Elterninitiative wirbt für schnelle Einführung der neuen Schulform in Stemwede

Ein lautes „Ja“ für die Gesamtschule

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Ulrich Kettler (links) und Stephan Egbert fassten die bisherige Diskussion zur geplanten Gesamtschule zusammen und informierten über die Besonderheiten einer Gesamtschule.

Stemwede - Von Melanie Russ. Die Kritik an der in Stemwede geplanten Gesamtschule war in der Diskussion der vergangenen Monate kaum zu überhören. Zwar richtete sich die Kritik in erster Linie gegen das forsche Vorgehen der Verwaltung, es wurden aber auch Skepsis gegenüber dem noch unbekannten privaten Träger INI und Sorgen um die Zukunft der jetzigen Sekundarschüler laut. Jetzt melden sich die Befürworter der Gesamtschule zu Wort und wollen für mehr Akzeptanz werben.

Knapp 30 Eltern waren am Donnerstagabend der Einladung von Ulrich Kettler und Stephan Egbert in die Grundschule Levern gefolgt, um gemeinsam eine Strategie zur Unterstützung der Gesamtschule zu entwickeln. Dabei wollen sie an mehreren Stellen ansetzen. Zum einen ist zeitnah ein Besuch bei der INI in Bad Sassendorf geplant, um sich vor Ort ein Bild vom Schulalltag zu machen. „Die INI ist ganz heiß darauf“, weiß Egbert aus Gesprächen mit dem Träger. Eltern, Politiker und auch die Lehrer der Sekundarschule sollen dazu eingeladen werden. Denn die Sorgen der Lehrer um ihre berufliche Zukunft können die Befürworter der Gesamtschule durchaus nachvollziehen. Die Lehrer hätten in Bad Sassendorf die Chance, mit den dortigen Lehrern über den Arbeitgeber INI zu sprechen und darüber, wie es ist, kein Beamter mehr zu sein. Egbert: „Vielleicht ist das ja gar nicht so schlimm.“

Außerdem will die Elterninitiative noch einmal das Interesse an einer Gesamtschule abfragen. Dazu sollen die Eltern aller Grundschüler befragt werden – verbunden mit der Warnung, dass es die Sekundarschule in einigen Jahren mangels Schülern vielleicht nicht mehr geben wird. Als Alternative zu Unterschriftenlisten schlug Stephan Egbert vor, an den Bürgermeister adressierte Postkarten mit der Aussage „Wir sagen Ja zur Gesamtschule“ zu verteilen. Jeder, der das unterstützt, könne die Karte abschicken.

Daneben sollen die hiesigen Landtagsabgeordneten ins Boot geholt werden. Gemeinsam will man beim zuständigen Staatssekretär in Düsseldorf für die Gesamtschule werben und vor allem klarstellen, dass es nicht um die Errichtung einer privaten Elite-Einrichtung geht, sondern um die Sicherung des Schulstandortes.

Zu Beginn der Versammlung hatte Ulrich Kettler die Diskussion der vergangenen Monate zusammengefasst. Die Kritik der Bezirksregierung Detmold an den Stemweder Plänen ist nach seiner Einschätzung nicht gegen Stemwede gerichtet, sondern die generelle Vorgehensweise bei der Gründung von Ersatzschulen. In Espelkamp habe man ähnliche Probleme gehabt. Jürgen Gläscher (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses, hat noch eine andere Theorie: Die Bezirksregierung wolle auf lange Sicht die Sekundarschule in Stemwede schließen und dadurch den Standort Rahden stärken. Die Gesamtschule komme ihr dabei in die Quere. „Anders macht das Verhalten keinen Sinn.“

Trotz des Widerstands aus Detmold ist Kettler zuversichtlich. „Die Frage ist nicht, ob die Gesamtschule kommt, sondern wann.“ Aus Sicht der beiden Initiatoren wäre es für die anstehenden politischen Entscheidungen hilfreich, wenn deutlich wird, dass es Eltern gibt, die die Gesamtschule unbedingt wollen. Und davon müsste es aus ihrer Sicht viele geben. Kettler: „Wenn die Eltern die Wahl zwischen Sekundarschule und Gesamtschule haben, müssten sie mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie nicht die Gesamtschule wählen.“

Dass die Gesamtschule auch für Schüler von jenseits der Gemeindegrenzen interessant wäre, unterstrich der Beitrag eines Rahdener Vaters, der so seine Probleme mit dem „elitären Gymnasium Rahden“ hat und seinen Sohn gerne auf die Gesamtschule schicken würde. Viele andere Rahdener sähen es ähnlich. Auch aus Lemförde dürfte manch ein Schüler den kurzen Schlenker um den Stemweder Berg der langen Fahrt zum Gymnasium in Diepholz vorziehen.

Eine Stemweder Mutter erinnerte daran, dass es bei der Auflösung von Haupt- und Realschule ähnliche Diskussionen gegeben habe und das habe doch auch gut funktioniert. Allerdings handelte es sich bei der Umwandlung in zunächst Verbund- und dann Sekundarschule stets um staatliche Einrichtungen.

Unter dem Strich waren sich alle Teilnehmer einig, dass sie der Bezirksregierung klarmachen müssen, dass die Stemweder diese Gesamtschule wollen.

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