Elterninitiative gründet Verein, der als Träger für eine Gesamtschule in Frage kommt

„Die Bildungslandschaft geht alle Stemweder etwas an“

Auch nach dem Rückzug der Ini aus Stemwede bleibt der Wunsch nach einer langfristigen Schullandschaft bestehen. Dafür setzen sich die Teilnehmer des Elternstammtisches ein und wollen einen Verein gründen, der sich künftig mit der Bildung in der Flächengemeinde befassen soll. - Foto: Bokelmann

Stemwede - Die Enttäuschung über den zurückgezogenen Antrag der Initiative für Jugendhilfe, Bildung und Arbeit (Ini) auf Errichtung einer privaten Gesamtschule sitzt tief. Dennoch wollen engagierte Stemweder nicht aufgeben und sich für die Bildungslandschaft der Flächengemeinde einsetzen. Jetzt soll ein Verein gegründet werden, der als Träger fungieren könnte.

Darüber berieten am Mittwochabend elf Teilnehmer beim Elternstammtisch, der sich im März zur Unterstützung der Ini gegründet hatte. „Wir wollen das Projekt Gesamtschule auch ohne die Ini auf den Weg bringen“, schwor Melanie Gutt die Anwesenden ein. Die Levernerin diskutierte mit Ratsvertretern sowie Interessierten im Life House über die Möglichkeiten, den Schulstandort Stemwede langfristig zu erhalten. Denn, so berichtete Jürgen Lückermann, ab dem Schuljahr 2018/2019 würden die erforderlichen Schülerzahlen an der Stemweder-Berg-Schule nicht mehr erreicht. Er gehe nicht davon aus, dass die Landesregierung die Schülerzahlen hinabsetze, so der Politiker.

„Es soll aber weitergehen“, sagte Lückermann, der sich für die Gründung eines Vereins aussprach. Dieser soll sich ihm zufolge um die Schullandschaft kümmern. „Wie das konkret aussieht, kann ich jetzt noch nicht absehen. Hauptsache wir werden erstmal aktiv“, sagte Lückermann. Am Ende sei aber eine private Schule die einzig richtige Lösung, meinte er. Nach der Gründung des Vereins, der sich ersten Überlegungen zufolge „Bildung in Stemwede“ nennen will, plant Jürgen Lückermann im weiteren Verlauf einen Förderverein für die fiskalischen Fragen ins Leben zu rufen. „Entweder wir suchen uns dann einen Träger für die Schule oder wir machen selber was“, verkündete Lückermann. „Wir können niemanden zwingen“, lenkte Theo Frenzel ein. Er hatte einen christlichen Träger als Option ins Spiel gebracht. Dieser Vorschlag war aber nicht akzeptiert worden, denn „wir wollen eine Schule ohne Einschränkungen“, erwiderte Lückermann. Er stellte zudem klar, dass es sich bei dem neuen Verein auf keinen Fall um einen Gegner der Stemweder-Berg-Schule handelt.

„Es muss nicht zwingend ein externer Verein als Träger her. Die Elterninitiative wird sich entsprechend aufstellen“, meinte Melanie Gutt. Dazu müsse alles juristisch Hand und Fuß haben – erste Vorgespräche im kleinen Kreis seien bereits erfolgt.

Dass die Ini sich aufgrund der umfangreichen Nachfragen der Bezirksregierung gegen die Errichtung der Gesamtschule in Wehdem entschieden und ihren Antrag zurückgezogen habe, bedauerte Christine von Eichel-Streiber. Sie hatte sich als Englischlehrerin für die neue Schulform beworben und ließ von Volker Esch-Ahlsen, der als Schulleiter vorgesehen war, ausrichten, dass dieser in der kommenden Woche für Gespräche nach Stemwede kommen wolle. Von Eichel-Streiber kritisierte auch den Informationsfluss, da sie selbst aus der Zeitung von der Entscheidung erfahren habe.

„Wir wollen keine Rückschau, sondern in die Zukunft blicken“, forderte Melanie Gutt die Stammtischteilnehmer auf, die Vorgehensweise der Bezirksregierung der Vergangenheit zuzuordnen. Lars Schulz merkte an, dass er aus der Art der Behandlung durch die Behörde aus Detmold erkannt habe, dass „sich alle bemängelten Sachen aus der Welt schaffen lassen“. Denn ihm zufolge „hat die Bezirksregierung mit Platzpatronen geschossen“.

„Jetzt muss die Elternschaft deutlich machen, dass sie das Ziel weiter verfolgt“, so Gutt. Doch allein das Elternengagement reiche nicht aus, waren sich die Stammtischteilnehmer einig. „Alle Stemweder sind von der Entwicklung der Bildungslandschaft betroffen“, sagte Lückermann: „Am Ende wird der öffentliche Personennahverkehr eingestellt, wenn keine Schüler mehr da sind. Es werden keine Leute mehr hier wohnen wollen.“

Das sei noch nicht in allen Köpfen angekommen, sagte Gutt – „aber es ist eine schöne und machbare Aufgabe“, fügte Schulz hinzu. Daraufhin forderte Gutt dazu auf, „auf die Brisanz des Themas überall aufmerksam zu machen“. Dabei solle keiner ausgeschlossen werden und „möglichst viele mit ins Boot geholt werden“, so Frenzel. „Wenn wir zur besten Lösung kommen wollen, müssen wir die Ärmel hochkrempeln.“

Am Donnerstag, 16. Juni, wollen sich die Akteure wieder im Life House treffen. Ab 19.30 Uhr würden sie sich über weitere Unterstützer freuen, die sich für den Erhalt der Schullandschaft einbringen. Ein Satzungsentwurf soll bei diesem Treffen gestaltet und dann ein Jurist zur Beratung herangezogen werden, sagte Jürgen Lückermann zum weiteren Vorgehen. Zuvor erhoffen sich die Gesamtschul-Befürworter, Informationen aus dem Schulausschuss zu erfahren. Dessen Mitglieder kommen am Mittwoch, 15. Juni, ab 17 Uhr in der kleinen Festhalle in Levern zusammen.

Den Antrag für den Verein wollen die Verantwortlichen noch vor den Sommerferien einreichen, denn „wir haben nicht viel Zeit“, so Lückermann. Die Gründungssitzung wurde auf Mittwoch, 22. Juni, terminiert. Der öffentliche Termin beginnt um 20 Uhr im Life House. - abo

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