Dominic Greger aus Oppenwehe tritt als Bürgermeisterkandidat für die Partei in Stemwede an

Verständnis für die Sorgen der Bürger

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Einen Bürgermeister aus Stemwede für Stemwede wünscht sich Dominic Greger. Der Oppenweher tritt daher am 13. September ebenfalls zur Wahl an.

Stemwede - Dominic Greger hat für eine Überraschung im Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters in Stemwede gesorgt, als er am 27. Juli, nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist, seine Kandidatur bekannt gegeben hat. Der 34-Jährige tritt für Die Partei an. Bei einer Zigarette erzählt er unser Redakteurin Anika Bokelmann, warum er sich zu diesem Schritt entschlossen hat, dass er seine Wahlplakate selbst anklebt und bislang nur positive Reaktionen auf seinen Vorstoß erhalten hat.

Bokelmann: Warum möchten Sie Bürgermeister werden?

Dominic Greger: Wir haben uns im Kreisverband der Partei überlegt, dass wir in diesem Jahr einen Bürgermeisterkandidaten stellen wollen – egal wo. Dann kam Stemwede ins Spiel und da ich hier wohne, Zeit und Lust dazu habe, wurde ich aufgestellt. Das kam sehr spontan. Außerdem möchte ich einen Stemweder Bürgermeister, der vor der Gemeinde steht und die Sorgen und Nöte versteht.

Welche Qualifikationen bringen Sie für das Amt mit?

Greger: Ich bin vorher politisch nicht sonderlich aktiv gewesen. Aber was qualifiziert die anderen Kandidaten? Ich kann gut mit Menschen umgehen. Es sollte jemand aus Stemwede sein, der den Posten des Bürgermeisters übernimmt.

Was macht Stemwede für Sie aus – sowohl positiv als auch negativ?

Greger: Generell ist Stemwede Heimat. Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich habe versucht, in größeren Städten zu wohnen, aber ich bin nunmal ein Landkind. Ich möchte, dass Stemwede so bleibt, wie es ist.

Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Gemeinde in den kommenden Jahren?

Greger: Wir müssen einen öffentlichen Nahverkehr haben. Wie auch immer der letztlich aussieht, man muss die Möglichkeit haben, von A nach B zu kommen. Diese gibt es nämlich in Stemwede nicht, wenn man kein Auto hat oder sehr fit mit dem Fahrrad ist.

Außerdem muss Stemwede wieder interessanter werden. Viele wollen nicht mehr im ländlichen Bereich wohnen, weil sie keine Jobs haben. Daher sollte man es Firmen bei Neugründungen oder Vergrößerungen leichter machen.

Die Eigenständigkeit der Ortschaften sorgt für Vielfalt in Stemwede. Wie wichtig ist diese Eigenschaft?

Greger: Einerseits herrscht dadurch Kirchturm-Denken: Denn im ersten Moment ist jeder Stemweder Bewohner seiner jeweiligen Ortschaft. Nur 13 Orte mit eigener Regierung aufzubauen, lohnt sich nicht. Daher müssen wir mit der Gemeinde den Verbund wählen. Und das bringt die Vielfalt.

Wie sehen Sie Zukunft der Feuerwehr, die in der Flächengemeinde sehr präsent aufgestellt ist? Kann sich die Gemeinde das auf lange Sicht noch leisten?

Greger: Ich bin kein Freund von der Zusammenlegung der Löschgruppen. Damit schneiden wir uns ins eigene Fleisch. Denn wenn ich auf die Feuerwehr angewiesen bin, möchte ich möglichst kurze Wege zum Einsatzort. Sonst habe ich ein Problem. Eine zentrale Feuerwehr in Stemwede ist in dieser Fläche nicht machbar. Solange wir ein freiwilliges Feuerwehrsystem haben, muss die Gemeinde auch dahinter stehen.

Um Unternehmen und junge Familien in einer ländliche Gemeinde anzusiedeln, braucht es eine entsprechenden Infrastruktur. Was kann die Gemeinde in diesem Punkt leisten?

Greger: Es muss eine entsprechende Schulbildung geben. Sportvereine müssen gefördert werden, damit die Leute auch in ihrer Freizeit beschäftigt sind. Wenn Vereine kein Programm bieten, bleiben die Leute weg.

Weiterhin muss man mit den Telekommunikationsanbietern sprechen, um den Internetausbau zu forcieren. Wenn sich mehr Firmen in Stemwede ansiedeln, ist der Druckpunkt auch größer, um den Bedarf zu signalisieren. Und andersherum werden Breitbandanbieter von sich aus kommen, wenn die großen Firmen da sind.

Wie stehen Sie zur finanziellen Unterstützung von Vereinen durch die Verwaltung?

Greger: Ich habe es selbst über den FC Oppenwehe mitbekommen, dass Zuschüsse aus öffentlicher Hand gekürzt werden, sodass Aktionen irgendwann nicht mehr rentabel sind. Es ist die Pflicht der Gemeinde, Leute im Ehrenamt zu unterstützen – finanziell und mit Fortbildungen.

Die Gemeinde hat Leistungen aufgrund der knappen Haushaltskassen auf ein Minimum zurückgefahren. In welchem Bereich kann sie noch zur Haushaltskonsolidierung beitragen?

Greger: Das ist ein allgemeines Problem. Aber sparen kann man sicherlich noch in der Verwaltung. Da wird sich immer wieder über Kosten aufgeregt, gerade im Zusammenhang mit meiner Kandidatur und einer möglichen Stichwahl. Es werden Stellen gestrichen, Sportvereinszuschüsse von zwei, drei Euro – da verirrt irgendwas zu machen, bringt es nicht. Es muss etwas Großes angepackt werden. Genauer kann ich das noch nicht sagen, weil ich die Zahlen noch nicht kenne.

Was halten Sie von den aktuellen Entwicklung in der Stemweder Schullandschaft?

Greger: Ich persönlich bin kein Freund der Gesamtschule und sehe auch keine Notwendigkeit dafür. Wir haben mit Rahden und Espelkamp zwei gute Gymnasien in direkter Nähe.

Sicherlich muss was gemacht werden, wenn die Schülerzahlen weiter runtergehen. Vielleicht muss man die Schule dann privatisieren. Aber warum muss es gleich eine Gesamtschule sein? Warum lässt man die Sekundarschule nicht einfach so? Die Schüler können danach doch ihren Weg weitergehen. Ein Kind, das nach der vierten Klasse eine gymnasiale Empfehlung hat, wird zum Gymnasium gehen und nicht zur Gesamtschule.

Sicherlich muss der Bürgermeister sehen, dass Schulen in der Gemeinde sind. Daher müssen die Grundschulen in den Ortschaften bleiben, um die Wege kurz zu halten.

Was halten Sie vom Vorgehen der Verwaltung bezüglich der Gesamtschul-Pläne?

Greger: Das geht gar nicht. Ich musste vor allem schmunzeln, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass Herr Rybak beleidigt war, dass er bei einer Elternversammlung nicht eingeladen wurde. Wer hat denn vorher alles im Alleingang beschlossen? Das man dann nicht mehr eingeladen wird, wundert mich nicht.

Gerade solchen großen Projekte sollten mehr in der Öffentlichkeit besprochen werden.

Gilt Gleiches auch für Ihr Flughafen-Projekt?

Greger: Erstmal müssen wir da gucken, wo es größenmäßig geeignete Flächen gibt. Dann muss man mit den Anwohnern und Besitzern Gespräche führen, ob es dort machbar ist.

Flächen sind auch beim Thema Windkraft gefragt. Wie stellen Sie sich die Entwicklung in Stemwede vor?

Greger: (Im Spaß:) Natürlich stehen die Windräder den Flugzeugen im Weg.

Windkraft halte ich für förderungswürdig. Biogas braucht man in meinen Augen nicht, weil dabei zu viel Ackerfläche einfach nur verbrannt wird. Bei Windkraftanlagen kann ich den Acker weiter nutzen.

Stichwort drohender Hausärztemangel: Wie kann die Region gezielt um junge Mediziner werben?

Greger: Wir brauchen attraktivere Angebote. Man muss jungen Ärzten die Möglichkeit geben, aufs Land zu kommen. Da kommt mein Ziel für eine Universitätsgemeinde ins Spiel. Aber auch an anderen Unis muss man Werbung für Stemwede machen und zeigen, dass Gebäude da sind. Dort könnten die Bewerber kostengünstig einziehen, um sich niederzulassen. Denn bislang verbinden die Mediziner mit dem platten Land eine hohe Verschuldung, um eine Praxis aufzubauen. Da muss die Gemeinde den Bewerbern entgegen kommen.

Mal angenommen, Sie gewinnen die Bürgermeisterwahl nicht: Wie sieht Ihr Plan B aus?

Greger: Dann werde ich gucken, was noch für Wahlen anstehen. Die Partei im Rat wäre auch interessant.

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