Rundgang in Erinnerung an Pogrome

Rahdener auf den Spuren der Juden

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Am Synagogen-Gedenkstein erinnerte Dr. Werner Kreft (l.) an das Schicksal der Juden und stellte einen Bezug zur aktuellen Situation in den Städten her.

Rahden - Dort, wo sich am Dienstagabend rund 20 Rahdener trafen, brannte vor 77 Jahren die Synagoge. Diese hatten Nationalsozialisten auf Anweisung der NS-Führung am Abend des 10. November 1938 angezündet – als Racheakt, weil ein polnischer Jude in der deutschen Botschaft in Paris randalierte und einen Anhänger der NSDAP tötete, nachdem er von der Abschiebung seiner Familie nach Polen erfahren hatte.

In Erinnerung an die Pogrome und die Schicksale der Mitbürger starteten die Männer und Frauen ihren Rundgang auf den Spuren der jüdischen Bevölkerung am Gedenkstein. Auf dem Rathausvorplatz begann Claus-Dieter Brüning mit seinen Ausführungen: Der Stadtheimatpfleger zeigte anhand von alten Fotos, wie Rahden zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ausgesehen hatte. „Auch heute entdeckt man überall Spuren“, so Brüning. Eine Ergänzung zum Rundgang, den der Arbeitskreis „Rahdener Synagoge“ vor einigen Jahren ausgearbeitet hatte, wird es Ende November mit der Verlegung der Stolpersteine geben.

Von der ehemaligen Synagoge kenne er nur ein einziges Bild, erklärte Brüning am Dienstagabend zum Start der Tour. Als das Feuer vor 77 Jahren gelegt worden sei, hätten sich die Löscharbeiten der Feuerwehr darauf beschränkt, das angrenzende Rathaus zu retten, wusste Brüning.

Damit die ehemalige Synagoge aber nicht in Vergessenheit gerät, gibt es den Gedenkstein sowie Pflastersteine auf dem Rathausparkplatz, die den Grundriss des jüdischen Gotteshauses markieren.

Zur Umgestaltung des Hauses der Familie Goldstein ins Amtsgericht sagte Brüning: „Wo früher Unrecht getan wurde, wird heute über Strafen entschieden.“ Ein paar Straßenecken weiter berichtete der historisch interessierte Rahdener der Gruppe vom „Judenhimmel“ im Haus der Familie Kaiser. Heute sind in dem Gebäude am Kreisverkehr Ärzte tätig, früher hätten sich hier Juden vor der Ausbeutung und den Anschlägen versteckt – und aufgrund der speziellen Architektur hätten sie in den Himmel blicken können.

Auf Demütigungen und gebrochenes Recht ging im Anschluss an den Rundgang Pfarrer i.R. Dr. Werner Kreft ein. Er erinnerte an die rund 1300 Juden, die in der Pogromnacht in der Bundesrepublik ums Leben gekommen waren. „In Rahden gab es glücklicherweise keine Toten“, so Kreft, der selber Kontakte zu den Juden in Rahden pflegte und sich insbesondere an die Familie von Richard Frank erinnert. „Wir hatten stets ein gutes Verhältnis“, verriet er.

Daran könnten sich viele heute ein Beispiel nehmen, meinte Dr. Kreft weiter. Denn der Aufschrei der hasserfüllten Menschen schade dem Land viel mehr als dass er nutzen würde, meinte Kreft mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingskrise. Auch damals hätte Deutschland sein Schicksal gemeistert und das müsse auch heute möglich sein, so der Pfarrer.

Stolpersteine

für Rahden

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, findet Gunter Demnig. Der Künstler hat europaweit mehr als 50000 Pflastersteine mit den Namen von Opfern des Nationalsozialismus verlegt – am Freitag, 27. November, ist Rahden an der Reihe. An der Marktstraße und der Lemförder Straße werden dann ab 8.45 Uhr die Stolpersteine verlegt. „Sie regen zum Nachdenken an, damit so etwas nie wieder passiert“, lobte am Dienstagabend Pfarrer i.R. Dr. Werner Kreft die Bemühungen für die Spuren, die an die ehemaligen jüdischen Bürgern in Rahden erinnern sollen. Laut Claus-Dieter Brüning sollen im nächsten Jahr noch weitere Steine verlegt werden.

abo

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