Asylbewerber haben unterschiedliche Kompetenzen / Mit Praktikum starten

„Topmotivierte Leute“

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Andreas Feuchert stellte den Mitgliedern der Westruper Dorfwerkstatt sowie Unternehmensvertretern das Konzept vor, mit dem Flüchtlinge künftig besser in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen.

Westrup - Viele Flüchtlinge wollen arbeiten. Und der Idee, sie einzustellen, stehen einige Stemweder Unternehmer aufgeschlossen gegenüber. Das zeigte das Treffen der Westruper Dorfwerkstatt am Mittwochabend in der Gaststätte Grunwald. Rund 20 Firmenvertreter und Helfer der Flüchtlingsarbeit informierten sich über Arbeitsmöglichkeiten für Asylbewerber. Deutlich wurde, dass Flüchtlinge motivierte Mitarbeiter sein können. Aber auch, dass es Barrieren gibt.

Referent war Andreas Feuchert. Er ist Teamleiter des Integration-Points (IP) in Herford. IP ist ein Integrationszentrum der Arbeitagentur, das Flüchtlingen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern soll. „Unser Ziel ist, die Leute am Arbeits- oder Ausbildungsmarkt zu platzieren – unabhängig vom Stand des Asylbewerberverfahrens“, erklärte Feuchert.

Dabei kümmere man sich vorrangig um jene, die mit hoher Wahrscheinlichkeit noch lange in Deutschland leben. Also Flüchtlinge aus Ländern, in denen ein Ende der Konflikte nicht absehbar sei. Als Beispiel nannte Feuchert Syrien.

Das Team des Integration- Points will deren Potenziale erschließen und Perspektiven schaffen. Dafür schauen die Mitarbeiter Feuchert zufolge, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten die Asylbewerber mitbringen. Hier gebe es große Differenzen, so der Experte. Manche hätten studiert, andere seien in ihrem Leben nur vier Jahre zur Schule gegangen.

Oft fehlten Nachweise, die mit einem Gesellenbrief vergleichbar seien. „Die Leute haben zwar Kompetenzen – aber die sind häufig nicht belegbar“, sagte Feuchert. Ein Vorteil der Flüchtlinge sei ihr Wille zum Arbeiten: „Das sind oft topmotivierte Leute.“

Ein Problem bei der Integration in den Arbeitsmarkt ist laut Feuchert, dass Berufe in Deutschland oft mit ähnlichen Berufen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge nicht vergleichbar seien. „Das ist eine völlig andere Wirtschaftsstruktur dort“, erläuterte er. Es gebe einzelne Verkäufer am Straßenrand anstatt großer Supermärkte. Und manche Tischler aus den Krisengebieten hätten noch nie eine elektrische Säge gesehen. Außerdem sei es schwierig, einen Juristen aus Syrien mit dem deutschen Rechtssystem vertraut zu machen. Praktika könnten den Flüchtlingen helfen, sich im deutschen Wirtschaftssystem zurechtzufinden, erklärte der Referent.

Arbeitsverbot in den

ersten Monaten

Eine weitere Barriere ist ihm zufolge die Sprache. Viele können laut Feuchert kein Deutsch. Dolmetschen sei im Arbeitsalltag zwar möglich, koste aber viel Zeit. Daher vermittelt das Integrationszentrum grundlegende Deutschkurse.

Auf Nachfrage betonte Feuchert, dass für Flüchtlinge die üblichen Arbeitsbedingungen gelten, wie der Mindestlohn. Bevor man einen Arbeitsvertrag aufsetzt, könne man aber durch ein Praktikum erfahren, ob der Bewerber zum Betrieb passt. Falls es in der Zeit zu einem Unfall kommen sollte, seien Flüchtlinge sozialversichert. Außerdem verwies Feuchert darauf, dass für Flüchtlinge in den ersten Monaten zunächst ein Arbeitsverbot gelte.

Der Integration-Point betreut derzeit im Kreis Herford 391 und im Kreis Minden-Lübbecke 228 Flüchtlinge. Insgesamt zeichnet sich dabei ein Männerüberschuss ab: Nur zehn Prozent sind Frauen. Das Durchschnittsalter liegt mit 29 Jahren deutlich unter dem der deutschen Erwerbsbevölkerung. Die meisten beim Integration- Point gelisteten Asylbewerber kommen aus Syrien, Irak, Iran, Eritrea und Afghanistan.

Ab Montag nimmt ein Integration-Point in Minden als Ansprechpartner für Flüchtlinge und Firmen, die solche anstellen wollen, seine Arbeit auf. Dort soll ein fünfköpfiges Team speziell für den Kreis Minden-Lübbecke zuständig sein. Laut Feuchert sind Ortsbesuche geplant, sodass Interessierte aus Stemwede zu Gesprächen nicht nach Minden fahren müssen. Der Mindener Integration-Point ist per E-Mail erreichbar.

ks

minden.integrationpoint@

arbeitsagentur.de

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