Ausschuss berät: Hiller Bürgerbus als Beispiel für ähnliches Projekt in Stemwede

Ehrenamtliche Busfahrer erweitern die Infrastruktur

Die derzeitigen Bushaltestellen in Stemwede (hier in Wehdem) würden von einem Bürgerbus nicht unbedingt angefahren werden. Über das ehrenamtliche Angebot soll nun die Verwaltung nachdenken und das Interesse ausloten. - Fotos: Bokelmann

STEMWEDE - Der ländliche Raum stellt Bürger vor andere Herausforderungen als in Großstädten. Die Infrastruktur ist dabei auch in Stemwede immer wieder Thema. So beschäftigten sich die Mitglieder des Ausschussen für Gemeindeentwicklung, Wirtschaftsförderung und Tourismus mit dem öffentlichen Personennahverkehr der Flächengemeinde. Dazu holten sie sich Anregungen von Vertretern des Bürgerbusvereins Hille, die ein Angebot für das spezielle Einsatzgebiet vorhalten.

In der Gemeinde mit ihren neun Ortschaften, die sich südöstlich von Stemwede befindet, fährt inzwischen seit fast sechs Jahren ein Bürgerbus. Und das mit großem Erfolg, berichteten Arnold Straubhaar und Karl-Heinz Haseloh während der Sitzung. In diesem Jahr erwarten die Ehrenamtlichen ihr neues Fahrzeug, mit dem sie dann weiter die Bürger auf einer Rundtour durch die Gemeinde fahren.

„Sicher ist die Struktur in Hille anders als in Stemwede und wir brauchen andere Fahrzeiten und eine andere Anzahl an Haltestellen, aber wir können uns wichtige Anregungen holen“, erklärte Ausschussvorsitzender Wilhelm Riesmeier. Er geht fest davon aus, dass ein Bürgerbus auch in Stemwede realisierbar ist, da „Stemwede vom Ehrenamt lebt“. Denn davon hängt die Idee des Personennahverkehrs im Sinne der Daseinsvorsorge und Quartiersentwicklung grundlegend ab. „Unsere Ehrenamtlichen sind das Herzstück und Rückgrat des Bürgerbusses“, lobte Haseloh. Bevor sie die Bürger aber fahren dürfen, müssen einige Anforderungen erfüllt sein, erwiderte Straubhaar auf die Nachfrage von Riesmeier. Neben dem Führerschein der Klasse B und einer zweijährigen Fahrpraxis, müssen die Fahrer in spe einen Fahrgastbeförderungsschein, ein polizeiliches Führungszeugnis sowie ein Gesundheitszeugnis vorlegen. Ab dem 65. Lebensjahr ist laut Straubhaar zudem eine jährliche Untersuchung beim Betriebsarzt erforderlich. Denn in Hille seien es überwiegend Rentner, die für den Fahrgastbetrieb verantwortlich zeichnen.

Verbindliche Fahrpläne für den Alltag

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Hasloh erklärte, dass es sich keinesfalls um ein freiwilliges Angebot handle. „Die Fahrpläne sind verbindlich und die Fahrer müssen verlässlich sein“, sagte Haseloh. Aktuell sind von den 48 Mitgliedern des Hiller Bürgerbusvereins 27 aktiv, 24 Männer fahren regelmäßig. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Wagen, in dem acht Passagiere Platz finden, von montags bis freitags im Zwei-Schicht-Betrieb insgesamt 46 Haltestellen anfährt, zählte Straubhaar als Vereinsvorsitzender auf. An den Wochenende gibt es keinen Betrieb. „Wir wollen das Angebot für unsere Fahrer belastbar halten“, begründete Straubhaar.

Die Idee hinter dem Bürgerbus ist es, das Angebot der Infrastruktur zu erweitern und insbesondere die Stellen anzufahren, die bislang nicht erfasst seien, so Straubhaar. Engagierte Bürger nehmen damit den öffentlichen Nahverkehr selbst in die Hand, um auch im Alter im Alltag mobil zu bleiben.

Allein könne der Verein das Projekt aber nicht umsetzen, machte Straubhaar deutlich: „Wir sind auf die Unterstützung der Politik angewiesen.“ Die Gemeinde übernehme geringe Restkosten – für den Fall, dass der Träger (in Hille ist das die Mindener-Kreisbahnen-Gesellschaft) nicht genug eigene Mittel hat. Das örtliche Verkehrsunternehmen hat den Bürgerbus ins Angebot aufgenommen und deckt die verkehrsrechtliche Seite des Projektes ab. Das Verkehrsministerium NRW unterstützt die Einrichtung und stellt einen Festbetrag für die Anschaffung des Fahrzeugs sowie eine Organisationspauschale für vereinsinterne Zwecke zur Verfügung.

Von der Planung und Umsetzung der Idee, die am 2. November 2009 in Hille aufgekommen war, bis zur ersten Fahrt hat es in Hille etwa ein halbes Jahr gebraucht. Seit dem 2. August 2010 hat der Mercedes-Sprinter nun rund 430 000 Kilometer gefahren. „Unfallfrei“, unterstrich Karl-Heinz Haseloh. Inzwischen hat sich der Verein dem Dachverband Bürgerbus NRW angeschlossen, in dem zahlreiche weitere Kommunen sind, die einen Bürgerbus-Verkehr anbieten. Einen Mitgliedsbeitrag gibt es dabei nicht, da das Verkehrsministerium aus Düsseldorf die Idee finanziell unterstützt.

Durch das ehrenamtliche Engagement werde aber nicht nur eine erhebliche Kostenreduzierung im Vergleich zu Taxen oder öffentlichen Buslinien erreicht. Wichtig sei die Nähe zu den Fahrgästen, berichteten die Verantwortlichen aus Hille. „Unsere Fahrer kennen häufig die komplette Biografie der Gäste“, so Straubhaar.

Während die Fahrgastzahlen in Hille am Anfang noch gering waren (2011: 1 941 Gäste; 2012: 3 604; 2013: 4 607; 2014: 5 108) ist die Frequentierung mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen ebenfalls deutlich gewachsen, so Straubhaar. Schließlich sei es wichtig, die Neubürger zu mobilisieren, sagte der Vereinsvorsitzende.

Ob künftig auch Stemwede ein Bürgerbus fährt, soll die Verwaltung nun klären. Dazu regte Riesmeier an, eine Infoveranstaltung anzubieten und dabei das Interesse der Bürger auszuloten. Aus den Reihen des Ausschusses kam der Vorschlag, auch Brockum und Lemförde mit dem Bürgerbus anzufahren. - abo

Mehr zum Thema:

Terrormiliz IS reklamiert Londoner Terroranschlag für sich

Terrormiliz IS reklamiert Londoner Terroranschlag für sich

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Meistgelesene Artikel

Lkw-Anhänger mit Spirituosen brennt ab

Lkw-Anhänger mit Spirituosen brennt ab

Mit Gülle beladener Sattelzug kippt um

Mit Gülle beladener Sattelzug kippt um

20-Jähriger befestigt Blaulicht an Auto und wird von Polizisten gestoppt

20-Jähriger befestigt Blaulicht an Auto und wird von Polizisten gestoppt

Kommentare