Baumkletterer Heiko Voß aus Levern macht Hobby zum Nebenberuf

Baumpflege in luftiger Höhe

Ganz in seinem Element: Mit einer Handsäge befreit Heiko Voß eine alte Eiche von Totholz.  - Foto: Russ

Stemwede - Von Melanie Russ. Die Leidenschaft fürs Klettern begleitet Heiko Voß aus Levern eigentlich schon sein ganzes Leben. Als Vierjähriger machte er die Bäume im elterlichen und großelterlichen Garten unsicher, als Erwachsener verschrieb er sich zunächst dem Sportklettern, vor einigen Jahren kehrte der inzwischen 47-Jährige gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück.

Zur professionellen Baumkletterei kam er durch seinen eigenen Wald in Pr. Oldendorf. Um einzelne Bäume im dichten Bewuchs fällen zu können, riet ihm sein Förster, sie von oben nach unten abzutragen. Als erfahrener Steilwandkletterer machte er sich selbst ans Werk. Mit der Zeit wurde aus der Baumpflege für den Eigenbedarf ein Nebenberuf. 2009 begann Voß, der im Hauptberuf für die Lübbecker Werkstätten der Lebenshilfe tätig ist, eine Ausbildung zum zertifizierten Baumpfleger und -kontrolleur. Nach mehreren Lehrgängen zur Technik, dem Arbeiten mit der Motorsäge und zur Arbeitssicherheit legte er kürzlich in Höxter erfolgreich seine Prüfung ab. Als faszinierendsten, zugleich aber auch schwierigsten Teil der Baumkontrolle bezeichnet Voß den Bereich „Holz zerstörende Pilze“. Angesichts der großen Artenvielfalt bestehe die Kunst darin, die hoch aggressiven Pilze von denen zu unterscheiden, die die Standsicherheit des Baumes kaum beeinträchtigten.

Diese Art der Baumpflege hat vor allem durch die Einführung der Verkehrssicherungspflicht Konjunktur. Sie besagt, dass jeder private wie öffentliche Eigentümer eines Baumes dafür Sorge tragen muss, dass niemand durch ihn geschädigt wird. Alte Bäume müssen sogar jährlich überprüft werden. An langen Alleen sei es vielleicht vorteilhaft, mit dem Hubwagen zu arbeiten, bei einzelnen Bäumen sei dagegen die Kontrolle und Pflege durch einen Baumkletterer sinnvoll, so Voß, der noch einen wesentlichen Vorteil seiner Arbeit sieht: Anders als ein Arbeiter auf einer Hebenbühne erreicht ein Baumkletterer jeden noch so entlegenen Ast eines Baumes.

Die Seilklettertechnik geht auf eine Entwicklung ab Mitte der 1970er-Jahre in England und den USA zurück. Ziel ist es, Bäume etwa in Parkanlagen oder Gärten zu pflegen, die mit Hebebühnen nicht erreichbar sind. Aufgrund seiner Erfahrung an Fels- und Kletterwänden zieht Voß es allerdings vor, den Baum als Kletterhilfe zu nutzen und sich nicht allein auf die Seile zu verlassen.

An seinen kuriosesten Einsatz hat der Leverner noch lebhafte Erinnerungen. In Osnabrück musste er eine Buche abtragen, weil ein Schwefelporling den Stamm zersetzte. „Was ich nicht wusste: An diesem Tag spielt der VfL Osnabrück gegen den SC Preußen Münster, und weil sich die Fans nicht immer mögen, sah ich mich in dieser Buche sägend von den Fußballfans und einer Hundertschaft der Polizei umringt.“

Als nächstes Ziel hatte sich Voß eigentlich die Teilnahme an der Deutschen Baumklettermeisterschaft Anfang Juni im sächsischen Oschatz gesetzt, für die er sich als einer von 60 Kletterern qualifiziert hatte. Doch eine Grippe machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Weil nicht genug Zeit für die Vorbereitung blieb, stellte er seinen Startplatz zur Verfügung. „Ich werde im Juni 48 Jahre alt. Die meisten, die bei der deutschen Meisterschaft antreten, sind Mitte 20“, sagt Voß. Da müsse er schon ganz schön beißen, um konkurrenzfähig zu sein. Vom olympischen Motto „Dabei sein ist alles“ hält der ehrgeizige Leverner wenig. Wenn er sich einem Wettkampf stellt, will er sein Bestes geben. Voß: „Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.“

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