Windkraft-Konzentrationszonen: Ausschuss verschiebt Beschluss

Angst vor Infraschall

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Das Thema Windkraft sorgt bei den Fraktionen für Beratungsbedarf.

Rahden - Von Katharina Schmidt. Einige Rahdener befürchten, dass Windräder die Gesundheit von Anwohnern durch Infraschall gefährden könnten. Das wurde gestern in der Bauausschusssitzung in der Aula des Gymnasiums Rahden deutlich. Eigentlich sollte bei der Sitzung der Entwurf für die Änderung des 72. Flächennutzungsplans der Stadt zur Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windkraft beschlossen werden. Doch die Ausschussmitglieder haben die Entscheidung verschoben.

„Der Infraschall wird bei uns nicht ernst genommen“, sagte einer der gut 30 anwesenden Bürger. Abstände von 400 Metern zu Wohnhäusern seien „völlig undiskutabel“. Mit seiner Meinung stand er nicht alleine da. Mehrere Rahdener meldeten sich zu Wort. Sie beschrieben die vorgesehenen Mindestabstände – 600 Meter zu Außenbebauung und 400 Meter zu Siedlungen – unter anderem als „nicht menschlich“ und verwiesen auf Fälle im Ausland, in denen Tiere durch Infraschall krank geworden seien sollen.

Johannes Eversmann vom beteiligten Planungsunternehmen IPW verdeutlichte, dass man nur nach den aktuellen Richtlinien in Deutschland planen könne – und zum Thema Infraschall gebe es keine entsprechende Richtlinie. Eine Vergrößerung des Abstandes würde zudem dazu führen, dass der Windkraft nicht mehr genügend Raum gegeben werde. Sven Nadolny vom Planungsbüro Kortemeier und Brockmann sagte, dass bei den geplanten Abständen keine erheblichen Auswirkungen zu erwarten seien.

Udo Högemeier (SPD) fand die Diskussion über Infraschall „übertrieben“. Er merkte an, dass zum Beispiel auch Bahnen Infraschall verursachten. Jeder, der Energie nutze, müsse eine gewisse Verantwortung tragen. Windkraftanlagen seien sehr umweltfreundlich im Gegensatz zu Alternativen wie Kohle- oder Atomkraftwerken.

Bürgermeister Dr. Bert Honsel zeigte Verständnis für die besorgten Bürger. Doch er betonte, dass die Stadt Windkraftanlagen momentan nicht vermeiden könne. Er machte ebenso wie die am Verfahren beteiligten Planer deutlich, dass durch fehlende oder unzureichende Ausweisung von Konzentrationsflächen in Rahden unkontrolliert Windkraftanlagen entstehen könnten. Eine solche „Verspargelung“ zu verhindern, ist Ziel der geplanten Änderung des Flächennutzungsplanes.

Momentan kommen die Flächen Tielger Bruch, Filger Bruch, Beekebruch, Fledderbruch und Brandheide für die Ausweisung von Konzentrationsflächen in Frage. Im Weher Fledder, der ursprünglich noch in Betracht gezogen worden ist, ist nach einer artenschutzrechtlichen Erhebung mit erheblichen Zulassunghemmnissen zu rechnen. Deshalb sieht der derzeitige Entwurf diese Fläche nicht mehr vor. Insgesamt würden dem Entwurf zufolge 0,7 Prozent des Stadtgebiets als Konzentrationszone infrage kommen. Das liegt bereits an der Untergrenze, schätzt der ebenfalls am Planungsverfahren beteiligte Landschaftsarchitekt Michael Kasper: „Das, was möglich ist, haben wir gemacht. Mehr geht nicht“.

Zu dem Entwurf wurden im Rahmen einer frühzeitigen Beteiligung der Bürger sowie der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange zahlreiche Stellungnahmen eingesandt. Eversmann fasste die Beschwerden zusammen. Darunter die Abstände zur Wohnbebauung, Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbildes, Infraschall, Lichtreflexionen und die Wertminderung von Immobilien. Nach einer detaillierten Prüfung aller Stellungnahmen sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass es im aktuellen Entwurf keine unzumutbaren oder unzulässigen Beeinträchtigungen auf Planungsebene gebe.

CDU-Fraktionssprecherin Bianca Winkelmann bezeichnete das Thema Windkraft als „sehr heikel“. Deshalb schlug sie bereits zu Beginn der Sitzung vor, den Beschluss für die Empfehlung an den Rat erst in der nächsten Bauausschusssitzung zu fassen. Somit hätten die Fraktionen mehr Zeit, sich zu beraten. Diesem Vorschlag stimmten alle Ausschussmitglieder zu. Bis dahin wollen sie die noch infrage kommenden Gebiete für Konzentrationsflächen gemeinsam besichtigen.

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