Sieben Bundestagskandidaten stellten sich den Fragen der Wirtschaft

Ins Rampenlicht gelassen

Alle Kandidaten auf einen Blick (v.l.): Achim Post, Nadja Büren, Andreas Eickmeier, Steffen Kampeter, Burghard Grote, Thomas Gattner und Alexander Jäger. ·
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Alle Kandidaten auf einen Blick (v.l.): Achim Post, Nadja Büren, Andreas Eickmeier, Steffen Kampeter, Burghard Grote, Thomas Gattner und Alexander Jäger.

Rahden - Von Volker Knickmeyer. Viel weiß man schon über die Lokalmatadore von CDU und SPD, Steffen Kampeter und Achim Post. Der eine ist parlamentarischer Staatssekretär und kocht gern, der andere ist auf europäischer Ebene bestens vernetzt und ebenso schlagfertig wie Kampeter.

Auf Einladung der Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld gab es am Mittwoch im Saal des Mindener Victoria-Hotels eine Podiumsdiskussion, bei der man deutlich mehr erfahren konnte.

Und etwas auch über die, die nicht ständig im Licht stehen. Rund 120 Vertreter der heimischen Wirtschaft, aber auch einige Bürger, waren gekommen, um zu hören, was die Vertreter von CDU, SPD, FDP (Andreas Eickmeier), Grünen (Burghard Grote), Linken (Nadja Büren), Piraten (Alexander Jäger) und Freien Wähler (Thomas Gattner) zu sagen hatten.

Bei der Vielzahl der zu befragenden und der gefühlt tausend Themen galt es, Gas zu geben. Es begann mit einer jeweils zweieinhalbminütigen Bewerbungsrede. Zusätzlich gab es noch ein kleines „Verhör“ - Zehn Fragen galt es jeweils aus dem Stegreif zu beantworten.

Achim Post verriet, dass ihm der Verkehrsausschuss des Bundestages ganz recht wäre, es solle mehr Geld für Städte und Gemeinden zur Verfügung stehen. Er stehe damit in Tradition von Lothar Ibrügger.

Steffen Kampeter will die Brücke zwischen Berlin und dem Mühlenkreis stärken. Wie das geschehen solle, verriet er nicht. Er stellte die seiner Meinung nach gute Arbeit Angela Merkels in den Vordergrund. Einig waren Kampeter und Post darin, dass Verkehrsprojekte wie der Regioport, der Ausbau der Mittelweser für Großmotorgüterschiffe und auch der Straßenbau im Kreis (L 770, B 239, Ausbau der B 482 bis Niedersachsen) wichtig seien. Konkretes war von beiden nicht zu hören.

Nadja Büren betonte, dass die Linkspartei prinzipiell nichts gegen den Mittelstand habe, ein Mindestlohn von zehn Euro würde die Binnennachfrage stärken und käme somit allen zu Gute. Burghard Grote forderte, dass alle öffentlichen Gebäude in Deutschland barrierefrei sein müssten, außerdem sollte das Meistergeld abgeschafft werden, denn es könne nicht sein, dass junge Handwerksmeister hoch verschuldet in den Beruf gingen. Vom Bafög solle man leben können.

Eickmeier brachte es auf die Kurzformel „Wenn der Mittelstand läuft, ist auch genug Geld da, damit alle Wünsche bezahlt werden können“.

Das Thema „Steuern und Finanzen“ war ein Heimspiel für Kampeter. Zunächst geißelte er die Steuerpläne von SPD und Grünen als breiten Angriff auf den Mittelstand, gab aber auch zu, dass einiges unter Schwarz-Gelb hätte besser laufen können. In jedem Fall wolle man den Bundesländern aber zur Seite stehen.

Für Schmunzeln sorgten Burghard Grotes ungeschminkte Antworten zu den Themen „Umwelt, Energie, Infrastruktur“. Er sei kein dogmatischer Grüner und würde auch Fleisch essen. Er bemängelte die laienhafte Umsetzung der Energiewende und sprach sich auch gegen ein Tempolimit auf Autobahnen aus.

Pirat Alexander Jäger duzt das Publikum

Als Unternehmer konnte Andreas Eickmeier ausführlich zur Wirtschaftspolitik Stellung nehmen: Die Talsohle in Europa sei wohl durchschritten, dennoch brauche man noch fünf Jahre, um den Euroraum halbwegs zu sanieren. Auswüchse bei der Leiharbeit wie bei BMW fand er unmöglich.

Zum Thema „Entwicklung von Innenstädten und Kommunen“ wurde Nadja Bühren befragt. Zur Situation in Bad Oeynhausen konnte sie einiges sagen, so solle die bisherige A30 in der Innenstadt zurückgebaut werden und sie sei auch froh, dass das ECE-Projekt am Mindener Wesertor erst einmal gestorben sei.

Achim Post nahm zum Thema „Maßnahmen des Bundes für den Aufschwung“ Stellung. Post schaltete wie zuvor Kampeter in den Wahlkampfmodus und erklärte, die Bundesregierung solle zunächst einmal den Bürgern die Wahrheit sagen, was an Kosten noch auf sie zukäme.

Thomas Gattner sprach sich gegen weitere finanzielle Rettungsschirme aus, und Alexander Jäger ging auf das Generalthema der Piraten – das Internet und die IT-Unternehmen ein. Außerdem schlug er einen Mindestlohn für Festangestellte von 9,77 € vor. Der 27-jährige Student der Wirtschaftsinformatik duzte das doch eher gesetztere Auditorium. Niemand widersprach, Ikea tut´s ja auch.

Lokale Themen wurden höchstens am Rande gestreift. Man merkte, es ist eben keine Kommunalwahl, sondern es geht ums große Ganze. Locker wurde es noch einmal zum Schluss: Frei nach „Hart aber fair“ durfte jeder Bewerber noch sagen wen er nach Berlin einladen würde.

Post schlug den Piraten vor. Schaden könnte es der 150-jährigen Tante SPD jedenfalls nicht.

Die Moderation des Abend hatte Carsten Dehne. Die Fragen seitens der Wirtschaft stellten: Dr. Rainer Kambeck (Bereichsleiter Finanzen, Steuern beim Deutschen Industrie- und Handelstag, Berlin; Karl-Ernst Hunting (Leiter der IHK-Zweigstelle Minden); Günter Hagedorn (Mitglied der Vollversammlung der IHK OWL und Geschäftsführer der G.U.T. Gesellschaft für Unternehmensberatung und Training mbH, Hille); Karl-Heinz Depenbrock (Mitglied der IHK-Vollversammlung und Geschäftsführender Gesellschafter der Depenbrock Bau GmbH, Stemwede); Jürgen Ahrens (IHK-Handelsausschussmitglied und Geschäftsführender Gesellschafter der Hermann Hagemeyer GmbH, Minden)

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