Zimmerer-Lehrlinge des Lübbecker Berufskollegs packen bei Wiederaufbau an

Win-Win-Situation

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13 Zimmerer-Azubis des zweiten Lehrjahres vom Berufskolleg Lübbecke engagierten sich beim Wiederaufbau des Wohnhauses auf dem Hof Valentin in Pr. Ströhen über die eigentlichen Projekttage hinaus.

Pr. Ströhen - Von Anja Schubert. Rhythmisches Hämmern, kreischende Sägen, Sägespäne und eifriges Gewusel auf einer Baustelle in Pr. Ströhen. Auf den ersten Blick erkennt man: Hier sind fleißige Zimmerer am Werk. Doch es ist kein normaler Arbeitseinsatz, den 13 junge Menschen leisten. Sie helfen ehrenamtlich beim Wiederaufbau des im Frühjahr vergangenen Jahres bis auf die Grundmauern niedergebrannten Hofs der Familie Valentin. Nach Vorbild des ehemaligen Fachwerkgebäudes wird das Wohnhaus in gleichem Stil aufgebaut.

Praxisbezug wird im Rahmen der theoretischen Ausbildung zum Tischler am Lübbecker Berufkolleg groß geschrieben. „Wir versuchen, Theorie und Praxis so eng wie möglich zusammenzubringen“, so Lehrer Steffen Skrodzki, der die Absolventen des zweiten Lehrjahrs unterrichtet. Seit Jahren pflege man daher eine Kooperation mit der Zimmerei Rohde aus dem niedersächsischen Warmsen, die im Rahmen von Projekttagen den angehenden Tischlern die Möglichkeit gibt, theoretisch erworbenes Wissen praktisch auszuprobieren. Die Firma Rohde zeichnet auch für die Zimmerarbeiten auf dem Hof verantwortlich. Dort wird auch die Wildfleischerei wiederaufgebaut.

„So eine Chance hat man sehr selten“, sagt Vaceslav Fedanin. Er ist einer der Lehrlinge, die am Berufskolleg in der dualen Ausbildung die Qualifikation zum Zimmerergesellen erwerben. „Der Vorschlag, sich bei den Projekttagen auf dem Hof der Familie Valentin fortzubilden und sich zudem nützlich zu machen, kam aus den Reihen der jungen Leute“, erzählt Lehrer Skrodzki. „Das Großfeuer und die Hilfswelle aus der Bevölkerung seien den Auszubildenden in Erinnerung geblieben. „Auch die Schüler aus der weiteren Umgebung hatten die Brandkatastrophe verfolgt.“

„Dass wir mit unseren Kenntnissen helfen können, hat uns motiviert“, erzählt Fedanin. „Noch dazu ist der Aufbau eines Fachwerkhauses eher selten, da nehmen auch wir fachlich viel mit.“ Zimmermeister Hanspeter Rohde und sein Team freuten sich über die Unterstützung beim Aufbau des Satteldaches.

Bereits im Vorfeld erhielten die Auszubildenden die notwendigen Bauzeichnungen, auf deren Basis sie theoretische Berechnungen im Lernfeld „Abbinden und Richten eines Satteldaches“ anstellten. „Gerade Handwerksberufe wie der des Zimmermanns sind sehr stark computergestützt, daher ist dies ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Berufsschulausbildung, auf den wir großen Wert legen“, so Skrodzki.

„Wir sammeln Praxiserfahrung außerhalb unseres eigenen Betriebs und können der Familie auch noch helfen“, freut sich Kristof Neufeld über das motivierende Arbeitsklima auf der Baustelle. „Es macht viel Spaß, so etwas mit den Mitschülern gemeinsam zu erleben. Das stiftet ein ganz anderes Gemeinschaftsgefühl als beim reinen Klassenunterricht. Praktisch arbeitet ja sonst jeder nur in seinem Lehrbetrieb.“ Neufeld ergänzt: „Die Liebe zum Material und tagtäglich zu sehen, was man geschafft hat, waren für uns wesentliche Gründe, warum wir uns für eine handwerkliche Ausbildung entschieden haben.“

Der Entschluss, noch einen Tag ehrenamtlich „dranzuhängen“ und auch beim Dacheindecken anzupacken, war im Vorfeld schnell getroffen. „Es ist für uns alle ein tolles Erlebnis, den Fortschritt im Laufe eines Tages zu betrachten, den wir mit so vielen Händen gemeinsam schaffen.“

„Wir finden, das ist mehr als ein supertoller Einsatz“, mischt sich bei Haus- und Hofherr Achim Valentin und seiner Familie neben großer Freude über die engagierten Leute und den in großen Schritten voranschreitenden Baufortschritt immer wieder das Gefühl großer Dankbarkeit. „So ein Einsatz ist für uns ehrenamtliches Engagement von unermesslichem Wert.“

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