Richter ändert Strafe in Arbeitsauflage

Angeklagter hat kein Geld, aber viel Zeit

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Mediengruppe Kreiszeitung

Espelkamp/Rahden - Weil sein Schreiben nicht beim Gericht angekommen ist, musste ein Angeklagter erneut vor den Richter treten. In dem Brief will der 48-Jährige erklärt haben, dass er die Geldstrafe für einen Diebstahl akzeptiere, aufgrund seiner finanziellen Situation aber nicht leisten könne. Jetzt hat Richter Hagenkötter in Rahden die Geldstrafe in eine Arbeitsauflage umgewandelt.

Die Anklage bezog sich auf einen Diebstahl in einer Novembernacht vergangenen Jahres. Der freiberufliche Arbeiter im Baugewerbe soll mit einem Schlüssel seines damaligen Auftraggebers in einen Werkzeugcontainer am Espelkamper Bahnhof eingedrungen sein und dort eine Motorflex im Wert von 550 Euro entwendet haben. Diese habe er im weiteren Verlauf für 120 Euro verkauft, wirft im die Staatsanwaltschaft vor.

„Man hat mir die Flex angeboten und ich habe sie verkauft“, erklärte der 48-Jährige seine Sicht der Dinge. Als er schriftlich wegen Diebstahls angezeigt worden war, habe er sich damit abgefunden, erinnerte sich der Angeklagte.

Er habe allerdings ein Abkommen mit dem Finanzamt getroffen, dass sein privates und auch gewerbliches Konto gepfändet werden, da seine Auftragslage derzeit schwierig sei. Unterstützung bekomme er von seiner Frau. Allerdings wäge er die Option eine Insolvenz ab. „Es ist ein Teufelskreis. Ich möchte ja arbeiten“, erklärte der Mann.

„Wenn Sie keine Arbeit haben, haben Sie doch Zeit“, schlussfolgerte Richter Hagenkötter. Der Staatsanwalt erklärte zudem, dass die Möglichkeit bestehe, die Strafe umzuwandeln, damit der Angeklagte die Auflagen erfüllen kann. Die Stellen für die Arbeitsauflagen weise die Gerichtshilfe zu, antwortete der Staatsanwalt auf die Frage des Angeklagten, wie er sich die Ausgestaltung der Strafe vorzustellen habe.

„Wir müssen die Auflagen jetzt festlegen“, pochte der Staatsanwalt auf eine Entscheidung. „Wenn Sie dann wieder arbeiten, müssen Sie sich melden und dann können wir die Sache nochmal ändern“, so der Jurist. Außerdem sei es für den Freiberufler wichtig, die Strafe schnell anzutreten, damit er keine Eintragung im Strafregister bekommt und damit seine berufliche Zukunft sichere.

Mit dem Plädoyer zeigte sich der Richter einverstanden. So soll der Angeklagte 50 Stunden Arbeit in zwei Monaten ableisten. In dieser Zeit wird das Verfahren gegen ihn eingestellt, anschließend fallen die Kosten des Verfahrens zu lasten der Staatskasse.

abo

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