ZF am Dümmer verantwortet 7,2 Milliarden Euro Umsatz / Stabiles 2016 erwartet

Entwicklung aus einer Hand als Wettbewerbsvorteil

Dank des bei ZF in Dielingen entwickelten innovativen Vorderachskonzepts passt das ZF Advanced Urban Vehicle auch in kleinste Parklücke – selbst, wenn der Fahrer draußen steht. Der Präsentationswagen soll Kunden das Zusammenspiel mehrerer ZF-Erfindungen veranschaulichen. - Fotos: Russ

Dielingen - Von Melanie Russ. Sein Auto auf Knopfdruck selbst einparken zu lassen, ist ja fast schon ein alter Hut. Wenn sich dabei aber die Vorderräder fast komplett querstellen und das Auto dadurch auch in die kleinste Parklücke passt, dann löst das schon anerkennendes Erstaunen aus.

Hinter dieser Touchscreen-Mittelkonsole verbirgt sich das Knowhow aus Diepholz.

Bis zu 75 Prozent beträgt der Einschlagwinkel eines neuen Vorderachskonzepts, das die Ingenieure der ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik in der Dielinger Zentrale entwickelt haben und das in absehbarer Zukunft zum Einsatz kommen soll. Es ist eines der Technik-Highlights, um deren Platzierung am Markt sich ZF derzeit bemüht, und die Divisionsleiter Uwe Coßmann Anlass zu einem optimistischen Blick in die Zukunft geben. Für die genannte Vorderachse sei man mit drei Automobil-Herstellern in der Entwicklung, sagte Coßmann gestern im Rahmen des Jahrespressegesprächs. Für die ebenfalls in Dielingen entwickelte Electric-Twist-Beam-Technologie – ein elektrischer, radnaher Hinterachsantrieb, der die Lenkbewegungen der Vorderachse unterstützt – ist ZF aktuell mit einem Hersteller in Verhandlungen. Ein weiteres Highlight ist eine Mittelkonsole mit Touchscreen, die am Standort Diepholz entwickelt wurde. Um den Kunden die perfekte Zusammenarbeit der einzelnen Komponenten zu demonstrieren, hat ZF eigens das Advanced Urban Vehicle gebaut. Mehrere Komponenten aus einer Hand, das biete kein anderer Zulieferer, sieht Coßmann einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil des ZF-Konzerns.

Die Zahlen des Jahres 2015 für seine Division und die Standorte am Dümmer stellte der Divisionsleiter gestern ebenfalls vor. Das Geschäftsjahr sei sehr erfolgreich verlaufen. Insgesamt verantwortete die Dümmerregion einen Umsatz von weltweit rund 7,2 Milliarden Euro, davon entfallen 6,6 Milliarden Euro auf die Pkw-Fahrwerktechnik, 330 Millionen auf die Nkw-Fahrwerkmodule und 377 Millionen Euro auf die von Diepholz aus gesteuerte Produktlinie Human Maschine Interface. „Wir haben das geschafft, was wir uns vorgenommen haben“, so Coßmann, der nach den Erfahrungen der vergangenen Monate auch 2016 ein stabiles Jahr erwartet.

In der Division Pkw-Fahrwerktechnik seien 2015 sehr viele Projekte an den Start gebracht worden. Hier sei man mit einem überproportionalen Wachstum von elf Prozent sehr gut unterwegs. Im Geschäftsfeld Achssysteme hat unter anderem das neu errichtete Achsmontagewerk in Chennai (Indien) im Sommer die Produktion aufgenommen. Für das Werk in Tuscaloosa (USA) plant ZF 2016 eine Produktionserweiterung. Außerdem sollen bis 2018 insgesamt fünf neue Achsmontagewerke in Brasilien, Mexiko und Tschechien gebaut werden. Eine Werksschließung steht allerdings auch an. Weil GM und Ford ihre Fahrzeugproduktion in Australien beenden, wird ZF das Montagewerk in Adelaide 2017 oder 2018 schließen. Zum Teil könne das durch Wachstum etwa in China kompensiert werden. Für das asiatische Land erwartet Coßmann wenigstens in den nächsten zehn Jahren eine positive Entwicklung in der Automobilbranche.

Im Geschäftsfeld Fahrwerkkomponenten verlief das abgelaufene Geschäftsjahr laut Coßmann ebenfalls sehr erfolgreich. In allen Regionen und Produktbereichen seien zahlreiche Projekte angelaufen. Im Geschäftsbereich Dämpfungsmodule wurde 2015 ein Werk in Shenyang, dem zweiten Standort in China, in Betrieb genommen. Das Tech-Center in Shanghai soll erweitert werden. Entwicklung vor Ort sei gerade bei jenen Komponenten wichtig, bei denen ein regelmäßiges Feedback des Automobil-Herstellers erforderlich sei, erläuterte Coßmann.

Das vergangene Jahr hat aufgrund der Übernahme der US-amerikanischen TRW Automotive und der verstärkten Ausrichtung auf die E-Mobilität einige Veränderungen in der Konzernstruktur mit sich gebracht. In der Dümmerregion gab es die größten Veränderungen im Diepholzer Werk. „Wir haben keinen Stein auf dem anderen gelassen“, so Coßmann. Elf Fahrzeugneuanläufe mit 25 unterschiedlichen Querlenkerprodukten wurden umgesetzt. „Das war eine außerordentliche Belastung“, weiß Coßmann. Rund 4,5 Millionen Euro wurden in die Entwicklung investiert. Testzentrum und Labore wurden komplett neu aufgestellt, um der Entwicklung von meachnischen zu vemehrt elektronischen Komponenten Rechnung zu tragen. Auch mit Blick auf die Produktionsaufnahme in Mexiko und dem ersten Auftrag eines chinesischens Herstellers ohne europäische Beteiligung sprach Coßmann von einem „sehr positiven Verlauf“.

Das Wagenfelder Werk hat zwei Montageanlagen aus Newton (USA) zur Fertigung von Kugelgelenkhülsen übernommen. In diesem Bereich konnte ZF laut Coßmann einen deutlichen Marktanteil zurückholen, weil sich die Kugelgelenkhülsen in einigen Bereichen gegenüber Gummi-Metall-Verbindungen als vorteilhafter erwiesen hätten.

Der Bereich Fahrwerkmodule für Nutzkraftfahrzeuge verzeichnete am Standort Dielingen eine gute Auslastung, auch dank der ersten Lieferungen an chinesische Kunden. Um sich ein weiteres Standbein zu schaffen, ist ZF 2015 in das Fahrerhauslagerungsgeschäft im Landmaschinenmarkt eingestiegen.

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