Bürgermeisterkandidat Kai Abruszat stellt ärztliche Versorgung in Vordergrund

Gesundheit wird Chefsache

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Reges Interesse: Kai Abruszat (2.v.r.) setzt sich mit der Zukunft der ärztlichen Versorgung auseinander.

Stemwede - Am Donnerstag-nachmittag besuchte Kai Abruszat mit Gesundheits-Staatssekretär Karl-Josef Laumann Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Levern (wir berichteten). Abends diskutierte der CDU/FDP-Bürgermeisterkandidat im Gasthaus Jobusch in Niedermehnen mit Bürgern und Politikern über Wege, die ärztliche Versorgung in der Gemeinde sicherzustellen.

Das Thema ist geprägt von individuellen Belangen. Das wurde in den Wortbeiträgen von Apothekern, Ärzten, Pflegeheimbetreibern und Gewerbetreibenden deutlich. Einig war man sich, dass neben Schulen, Arbeitsplätzen und Kinderbetreuung die ärztliche Versorgung ein wichtiger Standortfaktor ist.

Rein statistisch gesehen ist in Stemwede die Anzahl der Hausärzte ausreichend. Noch, denn von acht Allgemeinmedizinern sind vier älter als 60 Jahre. „Wenn sie keine Nachfolger finden, haben wir ein ernstes Problem“, stellte Andreas Weingärtner (CDU) fest.

Werner Bensmann, Apotheker und ehemaliges Ratsmitglied, sparte nicht mit Kritik. „Es gab runde Tische. Danach ist nichts passiert. So kann man Gesundheitspolitik nicht machen.“ Beim Thema Schule schaue man in die Zukunft, die Gesundheitsversorgung lasse man den Bach runtergehen. Das Thema müsse Chefsache sein.

Der Mangel sei im Alltag noch nicht offensichtlich, zeige sich aber darin, dass Bewohner in Pflegeheimen bereits von auswärtigen Ärzten versorgt würden, merkte Dr. Herbert Stroh an. „Wir müssen Ärzte nachweisen für unsere Pflegeplätze. Eine Pflegeeinrichtung, die das nicht kann, hat keine Daseinsberechtigung“, erläuterten Achim Strohmeyer und Carsten Langer, Geschäftsführer der Pflegeheime in Levern.

Dr. Herbert Stroh sieht die einzige Chance, Nachwuchsmediziner anzulocken, in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Das unterstrich Sonja Hufendiek. „Eine Einzelpraxis wird keiner mehr machen“, erklärte die Oberärztin, die mit ihrem Mann in Stemwede wohnt und im Krankenhaus Ostercappeln arbeitet. Der Frauenanteil unter den Medizinstudenten sei hoch, darum sei Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig.

Die Idee eines Ärztehauses in Stemwede sei schon vor Jahren diskutiert worden, erinnerte Stroh. „Bei einem Zehnjahresvertrag hätte ich dabei für die vergangenen zwei Jahre die Miete von meiner Rente zahlen müssen, wenn ich keinen Nachfolger gefunden hätte“, verdeutlichte er seine ablehnende Haltung.

Ein zentrales MVZ sieht auch Alfred Bußmann kritisch. „Dann gehen in den anderen Stemweder Ortsteilen die Apotheke und Pflegeeinrichtungen den Bach runter“, befürchtet der Arzt aus Levern. Dennoch gelte es, ein „Nest für junge Mediziner zu schaffen“.

Dass die Gemeinde ein Ärztehaus baut, hält Abruszat nicht für die beste Lösung. „Es gibt in Stemwede Menschen, die bereit und in der Lage sind, sich zu engagieren.“ Am Ende müsse es aber jemanden geben, der als freiberuflicher Mediziner bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. „Ein Bürgermeister kann sich Mediziner nicht schnitzen.“ Er könne aber Impulsgeber sein und die Akteure vor Ort zusammenführen.

„Vieles werden wir nicht in Stemwede lösen können“, merkte Friedrich Klanke mit Blick auf Bundes- und Landespolitik an. „Abwarten und auf andere schauen ist aber der falsche Weg“, so der ehemalige CDU-Kreistagsabgeordnete.

SoR

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