Bildungsausschuss vertagt Entscheidung zur Gesamtschule

Emotionale Diskussion

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Auch die Schüler äußerten ihre Meinung: mit Fragen und mit Protestplakaten.

Stemwede - Von Melanie Russ. Bürgermeister Gerd Rybak war überrascht. So starken Widerstand wie gestern Abend in der Sitzung des Bildungsausschusses habe er in den vergangenen Tagen noch nicht gehört, sagte er angesichts der vielen kritischen Fragen, die Eltern, Lehrer und Schülervertreter der Verwaltung und den Vertretern der Initiative für Jugendhilfe, Bildung und Arbeit (INI) zur geplanten Gesamtschule stellten. In der Tat ging es sehr emotional zu, als die Zuhörer während einer Sitzungsunterbrechung zu Wort kamen.

Wie sichergestellt werden soll, dass genügend Schüler die Gesamtschule und vor allem die Oberstufe besuchen und die jetzigen Schüler parallel eine gute Ausbildung bekommen, wie es mit der Zukunft der jetzigen Lehrer und der Finanzierung aussieht und wie es weitergeht, wenn die INI als Träger insolvent gehen sollte, wollten die Eltern und Lehrer wissen. Mit den Antworten waren sie nicht immer zufrieden (Bericht folgt). „In der vergangenen Stunde ist etwas passiert, was Jörg Bartel und ich nicht erwartet hätten. Es gibt eine extrem negative Stimmung. Ich spüre, dass Sie diese Schule nicht wollen“, glaubte Rybak den Fragen entnommen zu haben, die Zweifel an der unbekannten INI und dem Erfolg einer Gesamtschule laut werden ließen.

Zu Beginn der Sitzung hatte Rybak erläutert, wie er und Schulamtsleiter Jörg Bartel zu der Auffassung gelangt waren, die Stemweder Schullandschaft verändern zu müssen. Nach der Schließung der Grundschule Westrup und der Kritik an Politik und Verwaltung habe er sich zum Ziel gesetzt, Schulentwicklung vorausschauend zu betreiben, und angesichts rückläufiger Schülerzahlen überlegt, wie mehr Schüler in Stemwede gehalten werden können. Als beste Schulform haben Rybak und Bartel die Gesamtschule ausgemacht. Sie genießt laut Rybak in anderen Kommunen hohe Akzeptanz, erfordert in öffentlicher Hand aber eine Vierzügigkeit. Weil dafür die Schülerzahlen nicht ausreichen, hat man sich unter privaten Trägern umgesehen und dabei vier Kriterien angelegt: freier Zugang für alle Stemweder Schüler, kein Schulgeld, keine Gewinnerzielung, Weiterentwicklung der schulischen Inklusion.

„Nach Recherchen zu Gesamtschulgründungen in der jüngeren Vergangenheit sind wir auf die INI in Lippstadt gestoßen, die in Bad Sassendorf eine Gesamtschule gegründet hat.“ Bartel und er hätten sich detailliert informiert, und „wir sind überzeugt davon, mit der INI den richtigen Partner für die Weiterentwicklung unserer Schullandschaft gefunden zu haben.“

Der Bürgermeister sieht die Gesamtschule auch als wichtiges Argument für den Wohn- und Wirtschaftsstandort Stemwede. „Zahlreiche Rückmeldungen aus der Wirtschaft bestätigen, dass Bildung mittlerweile ein harter Standortfaktor ist, und dabei spielt das Abitur eine wichtige Rolle.“

Den Eltern der jetzigen Verbund- und Sekundarschüler versicherte er, dass die „gute und erfolgreiche Schule“ für ihre Kinder fortgesetzt wird. Rybak erklärte erneut, dass er den Unmut über die Informationspolitik nachvollziehen kann, und bat Eltern und Lehrer, sich im Falle einer Entscheidung für die Gesamtschule in deren Entwicklung einzubringen.

Die Tendenz unter den Ausschussmitgliedern war gestern bereits klar: Eine Gesamtschule in privater Trägerschaft scheint für die Mehrheit der einzige Weg für den langfristigen Erhalt einer weiterführenden Schule in Stemwede. Eine Empfehlung an den Rat wollten die Politiker aber nicht abgeben. Sie vertagten die Entscheidung zunächst auf dessen Sitzung in der kommenden Woche, doch auch da wird sie nicht mit Sicherheit fallen. Jürgen Lückermann (FWG) regte eine Sondersitzung in den Ferien an, damit mehr Zeit bleibt, die Eltern bei der Entscheidung mitzunehmen. Dass die nur für eine private Gesamtschule fallen kann, steht für ihn angesichts der Schülerzahlen fest. An die Lehrer appellierte er, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

In der CDU gebe es keine einheitliche Meinung, sagte Fraktionschef Andreas Weingärtner, der davor warnte, die Chance jetzt vorbeiziehen zu lassen. Sie komme vielleicht nicht wieder. Er selbst plädiert für einen Schulstart schon im nächsten Jahr. Parteikollege Dietmar Meier relativierte seine früheren Aussagen. Seine Kritik an der Art und Weise der Bekanntgabe hält er aufrecht, in der Sache ist er noch unschlüssig.

Auch FDP und Grüne wollen die Gesamtschule – und das möglichst schon 2016. Als verbeamteter Lehrer sei er immer der Meinung gewesen, Bildung gehöre in die öffentliche Hand, gab Hermann Gesenhues (Grüne) zu. Jetzt müsse er davon abrücken, weil es keine Alternative gebe.

SPD-Fraktionschef Wilhelm Riesmeier drückte etwas auf die Bremse. Aus seiner Sicht besteht kein Grund für eine schnelle Entscheidung. Noch stimmten die Schülerzahlen, und die Haushaltssicherung sei nach unerwarteten Mehreinnahmen aktuell kein Thema. Man könne sich darum ruhig ein Jahr Zeit lassen, um die Eltern am Prozess zu beteiligen. Seine Parteikollegin Ilona Meier plädierte dagegen ebenfalls für eine schnelle Entscheidung.

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