Carola und Nathalie Wiedmer imkern in Drohne / Hobby liegt im Trend

Mutter und Tochter haben denselben Schwarm

+
Nathalie Wiedmer kommt oft nach Drohne, um am Bienenstock zu arbeiten.

Drohne - Von Mareile Mattlage. In den vergangenen Jahren war in den Medien vom Phänomen des „Bienensterbens“ zu hören und auch das Imkerhandwerk drohte bei einem Durchschnittsalter von 60 Jahren auszusterben. Der Deutsche Imkerbund beklagt neben dem Nachwuchsmangel das Fehlen weiblicher Imker, rief das Jahr 2008 gar zum „Jahr der Frau in der Imkerei“ aus. An Carola und Nathalie Wiedmer aus Drohne müssten Statistiker somit ihre helle Freude haben. Das Mutter-Tochter-Gespann ist nicht nur durchweg weiblich. Die 22-jährige Nathalie gehört außerdem zu den jüngsten Imkerinnen Deutschlands – ihre Ausbildung absolvierte sie im Alter von acht Jahren.

„Gelernt haben wir gemeinsam bei Buckfast-Imkern in Osnabrück. Wir selbst haben ein Carnica-Volk plus einen Ableger. Carnica-Bienen sind zwar nicht so ertragreich, dafür aber sanfter als Buckfast-Bienen. Man braucht für sie kaum Kräuterrauch, sie sind von Natur aus sehr ruhig. Den Honig nehmen wir nur für den Eigengebrauch und zum Verschenken“, erzählt Carola Wiedmer, während sie ein Messer in einen Eimer voller Honig taucht und die zähflüssige braune Masse anschließend vorsichtig in ein kleines rundes Glas fließen lässt.

Die arbeitsintensivste Zeit haben sie und Tochter Nathalie hinter sich. Ein paar Wochen musste der Honig täglich gerührt werden, damit er auch schön cremig wurde. Zuvor hieß es Waben entdeckeln, schleudern, kräftig sieben und das ganze wieder von vorn. Drei Monate lang, von Mai bis Juli. Alle 14 Tage musste zudem kontrolliert werden, dass die Bienen keine neue Königin züchten und nicht ausschwärmen, um ein neues Volk zu gründen.

„Das Imkern ist eine sehr zeitintensive Tätigkeit. Zumindest in den Sommermonaten“, geben die Frauen zu bedenken. Man brauche spezielle Kleidung, Material, Futter, Bienenkisten und eine ganze Menge Fachwissen. Dennoch würden sie ihr Hobby, das sie seit acht Jahren intensiv betreiben, nie wieder aufgeben wollen. „Den Tanz der Bienen zu beobachten ist wunderschön. Die Tiere sind so fleißig und verlässlich, alles läuft so harmonisch. Wenn wir die Königin entdecken, verspüren wir ein richtiges Glücksgefühl.“ Hinzu komme der leckere Honig. „Honig ist gesund. Seit wir viel davon essen, sind wir weniger krank und so gut wie nie erkältet“, sind die Imkerinnen überzeugt.

Bienen stehen unter Naturschutz, Wildbienen sogar unter speziellem Artenschutz. Und von ihrer unermüdlichen Bestäubungsarbeit profitiert in Drohne laut Carola Wiedmer die ganze Straße. Von Stachel-, Johannes- und Himbeeren über Kirschen, Äpfel und Birnen bis hin zu Haselnüssen und Kastanien trage die Arbeit der emsigen Tierchen hier im wahrsten Sinne des Wortes Früchte.

Nathalie Wiedmer studiert inzwischen in Münster Zahnmedizin, doch im Sommer kommt sie am Wochenende und in den Semesterferien so oft sie kann nach Hause, um nach „ihrem Volk“ zu sehen. „Auch wenn Nathalie die Jüngere ist – beim Imkern ist sie der Boss“, verrät Carola Wiedmer. Nathalie gibt ihrer Mutter einen Stupser in die Seite und grinst: „Mama ist einfach zu hektisch.“

Ihre Ausbildung absolvierten Mutter und Tochter bereits im Jahr 2002, das erste eigene Volk kam jedoch erst mehrere Anläufe und einige Jahre später. Erst konnte kein geeigneter Pate gefunden werden, ein anderes Mal lief der Bau der Bienenkisten schief, berichtet Carola Wiedmer. Heute steht die 58-Jährige anderen Jung-Imkern als Patin zur Verfügung.

Auch bloßes Zugucken ist Unschlüssigen und Neugierigen in ihrem Garten in Drohne erlaubt – entsprechende Schutzkleidung vorausgesetzt. In Drohne vorhanden ist die Ausrüstung für eine Person.

Etwa seit dem Jahr 2008 erlebt die Imkerei im ländlichen Raum und vor allem auch in Städten eine Renaissance. „Urban Beekeeping“ heißt der neue Trend, der in kulturellen Zentren wie Berlin, London, Paris, New York oder Tokio auf den Dächern der Hochhäuser zelebriert wird. Wie lange sich dieser hält, bleibt abzuwarten. „Es stimmt, dass Imkern bei jungen Leuten wieder gefragt ist“, so Carola Wiedmer. Allen Jung-Imkern rät sie, sich von Rückschlägen nicht verunsichern zu lassen und nicht so schnell aufzugeben. Eine Mitgliedschaft in einem Verein biete Vorteile und sei gut zum netzwerken, müsse aber nicht unbedingt sein. In Deutschland gibt es aktuell laut Wikipedia etwa 100 000 Imker mit etwa 800 000 Bienenvölkern. Rund 95 Prozent der Imker in Deutschland sind Freizeitimker. Wenige betreiben die Imkerei im Nebenerwerb und nur etwa 500 sind Berufsimker.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Diese 10 Dinge sollten Sie aus Ihrer Küche entfernen

Diese 10 Dinge sollten Sie aus Ihrer Küche entfernen

Kuriose Blitzer-Bilder: Die verrücktesten Radarfotos

Kuriose Blitzer-Bilder: Die verrücktesten Radarfotos

So funktioniert Virtual Fitness

So funktioniert Virtual Fitness

Geschichte und Zukunft des Wankelmotors

Geschichte und Zukunft des Wankelmotors

Kommentare