Betriebsbesichtigung der Gemeinde bei Abfallentsorger Wüppenhorst

Alles Müll

+
Hermann Wüppenhorst (l.) erklärt den Stemweder Politikern, wie die Abfallentsorgung, hier in der Lagerhalle für Papier, im Detail funktioniert.

Oppenwehe - Von Anika Bokelmann. Fast jeder war schon dort, doch was genau im Entsorgungsbetrieb Wüppenhorst in Oppenwehe passiert, wissen die wenigstens. Gerd Rybak und Politiker der Gemeinde Stemwede ließen sich bei ihrer Betriebsbesichtigung, die zum festen Termin im Jahresverlauf des Bürgermeisters geworden ist, von Hermann Wüppenhorst die Abläufe und Techniken der Ab-fallentsorgung erklären. „Wir sind keine Weltfirma“, begrüßte der Geschäftsführer die Gäste im Besucherraum, um sie dann über das weitläufige Gelände zu führen, auf dem mehr als 150 verschiedene Müllartikel lagern, sortiert und weiterverarbeitet werden.

25000 Quadratmeter Betriebsfläche, davon 10000 Quadratmeter überdacht, gehören zum Unternehmen, das sich in der Gemarkung Oppenwehe, Flur 9, Flurstück 17, befindet. Angefangen hat alles 1973, als Erwin Wüppenhorst, Vater des heutigen Geschäftsführers, mit der Sperrmüllentsorgung den Grundstein legte. Nach und nach verwandelte Wüppenhorst den landwirtschaftlichen Betrieb am Ortsrand von Oppenwehe in das Gelände, wie die Stemweder, aber auch zahlreiche Niedersachsen aus der Umgebung, es heute kennen.

Das Gebiet, das von dem Unternehmen angefahren wird umfasst nicht mehr nur Stemwede und Rahden, wie es anfangs der Fall war, sondern reicht vom südlichen Landkreis Diepholz (dort fährt Wüppenhorst unter anderem im Auftrag der Abfallwirtschaftsgenossenschaft Bassum) bis nach Münster und Osnabrück. Um Klärgruben zu leeren und Anlagen entsprechend zu beliefern, steuern die Fahrzeuge, insgesamt 20 Stück sowohl in orange, als auch in weiß, auch Holtorf, Damme, Dinklage, Rehden, Lemförde und natürlich Stemwede an.

Zu Beginn kümmerte sich Wüppenhorst lediglich um Biomüll und Sperrabfälle, erinnerte sich Hermann Wüppenhorst: „In den 90er-Jahren kam dann der Plastikmüll dazu“, berichtete er den Politikern. Die Anlage für die DSD-Sortierung (Anlage zur Trennung von Verpackungsmüll) steht heute allerdings still. „Seitdem Tönsmeier in Porta Westfalica aufgerüstet hat, teilen wir uns die Bereiche auf“, beschrieb Wüppenhorst die Abmachung zwischen den privaten Entsorgern. Da die Technik aber noch in Oppenwehe ist, hatte Wüppenhorst auf die Einführung der Wertstofftonne gesetzt. Dann hätten größere Mengen die Anlage speisen können, so der Unternehmer.

Ein anderer Schritt in die Zukunft beschäftigt sich mit der Ausweitung der Aktenvernichtung. „Wir sind im Baugenehmigungsverfahren, um den bisherigen Standort für Plastikmüll für die Akten zu nutzen“, sagte Wüppenhorst.

Inzwischen unterhält Wüppenhorst fünf Hallen sowie zusätzliche Verwaltungsgebäude, in denen 35 Mitarbeiter beschäftigt sind. Etwa die Hälfte seien Fahrer, vier Personen gehören zur „schlanken Verwaltung“, der Rest verteile sich auf Hofleute und Werker. Diese fahren mit den Wagen mit und stellen die Tonnen auf die Kippflächen oder beladen die Container mit gelben Säcken, sofern keine Seitenlader eingesetzt werden. Denn für diese ist nur noch der Fahrer nötig.

„Das zeigt die enorme Entwicklung“, so Wüppenhorst, denn in den 90er-Jahren hätte er noch rund 50 Angestellte gehabt. „Ein Mann ist das Minimum, auch wenn die Technik sich immer weiterentwickelt“, so der Unternehmer, der im Geschäft seit drei Jahren von seinem Neffen Christian Wüppenhorst unterstützt wird.

„Es ist spannend, was für Müll anfällt“, sagte Hermann Wüppenhorst über seine Arbeit und nannte beispielhaft einen Kunststoffmix, den die Mitarbeiter derzeit sortieren. Angefallen sei der Abfall beim Umschlag eines Schiffes für Übersee. Nun gelte es, „lohnenswerte Einzelteile“ wie Folien und Hohlkörper aus dem Gemisch herauszuholen. Für Neffe Christian Wüppenhorst ist es ein Rätsel, was einige Leute wegwerfen: „Die wissen vermutlich gar nicht, welchen Wert ihr Müll hat“, so der Jungunternehmer.

Erst vor zwei Wochen ging die neueste Errungenschaft des Abfallentsorgers in Betrieb: Eine neue Waage für Lastwagen, die mit äußerst empfindlichen Wiegezellen ausgerüstet ist, befindet sich nun im Eingangsbereich neben der Waage für Autofahrer.

Für die gute und enge Zusammenarbeit zwischen dem Privatunternehmen und der Gemeinde bedankte sich nun Gerd Rybak im Rahmen der Betriebsbesichtigung. Dem Bürgermeister war es wichtig, den Kontakt zum Abfallentsorgungsbetrieb aufzusuchen und mögliche Antworten auf „aktuelle Problemlagen“ zu bekommen, da „wir seit Wochen das Thema Abfallwirtschaft auf der Agenda haben“, so Rybak. Damit spielte er auf das neue Konzept des Kreises Minden-Lübbecke sowie die Diskussionen um die Einführung der Wertstofftonne an.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

„Lenna” im Kurpark

„Lenna” im Kurpark

Kommentare