Bestattungen und Friedhöfe wandeln sich im Lauf der Zeit / Ruhe und Frieden

Kulturstätten als Orte der Erinnerung und des Trosts

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Ort des Friedens und der Ruhe: Auch wenn die Bestattungskultur sich verändert, verlieren Friedhöfe, wie der in Dielingen, dadurch nichts von ihrer ursprünglichen Bedeutung für die Menschen, für die Trauer, für den Abschied und für einen Neuanfang.

Stemwede - Das Eisentor am Friedhofseingang in Dielingen quietscht leise. Hier und da werden Gräber für den Winter hergerichtet. Vereinzelte Sonnenstrahlen blitzen durch die Wolken und laden ein, auf einer der Bänke Platz zu nehmen. Friedhöfe sind Orte der Ruhe und Einkehr. Sie sind aber auch Kulturstätten. Auf ihnen wird die Erinnerung wachgehalten – an Menschen und ihre Geschichten.

Schon die frühen Menschen haben ihre Toten in verschiedener Form gewürdigt. „Mit der Christianisierung im neunten Jahrhundert sah die karolingische Gesetzgebung vor, dass Kirche und Begräbnisstätte im Mittelpunkt der geistlichen Lebensgemeinschaft stehen sollen, also im Zentrum der Siedlung“, erklärt Wilfried Thünemann. „Alle getauften Christen wurden von diesem Zeitpunkt an auf dem Hof der Kirche bestattet“, erklärt der Dielinger. Er gehört über den Arbeitskreis St. Matthias-Bruderschaft zu den Mitherausgebern des Buches „Das Dorf Dielingen im Wandel der Zeit“. In dem im Jahr 2003 erschienenen Buch wird die Geschichte der Dielinger Kirche und die sich im Laufe der Jahrhunderte wandelnde Bestattungskultur ausführlich dargestellt.

Die St. Matthias Bruderschaft wurde 1654 von einigen Dielinger Männern in christlicher Verantwortung gegründet. „In schwerer Pestzeit mochte niemand mehr die Toten berühren oder schon gar nicht bestatten“, erläutert Thünemann. „Durch die Beerdigungs-Bruderschaft bekamen alle Verstorbenen wieder eine würdige und christliche Bestattung und ein Wunder geschah, denn niemand wurde mehr angesteckt und der ‚Schwarze Tod' verlor seine Schrecken“.

Bis 1857 war der Kirchhof an der St. Matthias-Kirche in Dielingen viel zu klein geworden. Er konnte keine Toten mehr aufnehmen und wurde geschlossen. Der jetzige Friedhof wurde noch im gleichen Jahr eröffnet. Er diente bis zur Errichtungen von eigenen Friedhöfen in Drohne und Stemshorn auch für die dort Verstorbenen als letzte Ruhestätte.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Familien-Erdgrabstätten auf Erbpachtbasis eingeführt, berichtet Thünemann. „Damit konnten Familien ihre verstorbenen Angehörigen erstmals gemeinsam an einem Platz beerdigen.“ Je nach Familiengröße entstanden in dieser Zeit unter anderem Stätten von sechs bis zwölf Grabplätzen. Mit dem Bau und der Einweihung der Friedhofskapelle endete 1962 die Jahrhunderte andauernde Tradition der Beerdigungen vom Trauerhause aus. „Die langen Trauerzüge durch die Straßen und Wege des Dorfes verschwanden damit.“

„Heute erleben wir wieder einen Wandel in der Bestattungskultur“, so Thünemann. „Die Großfamilien im Dorf werden weniger. Große Familiengrabstätten für Sargbestattungen werden immer weniger benötigt, vorhandene aufgelöst.“ Daneben würden sich unterschiedlichste Bestattungsrituale entwickeln, die problemlos nebeneinander praktiziert werden können, findet Wilfried Thünemann. „Der Friedhof als Ort des Friedens und der Ruhe verliert dadurch nichts von seiner ursprünglichen Bedeutung für die Menschen, für die Trauer, für den Abschied und für einen Neuanfang. Leben und Hoffnung und der Glaube an die Wiederauferstehung behalten hier einen Raum und das Kreuz im Mittelpunkt des Friedhofes will uns trösten.“

SoR

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