Aktuell leben 250 Flüchtlinge in Stemwede

Wohnungsbestand geht dem Ende zu

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Ordnungsamtleiter Werner Bahnemann bemüht sich um die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge in Stemwede. Archivfoto: Bokelmann

Stemwede - „Die Situation wird von Tag zu Tag schwieriger“, meint Bürgermeister Kai Abruszat mit Blick auf die nach wie vor steigende Zahl von Flüchtlingen, die in die Flächengemeinde kommen. Am Mittwoch vermeldete Ordnungsamtleiter Werner Bahnemann in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses den aktuellen Stand von 250 Flüchtlingen, darunter 38 Minderjährige. „Noch in dieser Woche erwarten wir weitere 27 Zuweisungen“, sagte Bahnemann.

Seit Oktober habe es eine überproportionale Zuweisung gegeben – allein im November hat die Gemeinde 57 neue Flüchtlinge aufgenommen. Demgegenüber stehen 25 Abmeldungen im Jahr 2015. Dabei handele es sich meistens um Einzelpersonen, die es in größere Städte ziehe, weiß Bahnemann. Insbesondere Minden sei sehr gefragt.

„Die Prognosen für das nächste Jahr sind schwierig“, so Bahnemann. In den Vorabberechnungen werde derzeit von 20 Flüchtlingen pro Monat ausgegangen. „Wenn das wirklich so kommt, dann weiß ich nicht, wie wir die Personen alle versorgen sollen“, befürchtet Bahnemann eine Ausnahmesituation und weitere Herausforderungen.

Die Kapazitäten der Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen als drittgrößte Aufnahmeregion in Europa seien sehr beansprucht, berichtete Bürgermeister Abruszat. „25 Kommunen haben mit einer Überlastungsanzeige klar gemacht, dass sie nicht mehr können.“ In Stemwede sei man noch handlungsfähig, so Abruszat. Als oberste Maxime solle weiterhin die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge gelten, machte er deutlich. Die Nutzung von Schulen und Sporthallen wolle man ebenso vermeiden wie Neubauten und eine damit verbundene Ghetto-Bildung, machte Abruszat deutlich.

Derzeit sind die 250 Personen, die in ihren Heimatländern vor Krieg und Unruhen geflohen sind, in 24 Wohnungen sowie im Übergangswohnheim in Wehdem untergebracht. Die Gemeinde hat insgesamt 29 Wohnungen angemietet und hergerichtet sowie mit den Schulen in Westrup und Twiehausen Puffer geschaffen. Dort leben derzeit keine Flüchtlinge. „Ich bin froh, dass wir die Räume dort haben, sie aber noch nicht brauchen“, betonte Werner Bahnemann. Ihm zufolge müsste die ehemalige Grundschule in Westrup unter Aufsicht gestellt werden, wenn dort Flüchtlinge einziehen sollten.

Da sich der Bestand an Wohnungen jedoch dem Ende neige, seien die Mitarbeiter des Ordnungsamtes dankbar für jeden Hinweis über freie Wohnungen, rief Bahnemann zur Mithilfe auf. „Die dezentrale Unterbringung ist humaner“, unterstrich Monika Lösche (CDU). In diesem Zusammenhang betonte Kai Abruszat, dass ein Leerstandsmanagement durchaus klug sei. „Damit sind wir auf einem sicheren Weg.“

Hilfe bei der Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge kommt auch vom Verein für Jugend, Freizeit und Kultur (JFK) in Stemwede. „Die Betreuungszeiten haben wir über den Kooperationsvertrag aufgestockt“, informierte Bahnemann und bedankte sich für die Zusammenarbeit mit den zahlreichen weiteren Ehrenamtlichen, die sich für die Flüchtlinge einsetzen.

Aufgrund der drastischen Entwicklung sind laut der Verwaltung die ursprünglichen Ansätze im Haushaltsplanentwurf anzupassen. Der Mehraufwand von rund 380000 Euro, der durch die Herrichtung der Wohnungen sowie durch Personalkosten entstanden sind, werden über das Konto Leistungen für soziale Einrichtungen gedeckt.

abo

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