Afrikanischer Gast bei Lahrmanns

Schon viele Eindrücke gesammelt

Da ist die Elfenbeinküste: Am Globus zeigt die zehnjährige Michelle ihrer Mutter Nicole Borkert, dem zwei Wochen alten Schwesterchen Ronja, ihrem Vater Hendrik Lahrmann, Yacouba Soro von der Elfenbeinküste und Luise Lahrmann (von links), wo ihr afrikanischer Gast herkommt.

Rahden - NIEDERMEHNEN n „Es ist alles so schön hier“, schwärmt der 39-jährige Yacouba Soro. Für den Mann von der Elfenbeinküste ist die eher beschauliche Ortschaft Niedermehnen eine Stadt – weil es dort in jedem Haushalt Strom und fließendes Wasser gibt. Das kennt er aus seiner afrikanischen Heimat nur aus größeren Städten. Für Orte der Größe Niedermehnens ist so viel Infrastruktur immer noch undenkbar.

        Yacouba Soro ist Pädagoge an der Schule in Dabakala, einziger Deutsch-Lehrer mit dem Auftrag, annähernd 700 Schülerinnen und Schülern von acht bis 18 Jahren die deutsche Sprache näher zu bringen – fünf Mal in der Woche, täglich von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr.

Durch die Vermittlung der gemeinnützigen Organisation „Experiment e.V.“ lebt der 39-Jährige derzeit in Deutschland – für zwei Wochen bei der Familie Lahrmann in Niedermehnen, um möglichst viel über das Gastland und die Lebensweise deutscher Familien kennen zu lernen. Anschließend folgt ein zweiwöchiges Seminar in Göttingen.

Der 1932 vom Amerikaner Donald B. Watts gegründete Verein „Experiment“ hat sich den Austausch zwischen Menschen aller Kulturen, Religionen und Altersgruppen zum Ziel gesetzt. Die Organisation setzt sich für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft ein und will damit zum gegenseitigen Verständnis und dem friedlichen Miteinander der Kulturen beitragen.

Finanziell mitgetragen wird der Deutschland-Besuch von Yacouba Soro vom weltweit agierenden Goethe-Institut, das bekanntlich die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und die internationale kulturelle Zusammenarbeit fördert.

Der Pädagoge von der Elfenbeinküste hatte sich im Herbst vergangenen Jahres via Internet beim Goethe-Institut um einen vierwöchigen Deutschland-Aufenthalt beworben und im April dieses Jahres von der Deutschen Botschaft in seinem Heimatland eine positive Antwort erhalten. Mit dem 39-Jährigen freuten sich auch dessen Lebensgefährtin und der gemeinsame fünfjährige Sohn über das „Abenteuer Deutschland“.

Sechs Stunden dauerte vor genau einer Woche der Flug aus dem afrikanischen Abidjan via Paris nach Frankfurt. Anschließend ging es mit dem Zug weiter über Köln und Bielefeld bis nach Lübbecke. Dort wartete Luise Lahrmann bereits, um ihren Gast nach Niedermehnen zu chauffieren. Weil alles minutiös klappte, war Yacouba Soro schon bei der Ankunft stark beeindruckt – „von der Pünktlichkeit der Deutschen.“

Während des Besuchs- und Besichtigungsprogramms an den Folgetagen kam der Pädagoge, der nach dem Abitur in seiner afrikanischen Heimat fünf Jahre Germanistik mit Grammatik und deutscher Geschichte studiert hat, aus dem Staunen nicht heraus. Bei einer Führung von Schulleiter Jürgen Ehlers durch das Schulzentrums in Wehdem war es das umfangreiche Unterrichtsmaterial, das deutschen Schülern zur Verfügung steht („Bei uns mangelt es insbesondere an Büchern, die für den Deutschunterricht benötigt werden“), in der Kindertagesstätte „Wutzelhausen“ des AWO-Familienzentrums in Niedernehmen fiel dem afrikanischen Gast auf, „dass hier schon die Kleinsten mit Natur und Umwelt konfrontiert werden“, und stark beeindruckt ist er auch vom Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen im ländlichen Raum. „Das gilt für die drei Generationen, die im Hause der Familie Lahrmann zusammenleben, aber auch für die engen Beziehungen zur Nachbarschaft.“ Er sei mit der Vorstellung nach hier gekommen, dass die Deutschen sehr reserviert seien und überwiegend isoliert leben würden, gibt er zu, „doch genau das Gegenteil ist der Fall, die Menschen hier sind sehr offen“.

Beeindruckt ist Yacouba Soro auch vom landwirtschaftlichen Betrieb, der von Hendrik Lahrmann bewirtschaftet wird. Der Gast hat in den vergangenen Tagen einen Einblick in die Ernte der Gerste erhalten und viel Wissenswertes über die Sauenhaltung auf dem Hof erfahren.

Auch in kultureller Hinsicht hat Luise Lahrmann dem Gast aus Afrika schon einiges geboten: „Wir waren schon beim Kaiser-Wilhelm-Denkmal und haben eine Herrenhäuser-Tour unternommen“. Geplant sind in den nächsten Tagen noch Besuche der nahe gelegenen Betriebsstätte Mehnenfeld der Lebenshilfe, der Kunstausstellung im Heuhotel Grummert und eine Tour auf der Westfälischen Mühlenstraße. Zudem stehen eine Fahrt zur Schachtschleuse in Minden und die Teilnahme am CDU-Frauenfrühstück mit Familienministerin Ursula von der Leyen im Terminplan für die nächsten Tage. „Immer vor dem Hintergrund, dass Yacouba das Schöne mit nach Hause nimmt“, wünscht sich Luise Lahrmann.

Ein Erlebnis war für den 39-Jährigen ganz sicher auch der Gang durch das Maislabyrinth der Familie Grummert in Niedermehnen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Yacouba Soro dabei eine junge Kollegin aus Tansania traf: Caroline Kathure Ntai ist für zwei Wochen Gast auf dem Hof Grummert – ebenfalls auf Initiative und mit Unterstützung von „Experiment e.V.“

Viele der positiven Eindrücke, mit denen er am 15. August vom Flughafen Frankfurt aus die Heimreise antritt, möchte Yacouba Soro in den Unterricht projizieren, „damit auch meine Schülerinnen und Schüler wissen, wie Deutschland wirklich ist“.

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