39 schulpflichtige Flüchtlingskinder in Rahden / Schulen fordern Unterstützung

Segen und Herausforderung

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Die Pr. Ströher Grundschule besuchen zurzeit zwei Flüchtlingskinder.

Rahden - Ein Segen und eine Herausforderung zugleich ist im Zusammenhang mit der Schulentwicklungsplanung der Stadt Rahden die steigende Zahl der schulpflichtigen Flüchtlingskinder. Deren Zuzug „wird uns an der ein oder anderen Stelle über die Grenze helfen“, prognostizierte Friedrich Schepsmeier (SPD) während der Fachausschusssitzung mit Blick auf die Mindestschülerzahlen.

39 Flüchtlingskinder leben aktuell in Rahden, in einem Jahr könnten es, basierend auf Hochrechnungen, etwa 100 sein. Sie in den regulären Unterricht zu integrieren, bringt vor allem die Grundschulen an ihre Grenzen, denn sie bekommen keine zusätzlichen Lehrerstellen. Begründung: Kinder im Grundschulalter lernen eine fremde Sprache sehr schnell und können darum einfacher integriert werden. Die Schulleiter sehen dagegen durchaus Probleme, weil die Klassen größer werden und der Arbeitsaufwand steigt. Zugleich betonen sie aber auch, dass es Freude mache, mit den Neuankömmlingen zu arbeiten. Derzeit sind in Pr. Ströhen zwei Flüchtlingskinder untergebracht, in Varl vier und in Rahden sieben.

Der Sekundarschule sind aktuell neun Asylbewerber zugewiesen, Gymnasium und Hauptschule insgesamt zwölf. Die weiterführenden Schulen erhalten zwar Unterstützung, halte die bisherige Entwicklung an, sei das aber nicht genug, erklärte Sekundarschulleiterin Margarete Kaiser. Die Sekundarschule hat zusätzlich zwölf Lehrerstunden für den Deutschunterricht der Zuzügler bekommen und darf gemeinsam mit der Hauptschule zum 1. Februar eine Stelle für „Deutsch als Fremdsprache“ ausschreiben.

Die jungen Asylbewerber hätten bezüglich Schullaufbahn und Sprachkenntnisse sehr unterschiedliche Voraussetzungen, die erst einmal ermittelt werden müssten, um sie dann den passenden Klassen zuzuordnen, berichtete Hauptschulleiter Hendrik Grunwaldt über das Procedere. Wenn die Jugendlichen dann in gemischten Klassen mit 10 bis 17 Schülern untergebracht würden, sei das schon eine sehr große Herausforderung, ergänzte Gymnasiumsleiterin Ingrid von Mitzlaff, die wie viele ihrer Kollegen in freien Stunden quasi „nebenher“ kleine Gruppen von Flüchtlingskindern unterrichtet. Die Arbeit mit ihnen mache Spaß, erfordere aber auch einen hohen zeitlichen und materiellen Aufwand. Lobend hob sie die Schülervertretung hervor, die sich aus eigenem Antrieb um die soziale Integration der jungen Asylbewerber kümmere.

Bürgermeister Bert Honsel appellierte an die Lehrer, gegenüber dem Land als ihrem Arbeitgeber mehr Unterstützung zu fordern. „Die Landesregierung muss noch mehr professionelle Hilfe bieten.“ Daneben sieht er natürlich auch die Stadt als Schulträger in der Verantwortung und kündigte an, bei den Haushaltsberatungen den vom Arbeitskreis Asyl eingeforderten Integrationslotsen „einzupreisen“. Auch Grunwaldt hatte sich einen zentralen Ansprechpartner bei der Verwaltung gewünscht.

Frank Moormann (CDU) äußerte großen Respekt für die Lehrer und regte einen Arbeitskreis an. Es reiche nicht, dass der Schulausschuss zweimal im Jahr tage und entscheide. Ausschussvorsitzender Horst-Wilhelm Bruhn (SPD) war skeptisch. „Ich weiß nicht, was wir als Arbeitskreis noch machen sollen.“ Die Entscheidung darüber wurde vertagt.

Bei allen Schwierigkeiten sieht Hauptamtsleiter Werner Thielemann in den jungen Asylbewerbern und ihren Familien angesichts rückläufiger Geburtenzahlen eine Chance für Rahden und er wirbt darum, die aktuelle Willkommenskultur aufrecht zu erhalten.

mer

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