21-Jährige absolviert im Life House Praktikum zum Thema „Asyl“ und bietet Sprechstunde für Asylsuchende an

Lea Wippermann ist „die Kollega“

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Geht bei ihrem Praktikum neue Wege: Lea Wippermann unterstützt Waltraud Holtkamp bei allen Anliegen und Sorgen, die die Asylsuchenden in Stemwede an sie herantragen. Anzutreffen ist sie im Life House.

Wehdem - Mit dem Projekt „Eine Gemeinde – viele Kulturen“ beteiligt sich das Life House Wehdem an der bundesweiten Europawoche, die am Sonnabend gestartet hat und noch bis Sonntag, 10. Mai, dauert. Zu den Organisatorinnen gehört Lea Wippermann. Die Studentin aus Destel absolviert gerade ein Praktikum zum Thema „Asyl“ im Life House. Obwohl die 21-Jährige schon Erfahrungen in sozialer Arbeit gesammelt hat, hat sie mit diesem Praktikum für sich Neuland betreten.

„Das Thema Asyl ist derzeit in aller Munde. Ich wollte mir selbst ein Bild machen von den Menschen und Einblicke gewinnen in die Asylarbeit“, erläutert Wippermann. Im Zusammenhang mit Asylbewerbern gebe es viele Vorurteile – oft zu Unrecht, findet sie. „Es flüchtet ja niemand aus Spaß“, merkt die Destelerin an. „Die Menschen sind mit Kriegen konfrontiert, Bedrohung und Verfolgung ausgesetzt.“ Sie sei neugierig auf die Flüchtlinge, ihre Schicksale und Geschichten. „Ich möchte gern mehr über ihre Beweggründe erfahren“, erklärt die junge Frau, die an der Fachhochschule in Bielefeld „Soziale Arbeit“ im vierten Semester studiert.

Nach dem Studium bieten sich ihr unterschiedlichste Arbeitsfelder. „Kinder- und Jugendarbeit kenne ich schon“, erklärt Lea Wippermann. Von 2010 bis 2011 hat sie ein Praktikum im Life House absolviert. Einen Bundesfreiwilligendienst hat die Stemwederin, die nach der Realschule in Wehdem am Berufskolleg Lübbecke ihr Fachabitur im Bereich Soziales und Gesundheitswesen gemacht hat, im Nachbarschaftszentrum in Espelkamp geleistet. Jetzt wollte sie Einblicke in ein ganz anderes Aufgabengebiet bekommen.

In Stemwede sind inzwischen mehr als 120 Asylsuchende registriert. Untergebracht sind sie in einer Gemeinschaftsunterkunft in Wehdem sowie in von der Gemeinde angemieteten Wohnungen. Hauptansprechpartnerin für ihre Anliegen ist Waltraud Holtkamp. Die Diplom-Sozialpädagogin vom Verein für Jugend, Freizeit und Kultur (JFK) Stemwede bietet den Asylsuchenden in Stemwede seit einiger Zeit auf Grundlage einer Kooperationsvereinbarung mit der Gemeinde Hilfestellung und Orientierung im täglichen Leben. Daneben gibt es den von der Fachfrau initiierten Arbeitskreis Asyl.

Meist ist Wippermann mit Waltraud Holtkamp unterwegs. Ihr Praktikum läuft parallel zum Studium. Einen oder mehrere Tage pro Woche ist sie im Life House. Eine Aufgabe ist das Projekt „Eine Gemeinde – viele Kulturen“ zu organisieren. Immer montags sei Sprechstunde für die Asylsuchenden. „Wir mussten zunächst einmal klarmachen, wer ich bin“, erzählt Lea Wippermann. „Wir haben versucht, das zu umschreiben, aber das war schwierig.“ Jetzt sei sie die „Kollega“. „Das versteht jeder“, sagt die 21-Jährige.

Inzwischen habe sie sich alle Wohnungen angesehen und sich einen Überblick über die Lage der Menschen verschafft. „Wenn Familienmitglieder untereinander in ihrer Landessprache reden, verstehe ich Null. Das ist schon eine komische Situation für mich“, berichtet Wippermann. Es sei eine Situation, wie sie Asylsuchende täglich in Deutschland erleben würden.

„Ich habe gezweifelt und lange überlegt, ob ich das Praktikum wirklich machen soll“, erklärt Wippermann. „Englisch ist nämlich nicht gerade meine Stärke.“ Aber das sei zweitrangig, weiß sie inzwischen. Was die Flüchtlinge an Sprachkenntnissen mitbrächten, sei unterschiedlich. Die Verständigung laufe mit Händen und Füßen. „Man kann sich irgendwie verstehen, auch wenn es länger dauert“, sagt die Studentin und sieht sich in ihrer Entscheidung bestätigt.

SoR

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