Wilfried Brüning informiert unterhaltsam über Gefahren des Medienkonsums

Wer begrenzt, schenkt Kindern einen Traumstart

+
Digitale Medien, wohin man schaut: Wilfried Brüning erläuterte im Life House die Gefahren übermäßigen Medienkonsums.

Stemwede - Von Melanie Russ. Die Gefahren lauern überall – im Kinderzimmer, im Wohnzimmer, selbst auf dem Schulweg. Überall sind Kinder und Jugendliche digitalen Medien ausgesetzt.

Mit Unterstützung des „kleinen Lukas“ veranschaulichte der Medienpädagoge Wilfried Brüning, wie Neuronen neues Wissen speichern, in diesem Fall Informationen über Zitronen.

Wer Wilfried Brüning zuhört, bekommt bisweilen den Eindruck, nichts sei für Heranswachsende gefährlicher als ein flackernder Bildschirm. Der Medienpädagoge ist während seines Vortrags im Life House in Wehdem am Freitagabend mit vollem Körpereinsatz bei der Sache. Gut zweieinhalb Stunden spricht er über die negativen Auswirkungen eines ungezügelten Medienkonsums aufs junge Gehirn, wechselt dabei geschickt zwischen humorvollen Anekdoten, praktischen Tipps und interessanten Fakten.

Sein Vortrag ist alles andere als „Frontalunterricht“. Die rund 100 Zuhörer müssen selbst aktiv werden, schlüpfen in die Rollen des dreijährigen Lukas, seiner „Wissensmacher“ oder der „bösen Programmchefs“ einschlägiger Privatsender. Brüning verteufelt die digitalen Medien dabei nicht per se. Als Werkzeug und gelegentliche Zerstreuung kann er ihnen durchaus etwas abgewinnen.

Der Medienpädagoge sieht seine Aufgabe in der Aufklärung, aber auch darin, Eltern den Rücken zu stärken. Viele hätten Angst, als rückständig zu gelten, wenn sie den Medienkonsum ihrer Kinder einschränken. „Bleiben Sie geschmeidig. Wer begrenzt, ist ganz weit vorn und ermöglicht seinen Kindern einen Traumstart ins Leben“, versichert er und verbringt den Rest des Abends damit, seinen Zuhörern – ja, auch mithilfe digitaler Medien – zu erklären, warum das so ist.

Für Brüning ist die Unterscheidung zwischen Medienkonsum und Mediennutzung ganz wesentlich. „Immer, wenn Kinder digitale Medien als Werkzeug benutzen, ist dagegen nichts einzuwenden“, lautet eine seiner Kernaussagen, wobei natürlich auch hier ein gewisses Zeitlimit eingehalten werden sollte. Ein typisches Beispiel: Das Kind wünscht sich eine Nintendo-Konsole. Brünings Rat: „Schenken Sie ihm stattdessen einen Fotoapparat.“ Damit könne es die Welt aus einem neuen Blickwinkel entdecken, zum Beispiel Omas Geburtstagsfeier dokumentieren oder im Wald auf Fotosafari gehen, die fotografierten Pflanzen und Tiere anschließend bestimmen. Kinder lernen dabei ganz nebenbei auch einen wesentlichen Baustein der Medienkompetenz: Bilder können manipuliert werden.

Warum Medienkonsum gerade in jungen Jahren schädlich ist, erklärt Brüning mit einem ebenso anschaulichen wie amüsanten Ausflug in die Welt der Neuronen. Rund 100 Milliarden tummeln sich im Gehirn. „Wenn Sie die aneinander reihen, können Sie Ihr Gehirn sechs Mal um die Erde wickeln“, lautet einer der vielen Fun-Facts, mit denen Brüning sein Publikum am Ball hält.

Neuronen sind Wissensmacher. Im Laufe des Lebens spezialisieren sie sich auf einzelne Informationen, die sich vernetzen und das Wissen eines Menschen ausmachen. Doch sie wollen gefordert werden. Sie wollen arbeiten. Bekommen sie nichts zu tun, verkümmern sie. Optimal wäre es laut Brüning, wenn bis zum Grundschulalter etwa 60 Milliarden jungfräuliche Neuronen zu „Wissensmachern“ geworden sind. Bei einem „Medienkind“ machten aber nur rund 30 Milliarden diese Entwicklung. Die Folge: Die Kinder sind in der Schule desinteressiert, weil in ihren Köpfen zu wenige aktive Neuronen schwirren und weil ihnen das Lernen schwer fällt. Denn Lernen funktioniert dann am besten, wenn Neues auf Bekanntem aufbauen kann. Wo die Grundlage fehlt, fällt der nächste Schritt schwer.

Brüning zitiert das Ergebnis einer relativ neuen Studie, das auch ihn überrascht hat: Fernsehen sei die Tätigkeit, bei der das Gehirn am wenigsten Energie verbrauche. Selbst beim Chillen, wenn man die Gedanken wandern lasse, sei es aktiver. Eine weitere Studie zeige, dass sich gerade Gelerntes nicht dauerhaft im Gedächtnis festigen könne, wenn Kinder unmittelbar nach der Schule Fernsehen schauen oder Computerspiele spielen.

Fernsehen und Computerspiele, so scheint es, sind wahre Wissensvernichtungsmaschinen. Der Medienpädagoge hat darum einen ganz klaren Rat an Eltern: „Bevor Ihre Kinder den Fernseher einschalten dürfen, müssen Sie sich überlegen, wie viel Zeit der Nichtentwicklung Sie ihnen zumuten möchten.“ Bei Kindern bis sechs Jahren müssten zehn Minuten Fernsehen mit 40 Minuten Aktivität im realen Leben ausgeglichen werden, bei 12- bis 18-Jährigen seien etwa 20 Minuten erforderlich.

Auch auf die emotionale Entwicklung eines Kindes haben digitale Medien laut Brüning verheerende Auswirkungen. Medienkinder hätten beispielsweise ein geringeres Selbstbewusstsein, weil die digitale Welt ein perfektes Bild widerspiegele, dem die Realität nicht standhalten könne.

Den digitalen Medien ganz entsagen müssen Heranwachsende natürlich nicht. Deren Konsum darf – ein entsprechendes Alter vorausgesetzt – sogar mal etwas exzessiv sein. Es spreche nichts dagegen, sein Kind ausnahmsweise mit Freunden bis in die Nacht zocken zu lassen. Und wenn im Sommer die Europameisterschaft beginnt, „können Sie ihrem Kind natürlich nicht nach zehn Minuten sagen, seine Medienzeit sei vorbei.“ In diesem Fall empfielt der bekennende Fußballfan: gemeinsam schauen und ein Erlebnis daraus machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Hoffest der Bockhops in Asendorf-Graue

Hoffest der Bockhops in Asendorf-Graue

Schafmarkt in Bruchhausen-Vilsen

Schafmarkt in Bruchhausen-Vilsen

Verkaufsoffener Sonntag und Boxenstopp in Achim

Verkaufsoffener Sonntag und Boxenstopp in Achim

Wahlparty bei Axel Knoerig in Kirchdorf

Wahlparty bei Axel Knoerig in Kirchdorf

Kommentare