Verein zur Förderung der plattdeutschen Sprache möchte mit Bücherkisten Kindergärten, Schulen und Vereine ansprechen

Mit Literatur und Liedern gegen den Verlust der heimischer Mundart

+
Ein Gefühl für die plattdeutsche Sprache sollen nicht nur Tamina, Angelina, Charleen und Giana (unten, v.l.) bekommen. Romy Hackmann, Pastor i. R. Wilhelm Dullweber und Magrit Graefen (oben, v.l.) wünschen sich, dass möglichst viele Kinder wieder den Kontakt zur niederdeutschen Sprache pflegen.

Wehe - Um gegen das Vergessen der plattdeutschen Sprache in der Region anzukämpfen, gibt es den Verein zur Förderung der Plattdeutschen Sprache im Mühlenkreis Minden-Lübbecke. Unter dem Motto „Plattdüütsk hört in Kinnermund“ möchte er vor allem Kinder dazu motivieren, die plattdeutsche Sprache anzunehmen und zu sprechen. Dies geschieht unter anderem mit Bücherkisten. Das Angebot wurde gestern im Kindergarten in Wehe vorgestellt.

„Im Laufe der Jahrzehnte haben immer weniger Eltern mit ihren Kindern Plattdeutsch gesprochen“, weiß Magrit Graefen, Vorsitzende des Vereins, zu berichten. Plattdeutsch sei als zu gewöhnlich abgekanzelt worden, die Kinder sollten sich auf das Hochdeutsche konzentrieren.

„Durch die Bücherkisten wird den Kindern auf spielerische Art und Weise die Sprache näher gebracht“, sagt Romy Hackmann vom Kindergarten in Wehe. Neben Geschichten und Gedichten seien auch CDs mit Liedern in den Boxen.

„Die Kinder nehmen das Angebot erstaunlich gut an und sind wirklich mit Spaß dabei.“ Neben Büchern, die ausschließlich auf Plattdeutsch verfasst wurden, gibt es teilweise auch Veröffentlichungen, in denen eine hochdeutsche Übersetzung neben dem Text steht. Dies mache das Lernen noch einfacher, so Hackmann.

Dass sich Lernen und Spaß nicht ausschließen, bewiesen die Kindergartenkinder bei der Erstellung eines Hefts mit Weisheiten auf Plattdeutsch. Sprüche wie „Wer annern äine Grube groavt, däi fallt süms rinn“ oder „Wenn däi Kattn ut‘n Hus is, danzt däi Müse up‘n Disk“ sind von den kleinen Sprachschülern entsprechend illustriert worden.

Sechs Bücherkisten, drei für Schulen und drei für Kindergärten, hat der Verein mit Hilfe der Osthushenrich-Stiftung aus Gütersloh angeschafft. Sie stellte insgesamt 1500 Euro zur Verfügung. Auch Workshops und Plattdeutsch-Tage werden davon bezahlt. Sie können von Kindergärten, Schulen und Vereinen aus dem ganzen Kreisgebiet angefordert werden. Die kindgerechte Literatur unterscheide sich von Kiste zu Kiste. Es mache also Sinn, sich immer mal wieder um eine neue Kiste zu bemühen, so Hackmann. „Die Kisten sind wirklich eine gute Idee“, findet auch Wilhelm Dullweber. Der frühere Pfarrer hält plattdeutsche Gottesdienste und Lesungen im Kreisgebiet. Lesern dieser Zeitung dürfte er auch durch Serien wie „Geschichten aus dem Heimathaus“ bekannt sein. Etwa 800 dieser Geschichten habe er in den vergangenen Jahren geschrieben. Es sei sehr schade, dass sich nicht mehr Menschen im Kreisgebiet für den Erhalt des Plattdeutschen einsetzten, so Dullweber. Seine Kurse im Rahmen des Programms der Volkshochschule Lübbecker Land seien die einzigen, die angeboten würden.

Schulen, Kindergärten und Vereine, die Interesse haben, auch einmal eine Kiste zu leihen, können sich an den Kindergarten in Wehe unter Telefon 05771/ 2025 wenden. Auskunft erteilt auch der Sprachförderverein.

mj

www.platt-ev.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Schiff für ersten Atommüll-Transport unterwegs

Schiff für ersten Atommüll-Transport unterwegs

Hurricane-Bands am Sonntag

Hurricane-Bands am Sonntag

Der Reisewinter - Neues von Neckermann und Thomas Cook

Der Reisewinter - Neues von Neckermann und Thomas Cook

Bilder von der Explosion eines Tanklastzugs in Pakistan

Bilder von der Explosion eines Tanklastzugs in Pakistan

Meistgelesene Artikel

17-Jähriger nach Motorradunfall schwer verletzt

17-Jähriger nach Motorradunfall schwer verletzt

Kommentare