenden Zahlen in den vergangenen Jahren die Zahl der Verletzten Senioren um 33 auf nunmehr 139 Personen ab. Gleichzeitig kündigt die Polizei die Fortsetzung ihrer Präventionsarbeit bei Senioren an. Insbesondere die Veranstaltung „Alte Hasen – Neue Regeln“ habe wieder eine gute Resonanz gehabt. Zudem gab es Infostände, die die Beamten in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Senioren- und Sozialverbänden angeboten hatten, um Senioren verschiedene Möglichkeiten für einen sicheren Gang durch die Straßen aufzuzeigen.

Um die kommenden Verkehrsberichte erneut mit einem positiven Ergebnis abzuschließen, will die Polizei ihre Strategie fortsetzen. Ein Baustein des Konzepts ist unter anderem der „Blitzmarathon“, um ein höheres Bewusstsein zu schaffen. Mit dem landesweiten Konzept „Crashkurs NRW“ richten sich die Beamten an Jugendliche und führen ihnen Gefahren und Folgen von Alkohol am Steuer vor Augen.

abo

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