Rund 500 Biker feiern Saisonabschluss am Pr. Ströher Nordpunkt

Lautes Geknatter und andächtige Stille

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Nahezu endlos erschien der Motorradkorso zu Beginn der gemeinsamen Ausfahrt am Feiertag.

Pr. Ströhen - Von Anja Schubert. Faszination und Leidenschaft, Benzingeruch, gute Gespräche, der Sound und das tiefe Grummeln der Motoren. Ob alleine oder in der Gemeinschaft: Es ist das Gefühl von Freiheit, Tempo, Abenteuer, Verbundenheit mit der Natur und der Szene, was Motorradfahrer zusammenschweißt. Das war beim 13. Bikertreffen am Nordpunkt in Pr. Ströhen nicht anders.

Sonne satt und ein Meer von auf Hochglanz polierten „heißen Öfen“ ließen die Open-Air-Veranstaltung am Tag der Deutschen Einheit erneut zu einem Erfolg werden. Mit rund 400 Maschinen und 500 Bikern aus Südniedersachsen und ganz NRW wurde die Vorjahresmarke noch einmal getoppt. Rund um das Nordpunktgelände gab es bereits am frühen Sonnabendmorgen kaum noch ein Durchkommen. Zahlreich stärkten sich die Fahrer am Frühstücksbüfett, das das Team vom Oppenweher Moorhof zubereitet hatte.

„Ich fahre schon mein ganzes Leben. Biken ist einfach ein Lebensgefühl“, so Bernd Augstein aus Lübbecke, der sich mit seinem Kumpel Ingo Prochner angesichts des schönen Wetters zu einer spontanen Stippvisite entschlossen hatte und erstmalig beim Bikertreffen dabei war. Wer an den Maschinen entlangschlenderte, entdeckte immer wieder moderne Gefährte, alte Schätzchen und altbekannte Gesichter.

„Ich bin aus gesundheitlichen Gründen im Bikerruhestand. Nur zu diesem Treffen komm ich noch“, sagte Biker-Veteran Bodo Stuke aus Löhne, der sichtlich die Atmosphäre genoss. Mit seinen 72 Lenzen habe er fast kein Nordpunkt-Treffen ausgelassen, erinnerte er sich. „54 Jahre fahre ich jetzt Motorrad und habe mehr als 1,6 Millionen Kilometer zurückgelegt.“

Bewundernd ließ Niklas Obering aus Pr. Ströhen diese Zahlen erst einmal sacken. Der Elfjährige gehörte als Sozius zu den jüngsten Teilnehmern und fiebert schon jetzt dem Moment entgegen, wenn er selbst den Motorradführerschein machen darf. Auch die Bewohner des Wittekindshofer „Haus Aleida“ aus Rahden ließen sich das PS-Spektakel am Nordpunkt nicht entgehen.

Ein kollektives Aufheulen der Motoren verkündete pünktlich um elf Uhr den Start zur gemeinsamen Ausfahrt durch die Region. Ausgearbeitet hatte die Route erneut der örtliche Bikerstammtisch, der mit der Kirchengemeinde und dem Heimatverein, Kirchenkreis und der Bikers Church Westfalen die Veranstaltung organisiert. Entgegen der vergangenen Jahre, in denen der anschließende Gedenkgottesdienst auf an der Grundschule veranstaltet wurde, ging es in diesem Jahr zur besinnlichen Zusammenkunft direkt zurück zum Nordpunkt.

„Wir wollten wieder ‚back to the Roots'“, erläuterte Ortspfarrer Roland Mettenbrink. Bei der Premiere vor 13 Jahren sei der Gottesdienst auch auf dem Nordpunkt-Gelände gefeiert worden. „Damals war hier noch alles unbefestigt und ein Gewitter ließ uns fast im Modder versinken“, erinnerte sich Bernhard Wietelmann, Vereinsvorsitzender der Pr. Ströher Heimatfreunde. „Heute haben wir optimale Bedingungen.“

13. Bikertreffen am Pr. Ströher Nordpunkt

Unter das Motto „Antrieb fürs Leben“ hatte Pfarrerin Sigrid Kuhlmann ihre Predigt gestellt und verband damit eindrucksvoll die Aspekte Biken und Beten. „Bei einem Motorrad läuft nichts ohne Steuerkette. Auch für unser Leben brauchen wir einen Antrieb, der uns in die richtige Richtung lenkt“, erklärte die Geistliche. Ob im Glauben und Handeln, im Umgang miteinander – Ketten sollten eine verbindende und keine absperrende Funktion haben. „Wie Steuerketten müssen auch wir gut geschmiert werden mit Gottes Wort, denn er hält das Steuer unseres Lebens in seiner Hand.“

Sieben Mal ließ Pfarrer Roland Mettenbrink die Glocke zum Gedenken an die 73 Biker erklingen, die in der vergangenen Saison ihr Leben bei schweren Unfällen gelassen hatten. Die Biker legten zudem ein Gedenkkreuz aus ihren Helmen. „Die Zahlen sind erstmalig wieder beunruhigend gestiegen. Allein in NRW sind im ersten Halbjahr 42 Fahrer tödlich verunglückt. Das sind 29 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.“

Wie nah Freud und Leid beieinander liegen, erfuhren nicht nur die rund 40 Mitglieder des örtlichen Bikerstammtischs. Denn im Moment des Gedenkens ereilte die Gottesdienstteilnehmer die Nachricht eines bei der Streckensicherung während der Ausfahrt verunfallten Kameraden. Nach der Erstversorgung am Unfallort in Höhe des Restaurants Speukenkieker wurde der Fahrer mit dem Rettungswagen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Später gab es Entwarnung: Der Sturz war mit einer Knieverletzung glimpflich verlaufen.

Musikalisch umrahmten die Sänger des Chors „Vokal Fatal“ den besinnlichen Teil des Bikertreffens, an den sich ein geselliger Ausklang anschloss. Bis in die frühen Abendstunden tauschten sich die Biker noch über ihre Leidenschaft aus.

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