Berufsschüler aus dem Agrarbereich lernen Bodenprofile am Stemweder Berg kennen

Vertieftes Wissen im Ackerbau

Am Ostenberg in Oppendorf machte Albrecht Deppe vom Geologischen Dienst die Berufsschüler auf die Besonderheiten des Bodens aufmerksam. In unmittelbarer Nähe zum Wald liegt dem Bodenexperten zufolge ein kalkhaltiges Gestein vor. - Fotos: Bokelmann

Oppendorf - Von Anika Bokelmann. Ein Gespür für Tiere, ein Auge für die Natur sowie Interesse an der Technik sind wichtige Voraussetzung für Lehrlinge in der Landwirtschaft. In der Vorbereitung auf ihren späteren Beruf erleben in dieser Woche 140 Schüler des Wilhelm-Normann-Berufskollegs aus Herford zwischen Wehdem und Oppenwehe bei einer bodenkundlichen Exkursion Grundlagenwissen neben dem regulären Schul- und Ausbildungsbetrieb.

Sie beschäftigen sich mit der Vielfalt des Bodens und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Von Dienstag bis einschließlich morgen gibt es für die Schüler aller drei Jahrgangsstufen des Berufskollegs Stationen, bei denen sie mit den Augen und dem Tastsinn die Böden erleben, das Grünland genauer bestimmen und Tiere beurteilen.

Mit ihren Berufsschullehrern sowie Experten von der Landwirtschaftskammer NRW und dem Geologischen Dienst fahren die jungen Männer und Frauen verschiedene Stationen zwischen Wehdem und Oppenwehe an. Vor Ort hatten die Veranstalter bereits Gruben ausgehoben, damit die Auszubildenden aus den Fachrichtungen Landwirtschaft und Gartenbau die unterschiedlichen Profile erkennen können. Diese werden nach Abschluss des Lehrgangs verfüllt und sind nicht mehr einsehbar.

„Eigentlich sieht der Landwirt immer nur 30 Zentimeter des Bodens“, verdeutlicht Bernd Vogel-Höffner, Berater zur Wasserrahmenrichtlinie bei der Landwirtschaftskammer. Albrecht Deppe, Bodenexperte vom Geologischen Dienst aus Krefeld, ergänzt: „Wer gute Strategien für den Ackerbau entwickeln will, muss aber weiter in die Tiefe gehen.“ So sei das Wissen um die Böden ein wesentlicher Bestandteil des Ackerbaus.

Der Pseudogley, der überwiegend kurz vor Wehdem vorkommt, ist sehr schluffreich und eignet sich für den Maisanbau.

Die Exkursion am Stemweder Berg vorzunehmen, habe einen einfachen Hintergrund, machen die Experten deutlich – neben Vogel-Höffner und Deppe unterstützen Joachim Schulz (Geologischer Dienst) und Gundula Haunert (Wasserkooperation Minden-Lübbecke) das Ereignis. „Wir haben hier auf sehr engem Raum viele verschiedene Bodentypen“, so Vogel-Höffner. Überwiegend handele es sich zwar um karge und sandige Böden, aber die Landwirtschaft habe in den vergangenen Jahren durch verschiedene Maßnahmen eine Strukturverbesserung angestrebt, so der Berater.

Von geringer Ertragsfähigkeit beim Pararendzina-Profil am Ostenberg in Oppendorf über für den Maisanbau geeignete Pseudogley-Böden an der Straße Lindhövel in Wehdem bis hin zum sandigen Podsol am Stau in Oppendorf lernen die Schüler die unterschiedlichsten Bodenprofile kennen und können sich ein anschauliches Bild von den Bodenhorizonten machen.

Mit der Exkursion wollen die Organisatoren aber nicht nur die Auszubildenden praktischer an die Landwirtschaft heranführen. Auch die Landwirte selbst werden mit eingebunden und sollen laut Vogel-Höffner für die Bodenprofile sensibilisiert werden. Daher waren auch die Eigentümer der Flächen sowie weitere Interessierte zur Besichtigung der ausgehobenen Gruben eingeladen. Darüber hinaus beweise die Bereitschaft der heimischen Landwirte, die für die Aktion ihre Felder sowie den Tierbestand zur Verfügung gestellt haben, dass sie ihr Wissen an die Jugend vermitteln wollen, lobt Vogel-Höffner und Berufsschullehrer Johannes Breker fügt hinzu: „Wir tragen auch zur kulturellen Bildung bei, weil durch die Bodenprofile deutlich wird, wie die Region entstanden ist.“

Das wird ferner bei den Ausführungen von Albrecht Deppe zur Erdgeschichte deutlich, als er den Berufsschülern die Entsehung des Stemweder Bergs erläutert. Dabei begibt er sich bis in die letzte Eiszeit zurück, die die oberen Schichten des Bodens abgehobelt hatte. „In der Tiefebene finden Sie völlig andere Strukturen im Boden, als am Hang“, erklärt der Bodenexperte den Schülern, während er die verschiedenen Horizonte zeigt. Zudem erläutert er die Substrate und Mineralien in den Böden und bewertet diese mit Blick auf ihre Nutzung für den Ackerbau.

Während sich eine Gruppe auf den Weg zu den sechs Stationen zwischen Wehdem und Oppenwehe begibt, nimmt eine Gruppe in Oppendorf den Grasbestand an der Straße Mühlheide unter die Lupe. Eine weitere Gruppe sieht sich indes Kühe genauer an. „Klauenpflege und die Beurteilung des Gesundheitszustands gehören zur Ausbildung dazu“, sagt Breker vom Berufskolleg.

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