Coßmann blickt auf erfolgreiches Geschäftsjahr der Pkw-Fahrwerktechnik zurück

Richtungsweisendes Know-how vom Dümmer

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Uwe Coßmann erklärte die Funktionsweise der neuen Hinterachslenksysteme, die in einigen Fahrzeugen der Premium-Klasse bereits serienmäßig verbaut werden.

Dielingen - Von Melanie Russ. Autos, die auf Knopfdruck alleine einparken, sind fast schon ein alter Hut, komplett selbstfahrende Systeme längst keine Science-Fiction mehr, sondern ein ganz konkretes Zukunftsmodell. Nicht selten stammen die dafür erforderliche Elektronik und die Fahrwerktechnik aus den ZF-Standorten der Dümmerregion. „Das Geschäftsjahr 2014 verlief für die Division durchaus erfolgreich. Wir gehen davon aus, dass wir den positiven Verlauf 2015 fortsetzen“, sagte Uwe Coßmann, Leiter der Division Pkw-Fahrwerktechnik der ZF Friedrichshafen AG, gestern im Rahmen des Jahrespressegespräches im Hauptsitz in Dielingen.

Die Division Pkw-Fahrwerktechnik in der Dümmer-Region mit den Standorten Damme, Dielingen, Diepholz, Lemförde und Wagenfeld verbuchte 2014 einen Umsatz von 454 Millionen Euro. Den Rückgang um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr begründet Coßmann mit dem Verkauf des Geschäftsfelds Gummi und Kunststoff in Damme an chinesische Investoren. Bereinigt sei der Umsatz etwa auf Vorjahresniveau. Die Zahl der Mitarbeiter in der Dümmer-Region ging demnach um ein Drittel auf 2127 zurück – auch das eine Folge der Auslagerung.

Das Geschäftsfeld Nkw-Fahrwerkmodule (Division Nutzfahrzeugtechnik) verzeichnete am Standort Dielingen ein Umsatzplus von rund drei Prozent auf 218 Millionen Euro. Das Geschäftsfeld Elektronische Systeme steigerte den Umsatz in Diepholz um vier Prozent auf knapp 255 Millionen Euro. Der Großteil der Investitionen erfolgte in der Pkw-Fahrwerktechnik (19 Millionen Euro) und in die Division Elektronische Systeme (zwölf Millionen Euro).

Als einen entscheidenden Faktor für die Zukunft bezeichnet Coßmann mit Blick auf die immer stärker an Bedeutung gewinnenden elektronischen Assistenzsysteme die Übernahme der Lemförder Elektronik in Espelkamp im vergangenen Jahr. Den Umsatz des neuen Standorts beziffert er mit 60 bis 80 Millionen Euro.

Für die gesamte Division Pkw-Fahrwerktechnik erwartet Coßmann 2015 ein Umsatzwachstum, das über dem Vorjahreswert von sieben Prozent liegen wird. In der nächsten Woche startet die Produktion eines Achsmontagewerkes in Chennai (Indien), in Sorocaba (Brasilien) wird derzeit eine Achssystem-Montage für GM aufgebaut, die 2016 die Produktion aufnehmen soll, außerdem nimm in Shenyang (China) ein Werke für Dämpfungsmodule mit starker Ausrichtung auf BMW den Betrieb auf. Daneben wird das Tech Center Shanghai um regionale Entwicklungsaktivitäten erweitert, um auch nicht nach Europa orientierte Kunden in China anzusprechen.

Auch in der Dümmer-Region sei durch neue Technologien ein Wachstum „generell möglich“, so Coßmann. Deutlich macht er das am Beispiel das Standortes Diepholz. Moderne Autos bestünden zu 50 bis 60 Prozent ihres Wertes aus Elektronik. „Hätten wir auf alte Technik gesetzt, wäre der Standort Diepholz heute nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Dank des Geschäftsfelds Elektronische Systeme habe sich die Zahl der Mitarbeiter hier seit 2006 aber verdoppelt.

Bereits ausgezahlt hat sich die Übernahme von TRW Automotive mit Hauptsitz in Livonia im US-Bundesstaat Michigan, die unter anderem in China bereits stärker Fuß gefasst hat als ZF. Die Übernahme bedeute eine Stärkung der Fahrwerksparte, so Coßmann. „Am Dümmer haben wir das Know-how, um diesen Bereich voranzutreiben.“ Derzeit gehe es darum, in Projekten gemeinsam an neuen Entwicklungen zu arbeiten. Vorerst wird TRW laut Coßmann nicht in den ZF-Konzern integriert.

Wohin die Reise in Sachen Vernetzung von Fahrwerk-, Antriebs- und Fahrassistenzsysteme geht, zeigte die ZF-Division auf der IAA mit ihrem gemeinsam mit TRW konzipierten Advanced Urban Vehicle. Der rein elektrische Hinterachsantrieb und ein Einschlagwinkel von bis zu 75 Grad an der Vorderachse sorgen für enorme Wendigkeit. „Das Ding ist eingeschlagen wie eine Bombe“, berichtet Coßmann. Entwickelt wurde die Hinterachslenkung in der Dümmer-Region.

Neben der Elektronik wird der Ausbau der Leichtbaustrategie am Standort Dielingen weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Bei Führungsbauteilen werde Stahl zunehmend durch Kunststoff oder Organoblech (Glasfasergewebe) ersetzt. Auch hier sind bereits erste Erfolge zu verzeichnen. So läuft in Newton (USA) in diesem Jahr der erste Serienauftrag eines Blechlenkers an, im Porsche Spyder soll künftig ein Bremspedal aus Organoblech zum Einsatz kommen.

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