Plattdeutscher Mühlengottesdienst

Beten beim Mühlenknarren und dem Rauschen der Blätter

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Tradition wird großgeschrieben an der Leverner Mühle. Und zur Tradition gehört auch der plattdeutsche Gottesdienst unter Mühlenflügeln mit Pfarrer a.D. Wilhelm Dullweber (r.).

Levern - Wenn die Leverner Kirchengemeinde einmal im Jahr zum Sommergottesdienst an die Leverner Mühle einlädt, sind die provisorischen Kirchenbänke im Nu gut gefüllt. Gläubige von nah und fern freuen sich dann auf Gottes Wort in plattdeutscher Form. Am Sonntag überbrachte es Leverns evangelischer Pfarrer a.D. Wilhelm Dullweber.

Seit mehr als 20 Jahren in Folge bot der Leverner Mühlenverein den idyllischen Platz unter Mühlenflügeln für den plattdeutschen Gottesdienst an. Der erste Mühlentag im Juli ist seit jeher für diesen Gottesdienst reserviert. Wettertechnisch war der „Draht nach oben“ nicht immer so gut wie bei der jüngsten Auflage. Auch stürmische und verregnete Predigten hätten die Gottesdienstbesucher im Laufe der Jahre in Kauf nehmen müssen, stellte Friedrich Klanke, Vorsitzender des Mühlenvereins, während seiner Begrüßung klar.

Aber die meisten würden gerne wiederkommen – auch, wenn am Sonntagvormittag manch einer noch ein wenig müde ausgesehen habe. Das läge dann wohl daran, dass am Vorabend im benachbarten Hollwede Schützenfest gefeiert wurde, oder die Fußballfans beim Viertelfinale erst nach Verlängerung und Elfmeterschießen ins Bett gehen konnten.

Wie auch immer, spätestens bei herrlich feierlichen Bläserklängen des Leverner Posaunenchores, unter Leitung von Manfred Südmeyer, waren alle Gläubigen hellwach und lauschten aufmerksam dem Gesang des gemischten Chores der Singgemeinschaft Frohsinn, der von Martin Pieper an diesem Morgen musikalisch geführt wurde.

Nicht alltäglich ist ein Gottesdienst in plattdeutscher Sprache mit „Dulli“, wie Pfarrer a.d. Wilhelm Dullweber von seinen Freunden liebevoll genannt wird. Immer wieder ließ der Geistliche kleine persönliche Geschichten in seine Andacht einfließen und verknüpfte sie mit der Predigt – und gerade das machte seinen Gottesdienst aus, ließ ihn zu einer ganz besonderen Begegnung werden. Mit dabei waren auch Beate Nolte, Marlinde Frickenhelm, Ingrid Haevescher und Elisabeth Reddehase vom plattdeutschen Arbeitskreis, die den Gottesdienst mit Anspielen auflockerten.

Dabei waren es nicht ausschließlich Mitglieder aus Stemweder Kirchengemeinden, die die spartanischen Bänke im Schatten der Mühlenflügel füllten, um den Worten des Geistlichen zu lauschen und ein Vater-Unser in plattdeutscher Form bei Blätterrauschen und Mühlenknarren zu beten. Die Besucher kamen auch aus dem weiteren Umkreis, sogar aus Berlin, merkte Klanke eingangs an. Immer wieder hielten auch Jogger, Spaziergänger und Fahrradfahrer inne und verweilten, um einige Minuten in sich zu gehen.

Im Anschluss an den Gottesdienst weckten Leckereien vom Grill bei vielen Besuchern die Lust, den am Nachmittag stattfindenden Mühlentag, zu dem etliche Kunsthandwerker angereist waren, zu genießen. Den musikalischen Part übernahmen dabei die Glasturmsänger aus Ovenstädt. In die Rolle des Hobbymüllers war Dietrich Kramer geschlüpft und Mitglieder des Mühlenvereins sorgten mit frischem Butterkuchen und einem Pott Kaffee dafür, dass niemand hungrig das Mühlengelände verlassen musste.

hm

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