Gericht verurteilt 28-Jährigen zu Geldstrafe wegen Körperverletzung

Schwerer Unfall beeinträchtigt Verhältnis nicht

Rahden/Pr. Ströhen - Wegen eines Augenblickversagens verurteilte das Amtsgericht Rahden einen 28-jährigen Rahdener zu einer Geldstrafe von insgesamt 800 Euro. „Das Leid des Geschädigten können wir damit nicht aufwiegen“, machte die Staatsanwältin deutlich. Denn bei dem Unfall, der zu dem Strafverfahren geführt hatte, war der Angeklagte mit einem Treckergespann mit einem Mofafahrer kollidiert, der dabei erhebliche Verletzungen davontrug.

Die Anklage auf fahrlässige Körperverletzung bezog sich auf einen Verkehrsunfall, der sich im Oktober vergangenen Jahres in Pr. Ströhen ereignet hatte. Als der 28-jährige Student, der als selbstständiger Landwirt seinen Lebensunterhalt bestreitet, an diesem Abend in der Dämmerung mit seinem Traktor samt Mais beladenem Anhänger von der Straße Bössel die Pr.-Ströher-Allee überqueren wollte, übersah er den von links nahenden Fahrer eines Kleinkraftrads. „Ich habe angehalten und geschaut, mich aber dabei wohl zu sehr auf Autos konzentriert“, schilderte der Angeklagte nun das Geschehen.

Er habe immer Angst vor dem Radweg gehabt, ergänzte er. „Als ich die Lichtkegel von dem Mofa gesehen habe, hab ich überlegt, ob ich Gas geben oder bremsen soll“, so der 28-Jährige. „Doch dann war es schon zu spät“, bedauerte er den Unfall. Als das Treckergespann dann die Straße blockierte, unternahm der heute 40-jährige Unfallbeteiligte und Vorfahrtberechtigte noch eine Vollbremsung mit seinem Mofa. Er sei mit rund 70 Stundenkilometer unterwegs gewesen, gab er zu Protokoll.

„Bei der Bremsung ist mir der Roller weggerutscht und ich bin auf dem Rücken unter das Gespann geschleudert“, sagte der als Zeuge geladene Rahdener aus. Als der Angeklagte vom Trecker gestiegen sei und zur Hilfe eilen wollte, habe er ihn darauf aufmerksam gemacht, doch den Rückwärtsgang einzulegen. „Mein rechter Arm lag ja noch unter dem Reifen des Anhängers“, erinnerte sich das Opfer.

Er sei an diesem Oktoberabend von der Arbeit nach Hause gekommen, so der Automechaniker, der bis heute unter den Folgen der Unfallverletzungen leidet. Nach fünf Operationen und Hauttransplantationen, mehr als zweimonatigem Krankenhausaufenthalt und siebenwöchiger Reha-Maßnahmen geht er heute noch mehrmals wöchentlich zur Physiotherapie, schilderte er dem vorsitzenden Richter Schnasse und der Staatsanwältin. Er habe keine Kraft mehr, könne seinen Arm wegen der Nervenschädigung nicht mehr richtig nutzen und werde daher seinen Beruf vermutlich nicht mehr ausüben können, so der Rahdener.

Auf Nachfrage der Staatsanwältin zu den beruflichen Perspektiven des 40-jährigen Rahdeners, erklärte er, dass er abwarten müsse. „Ich muss gucken, was dann noch geht“, so der Automechaniker, der eigenen Angaben zufolge anteilmäßig Schmerzensgeld aus dem zivilrechtlichen Verfahren erhalten hat.

Der Unfall hat das Verhältnis der beiden Rahdener zueinander nicht beeinträchtigt, machten die Männer vor Gericht deutlich. So habe sich der Student regelmäßig nach dem Befinden des Unfallopfers erkundigt. „Das hätte mir auch passieren können. Ich gebe ihm keine Schuld“, so der 40-Jährige. Der Angeklagte zeigte sich geständig: „Ich stehe für den Unfall gerade. Es war ein Versehen“, erklärte der 28-Jährige vor der Urteilsverkündung.

Diese lautete auf fahrlässige Körperverletzung. Während die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer eine Geldstrafe von insgesamt 1000 Euro beantragt hatte, verhängte Richter Schnasse eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro, zu zahlen in monatlichen Raten von 100 Euro.

„Es war ein tragischer Unfall bei schwierigen Licht- und Straßenverhältnissen“, führte Schnasse in seiner Urteilsbegründung aus. Für den Angeklagten spreche neben der Tatsache, dass er keine Vorstrafen habe oder anderweitig im Straßenverkehr auffällig geworden sei, dass er sich geständig gezeigt habe und „das Geständnis durch den Zeugen bestätigt wurde“, so der Richter.

Aufgrund der Verletzung des Mofafahrers sei eine Einstellung des Verfahrens nicht möglich, hatte zuvor die Staatsanwältin verdeutlicht. Mit dem Urteil könne „der Weg für den Geschädigten geebnet werden“, so die Juristin, die auf die weitgreifende Belastung für den Automechaniker verwies.

abo

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