Kabarettist Arnulf Rating gibt Denkanstöße

Am Ende bleibt die Giftmüll-Deponie

Arnulf Rating schlüpfte in verschiedene Rollen, zum Beispiel in die des Investors Guido Groll.

Wehdem - Von Katharina Schmidt. Krieg, Flüchtlinge, Hunger, Ausbeutung, die Gier nach Öl – ist das alles noch normal? Dieser Frage ging Arnulf Rating am Sonnabend im Life House auf den Grund. Der Kabarettist trat auf Einladung des Vereins für Jugend, Freizeit und Kultur in Stemwede auf. Mit seinem aktuellen Programm „Rating akut“ sorgte er für einen Abend voller Witz, gespickt mit ernsten Denkanstößen.

Rating warf einen kritischen Blick auf das Weltgeschehen. Dabei verkörperte er gleich mehrere Charaktere: den Arbeiter Kalkowski, der über Steuern klagt; den Investor Guido Groll, der Profit anstrebt; den Journalisten Karl-Heinz Stange, der über die aktuelle Berichterstattung nur den Kopf schütteln kann und Krankenschwester Hedwig, die jedem Beruhigungsmittel spritzt. Nicht zuletzt stand Arnulf Rating als er selbst auf der Bühne – als spitzfindiger Kabarettist.

Der gebürtige Westfale ist Träger des Deutschen Kabarettpreises und des Deutschen Kleinkunstpreises. „Rating akut“ ist sein zwölftes Soloprogramm. In Stemwede gastierte er am Sonnabend zum fünften Mal. „Als Berliner fühle ich mich in Stemwede wohl. Die Gemeinde ist fast genauso groß, nur etwas schwächer besiedelt – aber genau von den Richtigen“, schmeichelte er den Zuschauern. Die Sympathie schien auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Fast alle Plätze im Life House waren besetzt.

Mit Biss, Spott und Ironie kommentierte Rating das politische Geschehen. Als Grundlage dienten ihm oft Überschriften aus Zeitungen. Rasant sprang er von einer Schlagzeile zur nächsten.

Wenn alles zu viel wird, hilft Schwester Hedwig mit Beruhigungsmitteln. - Fotos: Schmidt

Seine wohl provokanteste These: Dem Westen sei es bei seinem Einsatz für Krisengebieten nie um Frieden, Menschenrechte oder Demokratie gegangen. „Es ging immer nur um das dreckige Öl“, so Rating. Autos würden damit fahren, Flugzeuge fliegen und selbst die Druckerschwärze der Zeitungen, die über Konflikte berichten, beinhalteten Öl. „Das ist Beschaffungskriminalität“, urteilte der Kabarettist. Terror sei ein Geschäftsmodell. Die USA zum Beispiel könnten in Frieden gar nicht leben – zu viele Arbeitsplätze würden am Krieg hängen.

Auch das Thema Flüchtlinge ließ Rating nicht außen vor. Sein Eindruck: „Aus ,Wir schaffen das‘ wurde ,Wir schaffen das Asylrecht ab‘. Viele Menschen seien nicht nur im Mittelmeer untergegangen, sondern auch in den Medien. Stichwort Burka-Verbot in „Mecklenburg-Vorpolen“: Den Menschen würden Politiker mit einem Leggingsverbot eher helfen, so Ratings Einschätzung. Personen aus anderen Kulturen gebe es dort kaum, Leggings schon.

An den deutschen Politikern ließ der Kabarettist kein gutes Haar – sei es an „Thomas, die Misere“, an der „kraftlosen Frau Kraft“ oder an Angela Merkel, „unsere Lady Gaga aus der Uckermark“. „Politik ist die Kunst, den Wähler so schnell oder so langsam über den Tisch zu ziehen, dass er die entstehende Reibung als Nestwärme wahrnimmt“, meinte Rating. Die Regierung charakterisierte er mit folgender Schlagzeile: „Jeder dritte Berliner ist psychisch krank – viele arbeiten trotzdem.“ Ob man das Wahlrecht unverändert lassen könne, zog er angesichts jüngster Wahlergebnisse infrage. Jeder Pizzabote brauche ein Gesundheitszeugnis, aber ins Wahllokal könnten Menschen mit dem IQ von einem Knäckebrot gehen.

Damit nicht genug: Die Menschen sind laut Rating alias Schwester Hedwig vollgestopft mit Medikamenten. Sie dürften nicht auf dem Friedhof begraben werden, sondern gehörten auf die Giftmüll-Deponie.

Ist das alles noch normal? Ratings Antwort fällt eindeutig aus: „Wenn das normal ist, dann brauchen wir ein paar wirklich Verrückte – wir sehen ja, wohin uns die Vernünftigen gebracht haben. Gute Nacht.“

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