Erfahrungs- und Informationsaustausch zum Thema Inklusion im Life House

Für alle Seiten ein Gewinn

Wolfgang Rosengarten vom TuS Stemwede berichtete über das Projekt „Stemwede inklusiv“.  - Fotos: Mühlke

Wehdem - Das Projekt „Stemwede inklusiv“ läuft seit einem Jahr als Kooperation zwischen der Lebenshilfe Lübbecke, dem TuS Stemwede und dem JFK Stemwede. Ziel ist es, in Stemwede die Freizeitstrukturen so zu gestalten, dass alle Menschen mit und ohne Behinderung uneingeschränkt teilhaben können. Am Sonnabend trafen sich im Rahmen der „Denkfabrik: Inklusion“ Initiatoren, Projektpartner, Vereine und Betriebe zum Erfahrungs- und Informationsaustausch im Wehdemer Life House.

„Die Zahl derer, die sich im Projekt einbringen, hat sich seit Projektstart verdoppelt“, freute sich Wolfgang Rosengarten vom Turnierteam des TuS Stemwede. Schwellenängste gebe es bei Menschen mit und ohne Behinderung, gerade darum brauche eigentlich niemand Berührungsängste haben. „Man kann nichts falsch machen“, so Rosengarten. Wichtig sei es nun, die Menschen mit Behinderung zu finden, die das Projekt bislang noch nicht erfasst habe, und weitere Vereine zu gewinnen.

„Wir haben Begegnungen möglich gemacht, sei es beim Open Air Festival, bei Spielnachmittagen oder bei dem Abend der Begegnung im Haus Buschgarten“, konstatierte Projektleiterin Franziska Bachhofer von der Lebenshilfe. Man habe ein Netzwerk aufgebaut, Öffentlichkeitsarbeit auf den Weg gebracht und Arbeitsgruppen gebildet. „Das funktioniert alles recht gut.“ Einziges großes Manko seien die schlechten Busverbindungen und die fehlenden Radwege in der Gemeinde.

Franziska Bachhofer (rechts) im Gespräch mit Tanja Schmidt.

Horst Stegemöller von der Rehasportgemeinschaft Levern und Hartmut Wilking, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Wehdem-Oppendorf, berichteten, wie sich Inklusion auf das Vereinsleben auswirkt. „Wir sehen Behinderte und Nichtbehinderte als eine Einheit bei unseren sportlichen Aktivitäten“, machte Stegemöller deutlich. Wilking berichtete von seinen positiven Erfahrungen mit Tanja Schmidt, die seit 17 Jahren im Reitverein aktiv ist. „Tanja braucht keine besondere Behandlung. Sie ist stets freundlich, hilfsbereit und verständnisvoll – ein Vereinsmitglied, wie man es sich wünscht.“ „Wir sind genauso Menschen, wie alle anderen auch. Wir wollen für voll genommen und nicht abgestoßen werden“, wünscht sich Tanja Schmidt. „Man darf sich nicht verkriechen, sondern muss auf andere Menschen zugehen, sie ansprechen und mitmachen“, rät die 41-jährige Wehdemerin.

In Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer über die Herausforderungen für Betriebe oder Vereine bei der Arbeit mit Menschen mit Behinderung, aber auch über die Chancen, die Inklusion bieten kann. Am Anfang steht die Bereitschaft, sich für Menschen mit Behinderung zu öffnen. Um ihnen die Angst vor Ablehnung und Versagen zu nehmen, sind einladende und niederschwellige Angebote wichtig. Vor allem darf der Leistungsdruck nicht zu hoch sein, um Enttäuschung zu vermeiden. Intensiver als bei Menschen ohne Behinderung müssen sich Vereine und Betriebe mit dem individuellen Unterstützungsbedarf auseinandersetzen. Zu klären ist außerdem, ob barrierefreie Vereinsheime oder behindertengerechte Toiletten notwendig sind oder – je nach Behinderung – einfache Maßnahmen ausreichen. Ganz klar ist auch: Nicht jeder Verein kann und muss alles leisten.

Die Vorteile für Vereine und Betriebe sind aus Sicht der Teilnehmer vielfältig. Menschen mit Behinderung bringen viele Ressourcen und eine hohe Motivation mit, Vereine verzeichnen höhere Mitgliederzahlen, durch die Unterstützung hilfebedürftiger Menschen wird oft ein größerer Teamgeist entwickelt und es erweitert den eigenen Horizont, unterschiedliche Menschen kennenzulernen und ein Verständnis für die Fähigkeiten und Bedarfe anderer zu bekommen. Unter dem Strich profitieren also alle Beiteiligten.

Durch die in Stemwede gelebte Gemeinschaft ist die Gemeinde ohnehin ein optimaler Raum für Inklusion. Um sie weiter voranzubringen, ist nach Ansicht der Veranstaltungsteilnehmer die öffentliche Darstellung des Themas ein wesentlicher Aspekt – zum einen ganz praktisch durch das eigene Vorbild, die Präsentation inklusiver Projekte und die Umsetzung gemeinsamer Projekte, zum anderen durch eine insbesondere im Internet verbesserte Öffentlichkeitsarbeit und eine noch intensivere Kommunikation zwischen den Vereinen und den Projektunterstützern. Stemweder Bürger, Vereine und lokale Akteure müssten noch mehr über Inklusion und die Bedarfe von Menschen mit Behinderungen erfahren, so das Fazit. J hm/mer

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