Abruszat kritisiert Bund und Land / 336 Flüchtlinge in Stemwede

Starke Zivilgesellschaft gleicht Staatsversagen aus

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Die ehemalige Grundschule in Westrup ist momentan für die Unterbringung von Asylbewerbern noch außen vor, hält die Zahl der Zuweisungen an, wird sie aber wohl im Laufe des Jahres benötigt werden.

Stemwede - Eine gute halbe Million Euro hat die Gemeinde Stemwede im vergangenen Jahr für die Unterbringung und Betreuung der ihr zugewiesenen Asylbewerber draufgelegt. Die Verwaltung habe Aufwendungen in Höhe von 1,3 Millionen Euro gehabt, aber nur 774956 Euro von Bund und Land zurück bekommen, rechnete Bürgermeister Kai Abruszat im Rahmen eines Pressegesprächs vor und stellte klar, dass die Gemeinde ihren Kernaufgaben so auf Dauer nicht werde gerecht werden können.

„Das Land konnte sich 2015 auf die Leistungsfähigkeit der Gemeinde Stemwede verlassen. Ich möchte, dass sich Stemwede 2016 auf das Land verlassen kann“, fordert er mehr Unterstützung. Stemwede habe eine starke Zivilgesellschaft, die das Organisationsversagen des Staates ausgeglichen habe.

Stand gestern sind in der Gemeinde 336 Flüchtlinge untergebracht, darunter 58 Minderjährige, von denen 35 schulpflichtig sind und potenziell 23 in Kitas untergebracht werden müssten. „Das stellt Grundschulen und Kitas vor enorme Herausforderungen“, weiß Abruszat.

Zwar steht auf der einen Seite der angenehme Nebeneffekt, dass die aktuell rückläufigen Schülerzahlen in Stemwede durch die jungen Flüchtlinge, die zum Teil vermutlich über Jahre in Stemwede bleiben, wieder etwas steigen. Allerdings benötigen die Flüchtlinge insbesondere am Anfang eine intensive Betreuung, die die Lehrer neben dem „normalen“ Unterricht nur schwer leisten können.

Und setzt sich die Entwicklung wie bisher fort, könnte es irgendwann doch eng werden in Grundschulen und Kitas. Der Stemweder Bürgermeister nimmt darum das Kreisjugendamt in die Pflicht. Auch in Zukunft müsse für jedes Stemweder Kind ein Platz zur Verfügung stehen. Drohe eine Unterversorgung aufgrund der Flüchtlinge, müsse das Kreisjugendamt nachbessern.

Bei der Unterbringung der Asylbewerber setzt die Gemeinde Stemwede weiterhin auf Dezentralität. Abruszat: „Integration funktioniert am besten in kleinen Einheiten.“ Vier Liegenschaften stehen laut dem Bürgermeister aktuell zu Verfügung, weitere Wohnungen und Häuser zur Anmietung werden weiter gesucht. Die Gemeinde ist nach wie vor dankbar für jedes Angebot aus der Bevölkerung. Selbst Häuser zu bauen, wie es einige Kommunen planen, ist aus Sicht Abruszats nicht der richtige Weg. Bürgern, die sich ein Haus von ihrem kleinen Gehalt absparten, könne er nicht erklären, warum die Gemeinde Flüchtlinge neue Häuser zum kostenlosen Wohnen hinstelle. Nicht ausschließen will er allerdings, dass eventuell Häuser angekauft werden.

Die ehemalige Grundschule Westrup als Möglichkeit der kurzfristigen Unterbringung ist momentan noch außen vor. Halten die Zuweisungen in der bisherigen Höhe an, führt im Laufe des Jahres aber wohl kein Weg an ihrer Nutzung vorbei. Schulen und Sporthallen sollen, so lange es irgendwie geht, nicht als Notunterkunft genutzt werden, versichert Bürgermeister Abruszat.

mer

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