607 „verlorene Notrufe“ im Mühlenkreis

Wer zu schnell auflegt, wird nicht registriert

+
Mediengruppe Kreiszeitung

Minden-Lübbecke - Nicht jeder Notruf im Kreis Minden-Lübbecke erreicht auch sein Ziel – einen Polizeibeamten am anderen Ende der Leitung. 607 Anrufe bei der Kreisleitstelle der Polizei sind 2014 „verloren“ gegangen, 2013 waren es noch 474. Das geht aus der Antwort von NRW-Innenminister Ralf Jäger auf eine Anfrage des hiesigen FDP-Landtagsabgeordneten Kai Abruszat (FDP) hervor.

Nach offizieller Definition gelten Notrufe dann als „verloren“ und werden auch als solche registriert, wenn sie nach mehr als fünf Sekunden vom Anrufer unbeantwortet beendet werden. Da die Leitstellentechnik der Polizeibehörde veraltet sei, könnten verlorene Notrufe hier erst nach zehn Sekunden erfasst werden, kritisiert Abruszat.

Laut Jäger legten 311 Anrufer sogar nach 20 Sekunden auf, ohne einen Gesprächspartner erreicht zu haben. 2013 waren es demnach noch 240. Abruszat zeigt sich verwundert, dass die Zahl der verlorenen Notrufe gestiegen ist, obwohl sich die Zahl der insgesamt eingegangenen Notrufe von 51333 im Jahr 2013 auf 50987 im Jahr 2014 verringert hat. „Auch wenn die überwiegende Mehrzahl der Notrufe ihr Ziel erreicht, ist die gestiegene Anzahl verloren gegangener Notrufe nicht zufriedenstellend“, so der FDP-Politiker. Schließlich gehe es im Ernstfall um Sekunden. So könne ein verlorener Notruf den Ausschlag geben, dass eine bevorstehende Tat nicht mehr vereitelt oder einem Opfer nicht mehr geholfen werde.

Von den 50987 im Vorjahr registrierten Anrufen wurden 46740 angenommen. „Die Unterschiede bedeuten aber nicht, dass in diesen Fällen nicht Hilfe geleistet wurde“, stellt Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer klar. „Die Gründe liegen darin, dass eine Vielzahl von Anrufern unmittelbar nach dem ersten Klingelzeichen wieder auflegt. Das erklärt sich unter anderem dadurch, dass Anrufer statt des Polizeinotrufs den Feuerwehrnotruf erreichen wollten oder Unbekannte sich einen ‚Spaßanruf‘ erlauben.“ Als weitere Gründe nennt der Pressesprecher schwere Unfälle, andere Unglücke oder extreme Wetterlagen, bei denen gleichzeitig zahlreiche Anrufe eingingen. „Da kann es natürlich vorkommen, dass einzelne Anrufe nicht entgegengenommen werden.“

Generell würden die eingehenden Notrufe der Reihe nach abgearbeitet. Seien alle Beamten im Gespräch, höre der Anrufer trotzdem ein Freizeichen, bis er an der Reihe sei. Die Polizei rät darum, nicht aufzulegen und Geduld zu beweisen.

In der Polizeileitstelle in Minden versehen grundsätzlich drei Beamte pro Schicht ihren Dienst. Bei besonderen Einsatzlagen, etwa größeren Veranstaltungen, kann ein weiterer Platz besetzt werden. Die Zahl der eingehenden Notrufe wird laut Polizei monatlich ausgewertet. Bei auffälligen Werte werde sofort eine Überprüfung veranlasst.

Im Zusammenhang mit der gestiegenen Zahl verlorener Notrufe übt Kai Abruszat auch Kritik an der zögerlichen Modernisierung der Leitstellentechnik in NRW. Vor zwei Jahren habe ihm der Innenminister den Abschluss der Modernisierung bis Ende 2015 in Aussicht gestellt, so Abruszat. Dieser Zeitplan sei nun Makulatur. Jäger räumt in seiner Stellungnahme ein, dass sich die technische Umsetzung komplexer darstelle, als geplant. „Derzeit ist mit einem Verzug von circa zwei Jahren zu rechnen“, so Jäger. Die Beamten in Minden wünschen sich laut Steinmeyer zwar eine möglichst schnelle Modernisierung, fühlten sich mit der vorhandenen Technik aber gut aufgestellt.

mer

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Auto kippt in Bad Oeynhausen nach Kollision auf die Seite

Auto kippt in Bad Oeynhausen nach Kollision auf die Seite

Lkw-Anhänger mit Spirituosen brennt ab

Lkw-Anhänger mit Spirituosen brennt ab

20-Jähriger befestigt Blaulicht an Auto und wird von Polizisten gestoppt

20-Jähriger befestigt Blaulicht an Auto und wird von Polizisten gestoppt

Auto stößt mit Linienbus zusammen - vier Verletzte

Auto stößt mit Linienbus zusammen - vier Verletzte

Kommentare