Bürgermeisterkandidat Uwe Wortmann nimmt zu Herausforderungen der kommenden Jahre in Stemwede Stellung

Bürger sind für Entwicklung verantwortlich

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Bürgermeisterkandidat Uwe Wortmann möchte gemeinsam mit den Stemweder Bürgern innovative Projekte entwickeln, die die Gemeinde attraktiver machen.

Stemwede - Uwe Wortmann ist kein Verwaltungsfachmann und möchte es auch nicht sein. Die Stemweder Verwaltung ist aus seiner Sicht in juristischen und Verwaltungsfragen kompetent genug. Vielmehr möchte der von SPD und Grünen nominierte Bürgermeisterkandidat die Gemeinde mit unternehmerischem Denken in die Zukunft führen und die Menschen dabei aktiv einbinden. In den vergangenen Monaten habe er mit Bürgern verschiedene Themen erarbeitet und sei dabei zu ganz innovativen Lösungen gekommen, die jetzt umgesetzt würden, berichtet Wortmann im Gespräch mit unserer Redakteurin Melanie Russ. Die Projekte würden übrigens auch umgesetzt, wenn er nicht gewählt würde, versichert er. In dem Fall gäbe es aber keine neuen Projekte.

Russ: Warum möchten Sie Bürgermeister in Stemwede werden?

Uwe Wortmann: SPD und Grüne haben gemeinsam einen Bürgermeisterkandidaten ausgeschrieben. Diese Ausschreibung war absolut ungewöhnlich, denn sie suchten keinen, der Bürgermeister im alten Sinne ist. Sie haben explizit geschrieben, dass sie jemanden haben möchten, der Projekte machen kann, der unternehmerisch denkt und kreativ ist, im Gegensatz zu Verwaltung, Steuerpolitik, Juristerei. Sie suchten jemanden, der etwas mit den Leuten erarbeiten kann und teamorientiert ist. Das hat mich überzeugt.

Welche Qualifikation bringen Sie für das Amt mit?

Wortmann: Ich komme aus dem Unternehmensbereich und habe 20 Jahre lang Projekte und Innovationsmanagement gemacht. Ich weiß also, wie es funktioniert, mit Menschen Ideen zu erarbeiten, diese umzusetzen, Probleme zu lösen und neue Dinge anzufangen.

Was macht den Ort Stemwede für Sie aus, sowohl positiv als auch negativ?

Wortmann: Die alte Dorfkultur existiert noch. Es gibt einen Wahnsinnszusammenhalt und ein großes Engagement, was ich von anderen Gemeinden so nicht kenne. Der ausgeprägte Wille, an der Gemeindeentwicklung teilzuhaben, ist da. Das muss jetzt gebündelt werden. Sie müssen jemanden haben, der ihnen den Rücken freihält, der diese Bestrebungen unterstützt und verwaltungsmäßig nach vorne bringt.

Ein Problem ist die große Zersiedelung, die viele Dinge beeinträchtigt oder es schwieriger macht, Lösungen zu finden. Aber daran kann man nichts ändern.

Die Eigenständigkeit der Ortschaften sorgt für Vielfalt, verursacht aber manchmal auch Kosten und Probleme. Wie wichtig ist für sie die Eigenständigkeit?

Wortmann: Klar, jede Ortschaft hat ihre Eigenständigkeit und auch ihre Existenzberechtigung. Das drückt sich aus in den unterschiedlichen Vereinen und Festen. Und das ist auch gut so.

Stichwort drohender Hausärztemangel: Appelle an Bund, Land und Kassenärztliche Vereinigung sind schön und gut, aber wie kann die Gemeinde selbst ganz konkret um Mediziner werben?

Wortmann: Es gibt konkrete Ansätze, die ich jetzt noch nicht im Detail ausführen kann. Wir arbeiten an einem ganz großen Ding, das im Gesamtzusammenhang zu sehen ist. Sollte sich das in dieser Form realisieren lassen, werden bestimmte Standorte für Ärzte attraktiv. Damit habe ich aber noch keinen Arzt, das will ich nicht verhehlen. Die kassenärztliche Zulassung muss da sein. Wenn die KV nicht mitspielt – und die habe ich ja nicht in der Hand – können solche Leute uns immer noch eine Nase ziehen.

Eine gute Infrastruktur ist ein Argument, um Unternehmen und Familien in Stemwede zu halten beziehungsweise anzusiedeln. Was kann die Gemeinde angesichts leerer Kassen leisten?

Wortmann: Infrastruktur sind ja viele Sachen. Bei allen Dingen, die wir mit den Bürgern gemacht haben, geht es darum, Attraktivität zu schaffen – einmal für Bürger, aber auch für Unternehmen.

Den Breitbandausbau etwa wird es geben. Da habe ich die Information aus dem Büro des NRW-Wirtschaftsministers, dass es eine Einigung mit einer privaten Firma gibt, die die Kosten übernimmt. Und beim Thema Straßen ist die Verwaltung ja schon dran.

Das Thema Nahverkehr ist natürlich ein Riesenthema. Da gibt es einen Ansatz, den ich vielleicht gerne verfolgen möchte, zu dem ich aber noch nichts Näheres sagen kann. Außerdem hat die Gemeindeverwaltung schon eine Webseite erstellt bezüglich Mitfahrgelegenheiten. Da kann man auch diskutieren, ob man das effizienter gestaltet, indem man davon eine App macht.

Es gibt im Moment auch die Initiative der Landesregierung für selbstfahrende Systeme. Google ist relativ weit, und wir haben hier in Stemwede ein renommiertes Unternehmen, das gerade eine Elektroabteilung aufgebaut hat, wo man dieses weiter betreiben könnte. Die Landesregierung möchte das selbstfahrende System gerne nach NRW holen, und für ländliche Strukturen ist es die ideale Nahverkehrslösung. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in der Kneipe und haben zu viel getrunken, und ihre App holt dieses selbstfahrende System, das sie nach Hause bringt. Das ist natürlich eine Idee, die weit in der Zukunft liegt. Aber wenn NRW so eine Teststrecke haben möchte, ist sie hier doch ideal.

Meinen Sie, Sie bekommen das System nach Stemwede?

Wortmann: Das weiß ich nicht. Man kann dafür werben. Aber wenn man solche Ideen erst gar nicht hat, dann wäre kein Menschen darauf gekommen, die Landesregierung dahingehend anzusprechen, dass wir innovativer Standort für diese Systeme werden möchten. Dazu bedarf es jemanden, der anders denkt und neue Wege gehen möchte.

Die Gemeinde hat freiwillige Leistungen auf ein Minimum zurückgefahren. Wo kann sie noch zur Haushaltskonsolidierung beitragen?

Wortmann: Ich stelle mich erstmal auf den Standpunkt, dass sich die Gemeinde nichts mehr leisten kann. Da ist nicht viel über. Sie muss zusehen, dass sie das, was sie hat, beisammen hält und eigentlich müsste sie was über haben, damit sie ihr Eigenkapital wieder nach oben bringt. Man muss immer schauen, was kostet das und ist der Bedarf groß genug.

Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass die Verwaltung einen Blick von außen braucht, um sich mal neu zu strukturieren, effizienter zu werden. Das ist aber eine Mutmaßung.

Die ursprüngliche Einstellung vieler Menschen ist, dass wir in einem Wohlfahrtsstaat leben und dass für das, was öffentlich passieren muss, auch der Staat aufkommen muss. Durch den demographischen Wandel verändert sich alles. Deswegen kommt dem Ehrenamt und der Eigeninitiative so viel Bedeutung zu. Wir sind für unsere Entwicklung verantwortlich.

Und wie wollen Sie Eigeninitiativen fördern?

Wortmann: Wichtig ist mir dass den Initiativen, die hier sind, nicht die Tür vor der Nase zugeschlagen wird, wie in der Vergangenheit. Wenn sie kommen und sagen, ich möchte jetzt Geld haben, dann ist der Ansatz falsch. Ich würde sagen: Überleg mal, wie kann man denn Geld machen. Wenn ich selbst etwas investiere, möchte ich das zum Erfolg führen. Dann ist ein ganz anderer Biss dahinter. Das gilt es zu fördern.

Wie stehen Sie zum Thema Windkraft? So viel wie möglich oder so viel wie nötig?

Wortmann: Ich glaube, dass Windenergie langfristig gesehen ein aussterbendes System ist. Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, noch mehr Windkrafträder aufzustellen. Schon gar nicht finde ich es gut, ein ausländisches Konsortium hier rein zu holen. Das würde ich nicht unterstützen. Das, was hier erwirtschaftet wird, soll auch hier bleiben.

Wie bewerten Sie die aktuelle Schulentwicklung in der Gemeinde? Ist eine Gesamtschule der richtige Weg?

Wortmann: Das ist eine tolle Sache. Die halte ich für sehr positiv. Das würde ich auf jeden Fall unterstützen. Wenn das nicht von der Verwaltung gekommen wäre, wäre ich selbst diesen Schritt gegangen. Und so, wie ich die Stemweder kenne, werden sie sich das ein oder andere ausdenken, um die Gesamtschule attraktiv zu machen. Die Eltern sind da sehr engagiert.

Sie sagten, eine Gemeinde muss wissen, wo sie hin will. Wo soll Stemwede in fünf, zehn Jahren stehen?

Wortmann: Ich möchte, dass diese Gemeinde mehr lebt, dass sie Zuzüge hat, dass sie sich entwickelt und attraktiv wird. Es ist eine Tendenz da, dass die Speckgürtel der Metropolen noch weiter wachsen werden. Irgendwann kann das keiner mehr bezahlen. Durch Technologien und Unternehmen, die günstiges Bauland brauchen, wird das ländliche Leben wieder attraktiv.

Ein weiterer Punkt, um die Attraktivität nach vorne zu bringen, ist dass Energie günstiger gemacht werden muss. Stemwede ist ein prädestiniertes Gebiet für Erdwärme, dann haben wir Solarenergie. Es gibt Ideen für günstigere Energie, die mit den Bürgern erarbeitet worden sind. Das ist aber noch nicht durchgerechnet, darum kann ich noch nichts Konkretes sagen.

Wenn die Gemeinde kein Ziel definiert – Stichwort Gemeindeentwicklungsplan, den es ja nicht gibt –, dann machen das andere für sie. Und andere heißt Kreis, Bezirksregierung und Land. Das bedeutet, dass eine Gemeinde wie Stemwede garantiert hinten runter fällt, weil sie so ländlich ist, dass sie nicht weiter beachtet wird. Und das bedeutet, dass das, was wir jetzt erleben, schlimmer wird.

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