Stefan Bulk beringt Jungstorch in Levern

Beliebte Kinderstube in luftiger Höhe

Stefan Bulk hat dem Storchen-Jungtier mit dem Ring einen individuellen Wiedererkennungswert verpasst. Anhand der Nummer lässt sich sein Flug und später auch seine Fortpflanzung nachvollziehen. - Fotos: Bokelmann

Levern / Dielingen - Der Storchenhorst gegenüber des Hofs der Familie Pape in Levern scheint den Vögeln zu gefallen. Seit inzwischen sechs Jahren wird er regelmäßig angeflogen und meistens gibt es dann im Frühsommer auch Nachwuchs. Diesmal waren es drei Jungstörche im Alter von drei bis vier Wochen, die Stefan Bulk entdeckte, als er zum Beringen des Nachwuchses am Montagabend einen Blick ins Nest warf.

Das Alter könne er an der Entwicklung des Gefieders ausmachen, erklärt Bulk als Vorstandsmitglied des Aktionskomitees „Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke“, der schon seit mehr als 30 Jahren für den Storchenschutz im Mühlenkreis unterwegs ist. „Denen geht es gut“, konstatiert er den drei Jungvögeln eine gute Verfassung und nimmt sich ein Tier vor, dem er einen Ring mit einer Kennnummer um das Bein legte. Anhand der Kennzeichnung lassen sich später die Wege und Fortpflanzungen der Störche nachvollziehen. Da es in diesem Jahr nicht genug Ringe für alle Jungvögel gibt, bekommt nur der älteste und stärkste Storch die Markierung.

Mit einer Arbeitsbühne geht es in luftige Höhe: Die Beringung der Störche bei Papes in Levern war am Montagabend nur eine Station des Aktionskomitee-Mitglieds.

„Es hätte schon eher Nachwuchs geben können“, meint Erwin Pape, der den Standort von seinem Haus an der Straße Niederheide beobachtet. Er hatte im Februar häufiger schon Störche auf dem Horst gesehen. „Aber die sind nicht geblieben und dann kamen noch andere Störche“, hat Pape dokumentiert. Seit März sei der Horst dann ständig besetzt gewesen.

Für den Bruterfolg ist laut Stefan Bulk vor allem das Wetter im Mai und Juni entscheidend. In dieser Zeit dürfe es keine längeren Phasen mit nasskaltem Wetter mit viel Regen, Kälte und Nachtfrösten geben. Zudem darf es nicht zu trocken sein, weil sich sonst das Nahrungsangebot reduziert.

Wenn Bulk mit einem Kran zu den Horsten hinauffährt, hat er immer einen Zollstock mit dabei, um die Entwicklung des Nestes zu dokumentieren. „Die Horste werden jedes Jahr weiter ausgebaut“, sagt Bulk, während er sich in rund 20 Metern Höhe über die Jungstörche beugt. Zudem nutzt Bulk bei dem Termin immer die Gelegenheit, die Gesundheit der Tiere zu prüfen und gegebenfalls Müll aus dem Nest zu entfernen, der für die Tiere gefährlich werden könnte. Die Elterntiere verlassen das Nest, wenn sich der Wagen ihrem Domizil nähert und umfliegen den Horst in einiger Entfernung.

Noch etwa einen Monat werden die drei Storchenbabys auf dem Horst bleiben, bevor sie weiterziehen und vielleicht im nächsten Jahr in den Stiftsort wiederkehren. Das wird sich dann in den Statistiken des Aktionskomitees nachvollziehen lassen. Bis Mitte Mai waren diesen Aufzeichnnungen zufolge insgesamt 55 Storchenhorste mit einem Brutpaar im Mühlenkreis besetzt. Das sind zwei besetzte Horste weniger als im Vorjahr. Die festgestellten Ringstörche auf den Horsten waren in den meisten Fällen Brutvögel auf heimischen Storchenhorsten im vergangenen Jahr oder den Vorjahren. Es sind aber auch einige andere Ringstörche neu hinzugekommen.

Wie viel Nachwuchs die Störche insgesamt hervorbringen, können die Mitglieder des Aktionskomitees derzeit noch nicht sagen. Bei 26 im Mühlenkreis brütenden Paaren sei mit rund 52 Jungtieren zu rechnen. Allerdings wurde den Naturfreunden schon von einigen verendeten Tieren berichtet – so zum Beispiel im Horst in Getmold.

Bei den Störchen „Helene“ und „Flori“ in Dielingen hat sich in diesem Jahr kein Nachwuchs eingestellt. „,Helene’ ist wahrscheinlich noch zu jung“, vermutet Holger Reitmeyer, der die beiden Störche seit ihrer Ankunft jeden Tag von seinem Haus aus beobachtet. An manchen Tagen sei auf dem Horst Einiges los gewesen, so der Dielinger. „Wir haben hier manchmal sechs Vögel gehabt.“ Das Storchenpaar habe sein Nest aber erfolgreich verteidigt. „Flori“ nistete im vergangenen Jahr übrigens in Espelkamp. Wo sich „Helene“ zu der Zeit aufhielt, lässt sich nicht nachvollziehen, da sie keinen Ring trägt. - abo/mer

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