Samuel Koch und Samuel Harfst lassen Zuhörer bei Konzertlesung ganz nah ran

Humor nicht verloren

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Die beiden Freunde Samuel Harfst (l.) und Samuel Koch philosophierten über den „Wetten dass“-Unfall, das Leben und den Antrieb für jeden neuen Tag. Lisa Wolf assistierte dem vom Hals abwärts querschnittsgelähmten Koch.

Pr. Oldendorf - Von Anika Bokelmann. Durch einen Unfall hat sich für Samuel Koch die Perspektive auf das Leben verändert, aber seinen Humor hat er definitiv nicht verloren. Das erlebten rund 800 Besucher in der St.-Dionysius-Kirche in Pr. Oldendorf am Freitagabend, wo der 28-Jährige gemeinsam mit dem Musiker Samuel Harfst mit einer Konzertlesung zu Gast war.

„Wir sind hier unter uns“, stellten die Männer heraus, die es sich in Sesseln im Altarraum bequem gemacht hatten, und über den bekannten „Wetten dass“-Unfall, das Leben und den Antrieb für jeden neuen Tag philosophierten. „Was gibt dir Kraft?“ Diese Frage habe er schon oft gehört, sagte Koch und berichtete, dass er nach wie vor die Energie habe, mit der er sich früher seinem Sport gewidmet habe. „Heute kann ich sie schlechter kanalisieren.“ Doch die Kraft brauche er auch, „um weniger schöne Dinge auszuhalten“, so der Schauspieler.

Beschäftigung sei zudem ein wichtiger Faktor, um mit dem Schicksal zurecht zu kommen, erläuterte der auf den Rollstuhl angewiesene Samuel Koch, der bei der Lesung von Lisa Wolf unterstützt wurde.

Veranstalter des Abends war die Stiftung zur Förderung der evangelischen Kirchengemeinde Pr. Oldendorf. Deren Vertreterin Sonja Willinger erinnerte sich, dass der Kontakt zu Samuel Harfst im Jahr 2012 entstanden sei, im Rahmen des jährlichen Pfingstkonzerts am Stiftungstag. Umso mehr freute sie sich, dass Koch und Harfst den Abend nun gemeinsam gestalteten und somit für eine volle Kirche gesorgt hatten. „Es ist schön, auch außerhalb von Heiligabend so viele Bänke besetzt zu sehen“, so Willinger in ihrer Begrüßung zu einem „Abend, an dem wir zur Besinnung kommen können“.

Als Eröffnung stimmte Cellist und Pianist Dirk Menger, der Harfst auf seinen Touren begleitet, ruhige Pianomusik an. Dem schloss sich ein lockeres Gespräch zwischen den beiden Namensvettern an – unterbrochen durch Lesungen von Koch aus seinen beiden Büchern „Rolle vorwärts“ sowie „Zwei Leben“ und Liedbeiträgen von Harfst. Der 29-Jährige präsentierte sowohl Stücke aus seinem neusten Album „Chronik einer Liebe“ als auch ältere Lieder – stets mit viel Gefühl und christlichem Hintergrund wie bei „Fürchte dich nicht“ und „Privileg“. Zum Gelingen trugen auch David Harfst an den Percussions sowie Philip Oppermann (Licht), Christian Dettlefsen (Ton) und Tristan Feit (Logistik) bei.

„Das Privileg hat uns zusammengebracht“, erinnerte sich Samuel Harfst, denn Koch habe ihn eingeladen, nachdem er dieses Lied gehört habe. Aus einem ersten Treffen wurde eine tiefe Freundschaft und so gaben sich die Männer auch vor dem Publikum. Als ob sie unter sich wären, schweiften die Gespräche ab und Witze brachten das Publikum, in dem sich alle Generationen wiederfanden, zum Lachen. Aber auch zum Nachdenken regte das rund zweistündige Programm an.

„Ich halte an der Hoffnung auf Heilung fest, auch wenn mein Kopf mir etwas anderes sagt“, betonte Koch, der auch von schwierigen Situationen und Diskriminierung gegen Behinderte berichtete. Seit drei Jahren sind Koch und Harfst gemeinsam unterwegs und berühren mit ihren Geschichten und Liedern die Herzen der Menschen.

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