Thermografen und Berater untersuchen Häuser und geben Tipps

Mit der Wärmebildkamera wird Energieverlust sichtbar

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Stefan Pauls schaut sich das Haus der Familie Engel mit der Wärmebildkamera an, um die Temperaturdifferenzen zu erkennen und damit Rückschlüsse auf mögliche Energielecks zu ziehen.

Rahden - Lang hat es gedauert, doch jetzt ist der Winter da. Die Bewohner des Mühlenkreises mussten in den vergangenen Tagen ordentlich gegen die Kälte heizen. Doch nicht alles, was die Heizkörper abgeben, bleibt auch in den Räumen. Über Energielecks dringt die teure Wärme nach außen und verpufft somit. Da kann eine Energieberatung sinnvoll sein. Dafür haben sich Claudia und Detlef Engel aus Stelle entschieden und ihr Haus unter die Lupe nehmen lassen.

Die Sonderaktion in Form der Beratung bietet die Verbraucherzentrale NRW in Kooperation mit dem Kreis Minden-Lübbecke bereits in der fünften Saison für Hauseigentümer in Form eines speziellen und befristeten Winterpakets an. Zum Komplettpreis von 165 Euro erstellt ein Thermograf des externen Partners Bauking Wärmebilder der Gebäude und leitet sie an unabhängige Energieberater der Verbraucherzentrale weiter.

Gespannt verfolgt das Steller Ehepaar Engel, wie Stefan Pauls ihr fast 20 Jahre altes Haus an Auedamm mit der Wärmebildkamera aufnimmt. „Beim Kauf vor 18 Jahren haben wir nicht sonderlich auf die Energiekriterien geachtet“, erinnert sich Detlef Engel. Um so interessanter sei es nun, „was getan werden kann“. „Wir möchten wissen, ob eine zusätzliche Dämmung etwas bringt“, erklärt Engel, warum er sich an die Energieberater gewandt hat.

Normalerweise werden die Thermografen in der zweiten Nachthälfte aktiv, um eine möglichst große Temperaturdifferenz zwischen Innen und Außen zu erzielen. Da die Differenz bei mindestens zehn Grad Celsius liegen sollte, arbeiten die Thermografen ausschließlich im Winter. „Dann zeigt sich am besten, wo Wärme entweicht“, so Pauls. Er weiß, wo die klassischen Schwachstellen liegen – Heizkörpernischen, Rolladenkästen, Balkone sowie undichte Fenster und Türen seien häufig schuld am Energieverlust. Dieser zeigt sich auf der Infrarotkamera anhand verschiedener Farben von blau bis rot.

Etwa vier Tage bevor die nächtlichen Aufnahmen gemacht werden, erhalten Hauseigentümer eine Information, am Tag danach finden sie einen Hinweis, dass die Thermografen vor Ort waren. Die Bilder, sowohl Realbilder als auch das Thermogramm, geben die Experten an die Energieberater weiter. Eine dieser objektiven Berater ist Britta Friedrichsmeier.

Die Architektin wertet die Bilder aus und erstellt in Abstimmung mit den Hausbesitzern einen Fahrplan, wie eine energetische Sanierung aussehen kann. „Da spielen das finanzielle Budget und die Wünsche der Eigentümer eine große Rolle“, so Friedrichsmeier. Sie weist bei der rund anderthalbstündigen Beratung auch auf gesetzliche Vorgaben und Fördermöglichkeiten hin. Letztlich gehe es nicht um die größtmögliche Sanierung, sondern um „sinnvolle Maßnahmen, die zur Situation passen“.

Bei den Erhebungen handele es sich um sehr sensible Daten, weiß Friedrichsmeier. Die Architektin freut sich daher umso mehr, dass immer mehr Eigentümer ihren privaten Raum auf den Prüfstand stellen. „Die Bilder haben eine hohe Überzeugungskraft“, berichtet sie über die steigende Nachfrage, seitdem das Angebot im Jahr 2009 im Kreis gestartet war.

Der Kreis Minden-Lübbecke unterstützt das aktuelle Angebot der Verbraucherzentrale, ein Paket aus Thermografie und Beratung, das im Rahmen des Projekts Energiewende läuft. Weiterhin gibt es eine Förderung von der Europäischen Union und dem Land NRW. Dadurch ergibt sich der Preis von 165 Euro. Dieser ist unabhängig von der Lage des Hauses. „Wir fahren flächendeckend durch den Kreis Minden-Lübbecke“, unterstreicht Britta Friedrichsmeier.

Jürgen Striet, Leiter des Dezernats „Bauen und Umwelt“ von der Kreisverwaltung, sieht ein „erhebliches Energie-Einsparpotenzial“. Zudem leistet die Beratung ihm zufolge einen „wichtigen Beitrag für mehr Klimaschutz im Mühlenkreis“. „Die Beratungen bieten Hilfe auf mehreren Ebenen – für den Hausbesitzer, für das Klima und sie sichert am Ende auch Arbeitsplätze“, führt Striet aus.

Bei Interesse können sich Hauseigentümer an die Verbraucherzentrale NRW wenden. Informationen gibt es unter Telefon 0571/ 38637906 und im Internet. Noch bis März sind die Beratungen geplant. Allerdings sei das wetterabhängig, betont Friedrichsmeier. Kreisweit sind rund 100 Plätze vorgesehen.

abo

www.vz-nrw.de

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