Ausschuss berät über Ärztemangel

Rahmenbedingungen schnell verbessern

Stemwede - Die Zahlen sind alarmierend. 50 Prozent der Hausärzte in Stemwede sind über 55 Jahre alt. Viele von ihnen werden ihre Praxen in den kommenden Jahren aus Altersgründen schließen. Nachfolger sucht man vergebens.

Zwar mangelt es der ärztlichen Profession nicht an Nachwuchs. Doch den zieht es eher in die großen Städte statt aufs Land, wo die Bezahlung schlecht, die Arbeitsbelastung hoch und das kulturelle Angebot weniger abwechslungsreich ist. Rund 100 der 200 Hausärzte im Mühlenkreis werden ihre Praxen in den kommenden zehn Jahren aufgeben. Die Kassenärztliche Vereinigung geht davon aus, dass lediglich 40 Stellen wieder besetzt werden können. Wie die Gemeinde der drohenden Unterversorgung entgegensteuern kann, damit befasste sich jüngst der Haupt- und Finanzausschuss.

„Noch ist die Versorgungssituation in Stemwede gut“, warnte Bürgermeister Gerd Rybak vor Panikmache. Allerdings werde sich das in den nächsten fünf bis sechs Jahren ändern. Darum müsse die Gemeinde anfangen, dem drohenden Ärztemangel entgegenzuwirken. Als ersten Schritt will die Verwaltung im ersten Quartal 2012 mit Ärzten über deren Wünsche und Probleme sprechen. An den Gespräch sollen auch Vertreter der Fraktionen und möglicherweise einige Investoren teilnehmen. Danach soll überlegt werden, wie jungen Ärzten die Ansiedlung im Stemweder Raum „schmackhaft“ gemacht werden kann.

Vom Aktionsprogramm zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung in NRW kann die Gemeinde derzeit nicht profitieren, weil nur Kommunen gefördert werden, denen auf kurze oder mittlere Sicht eine Unterversorgung droht. Die Bedarfsberechnung der Kassenärztlichen Vereinigung weist für Stemwede aber eine Überversorgung von 135 Prozent aus. Werner Bahnemann von der Verwaltung übte heftige Kritik an diesen Zahlen. Die Vorgaben zur Bedarfsplanung seien 20 Jahre alt und medizinisch wie demographisch überholt.

Ein weiteres Problem sieht Bahnemann in der unterschiedlichen Vergütung von Medizinern in NRW und Niedersachsen. Während Hausärzte in Ostwestfalen-Lippe pro Patient und Jahr bundesweit am wenigsten verdienen, bekommen ihre Kollegen hinter der Landesgrenze rund 40 Euro mehr. Da sei das Argument „Komm doch ins schöne Stemwede“ wenig überzeugend, meinte Dietmar Meier (CDU), der im Gegensatz zu Rybak zur Eile mahnte. „Wenn wir die Rahmenbedingungen nicht schnell ändern, haben wir in 10 bis 15 Jahren keinen Arzt mehr in Stemwede. Wir müssen aufpassen, dass andere Kommunen nicht vorpreschen.“

Ähnlich wie SPD-Frakti ons chef Wilhelm Riesmeier sieht er in Ärztehäusern eine Möglichkeit, die ärztliche Versorgung in Stemwede aufrecht zu erhalten. Denn Geld allein – etwa 50 000 Euro Förderung vom Land – locke keinen Arzt nach Stemwede. „Ärzte wollen Infrastruktur“, weiß Meier aus Gesprächen mit Medizinern. Hier seien beispielsweise Rahden und Espelkamp bereits besser aufgestellt.

Auch Riesmeier ist überzeugt, dass eine gute Infrastruktur ein wichtiges Argument ist. „Ärzte wollen nicht mehr rund um die Uhr für ihre Patienten da sein.“ Ärztehäuser und Gemeinschaftspraxen seien darum der richtige Weg, um Mediziner für Stemwede zu gewinnen. Mit dem Haus der Gesundheit, das zurzeit in Levern entsteht, sei bereits ein erster Schritt gemacht. Dieser Weg müsse weitergegangen werden. · mer

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