Restaurator Wennemer legt Untersuchungsergebnis zu Dielinger Epitaph vor

Schlummernder Schatz wartet auf Freilegung

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Restaurator Robert Wennemer (rechts) erläuterte Leonhard Lamprecht, Amtsrestaurator der LWL-Denkmalpflege, welche Veränderungen das Epitaph in der Dielinger St. Marien-Kirche seit 1608 erlebt hat. ·

Dielingen - Von Melanie Russ. Die Hoffnungen des Dielinger Heimatforschers Wilfried Thünemann haben sich offenbar bestätigt. Unter der relativ unscheinbaren Oberfläche des Epitaphs in der St. Marien-Kirche schlummert ein kleiner Schatz. Engel mit roten Bäckchen und farbigen Pupillen,

versilberte Rüstungen und Blattgoldelemente hat der Münsteraner Restaurator Robert Wennemer bei seinen Untersuchungen Anfang Januar entdeckt. Ob diese Pracht in absehbarer Zeit wieder zum Vorschein kommt, ist vor allem eine Frage des Geldes. Mindestens 15 000 Euro werde eine Freilegung der unteren Farbschicht kosten, schätzte Wennemer gestern bei der Vorstellung seines Untersuchungsberichts.

Unter den beiden neuzeitlichen Farbschichten lässt sich die alte Farbenpracht erahnen.

Allein wird die Kirchengemeinde diese Kosten nicht stemmen können – soviel ist sicher. Einen Teil des Geldes stellte gestern Leonhard Lamprecht, Amtsrestaurator der LWL-Denkmalpflege in Aussicht. Sofern ausreichend Fördergelder zur Verfügung ständen, werde die Denkmalpflege einen Teil der Kosten übernehmen, sicherte er zu. Darüber hinaus hofft das Presbyterium, Unterstützung durch den Kirchenkreis und Sponsoren vor Ort zu bekommen.

Man werde zunächst alle Möglichkeiten auskundschaften, bevor eine endgültige Entscheidung für oder gegen die Freilegung der ursprünglichen Fassung falle, so Pfarrer Michael Beening, der gemeinsam mit den Presbytern Elke Gräber und Dorit Junge sowie Baukirchmeisterin Renate Quebe an der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse teilnahm. „Als Kirchengemeinde ist es auch unsere Pflicht, Vergangenes zu erhalten. Das ist kein Selbstzweck für Altertumsforscher, die Geschichte des Epitaphs spiegelt auch die Geschichte der Kirchengemeinde wieder“, hielt Beening ein Plädoyer für die Freilegung der alten Farbgebung, sofern es denn finanziell möglich ist.

„Die Freilegung ist sehr aufwändig und wird sehr lange dauern“, mahnte Robert Wennemer. Aufgrund seiner Stichproben geht der Restaurator davon aus, dass rund 70 Prozent der ursprünglichen Fassung von 1608 erhalten sind. Der Rest müsste nach der Freilegung rekonstruiert werden. „Das wäre ein hoher Kostenfaktor.“

Wennemer hatte das Epitaph zu Beginn des Jahres restauriert und dabei an einigen Stellen die oberen Schichten entfernt (wir berichteten). Dabei kamen insgesamt drei Schichten zutage. Die Farbfassung von 1608 ist nach Einschätzung Wennemers sehr hochwertig gearbeitet und in weiten Teilen gut erhalten. Verwendet wurden vermutlich ölhaltige Farben. Im Rahmen einer Restaurierung sei 1962 eine zweite Fassung aufgetragen worden, die ebenfalls sehr sorgfältig ausgeführt, allerdings nicht so kostbar sei, schilderte Wennemer. Die Landschaft sei in kräftigem Rot, Grün, Gelb und Blaugrün gehalten, die Figuren steinfarbig. Einzelne Akzente wurden mit Bronze gesetzt. Später – wann genau ist unbekannt – wurde die aktuelle Farbschicht aufgetragen. „Diese Fassung ist sehr mangelhaft und lässt wenig Sorgfalt und Können erkennen“, lautet das harte Urteil des Restaurators.

Auch wenn sie aus ästhetischen Gründen wünschenswert wäre, notwendig ist eine Wiederherstellung des Originals nicht. Nachdem Robert Wennemer das Epitaph zu Jahresbeginn aufwändig gereinigt, die obersten Farbschichten gefestigt, offene Fugen geschlossen und eine lockere Konsole wieder befestigt hatte, besteht nach seiner Auffassung nicht mehr die Gefahr des Verfalls.

Noch immer nicht geklärt ist die Urheberschaft des Epitaphs. Allerdings verdichten sich die Hinweise, dass die Initialen „.A.S.“ für Adam Stenelt stehen. Der Bildhauer ist bekannt für seine zahlreichen Epitaphe und war um 1608 nachweislich unter anderen in Levern, Minden und Osnabrück tätig. Um auch dieses Rätsel zu lösen, soll sich jetzt ein Kunsthistoriker das Relief genauer ansehen.

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