Rede mit großer Wirkung

Syrischer Flüchtling Basel Mansour beginnt am Montag ein Studium in Sozialer Arbeit

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Damit das Studium an der Katholischen Hochschule Aachen in der kommenden Woche beginnen kann, sind viele Anträge und Dokumente nötig: Anja Rieke-Barsch und Bernd Rieke (r.) helfen Basel Mansour, die bürokratischen Hürden zu nehmen. 

Rahden - Sechs Behörden sind an dem Prozess beteiligt, der Basel Mansour ein Studium an der Katholischen Hochschule (KatHo) in Aachen ermöglicht. Der Flüchtling muss gerade viele Formulare ausfüllen und seine Qualifikationen nachweisen, denn die Hochschule hat ihm ein Stipendium im n Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit angeboten. Bei den Gesprächen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, den Ausländerbehörden und Sozialämtern sowie der Bezirksregierung Arnsberg hilft Basel Mansour das Ehepaar Bernd Rieke und Anja Rieke-Barsch.

Die beiden Rahdener, die sich mit dem Verein „Rahden hilft“ auf vielfältige Weise für die Flüchtlinge vor Ort einsetzen, freuen sich über den Erfolg Mansours. Vor allem die Geschichte hinter dem Stipendium zeige, dass die Hilfe hohe Wellen schlägt. Ende Juli hatten die Flüchtlinge aus dem Rahdener Maschweg Nachbarn und Interessierte zu einem Kennenlernen eingeladen. Bei dem Treffen hielt Basel Mansour eine Rede auf Deutsch, die er im Vorfeld zusammen mit Bernd Rieke entworfen hatte.

„Natürlich haben wir das gefilmt und dann im sozialen Netzwerk gepostet“, erinnert sich Rieke. Die Sozialarbeiterin Edith Platau aus Eschweiler, wo der syrische Flüchtling zwei Monate lang zu Beginn seines Deutschlandaufenthalts lebte, sah den Beitrag und zeigte ihn auch den Verantwortlichen der Hochschule in Aachen.

Dort war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass zum Wintersemester zehn Personen mit Fluchtgeschichte im Studiengang Soziale Arbeit beginnen sollen. Inzwischen steht fest, dass die zehn Männer aus sechs verschiedenen Ländern kommen und zwischen 22 und 45 Jahren alt sind. Die Hochschule wolle damit ein Zeichen setzen, sind sich Riekes sicher. Denn obwohl es sonst bei Flüchtlingen Vorschrift ist, für ein Studium mindestens einen C1-Sprachnachweis zu haben, darf Basel Mansour an die Hochschule – obwohl er auch nach einem Jahr in Deutschland noch keinen Deutschkursus besuchen durfte. Für die Flüchtlinge wurde in Aachen daher ein besonderes Begleitprogramm entwickelt, bei dem der Fokus auf der Sprache liegt.

Mansours Rede bewegte unter anderem auch die Dekanin der Katholischen Hochschule Aachen, Professorin Dr. Ute Antonia Lammel, und so überbrachte Edith Platau nur wenige Tage später persönlich den Bescheid. Damit ging die Arbeit aber erst richtig los, weil Zeugnisse und weitere Unterlagen nötig waren, damit Basel Mansour schon am kommenden Montag mit seinem Studium beginnen kann.

„Das größte Problem ist die Zuweisung“, sagt Bernd Rieke. Eigentlich dürfen Flüchtlinge sich nur an dem Ort aufhalten, dem sie zugeordnet worden sind – im Fall des jungen Syrers also Rahden. Daher hat Bernd Rieke einen Umverteilungsantrag bei der Bezirksregierung in Arnsberg gestellt. Während das Sozialamt in Eschweiler bereits bestätigt hat, dass Mansour dort leben kann, und die Aufenthaltsbestätigung auch schon eingegangen ist, fehlt die Zuweisungsentscheidung der Ausländerbehörde aus Minden. „Bislang habe ich das Dokument nur per Mail. Aber es wird erst rechtskräftig, wenn es als Einschreiben kommt“, so Rieke, der hofft, dass die Post bis Freitag eintrifft.

Alle anderen Ansprechpartner haben sich laut Anja Rieke-Barsch „sehr unbürokratisch“ gezeigt und alles sei schnell genehmigt worden. Das Stipendium umfasst die Kosten für den Studiengang und die entsprechenden Lehrmittel, das Bafög-Amt finanziert die Unterbringung.

Mansour hatte nach seinem Abitur in Kamishli im Nord-Osten Syriens, bereits ein Studium begonnen – zwei Semester lang studierte der junge Mann Englisch auf Lehramt an der Tishreen-Universität, bevor seine Flucht der beginnenden Karriere ein jähes Ende setzte. Im Zuge der Kriegswirren machte sich Mansour er mit einem seiner Brüder nach Deutschland auf. Während Basel Mansour in Rahden unterkam, lebt sein Bruder in Lemförde. Weitere Geschwister und die Eltern sind in Syrien geblieben.

Der 24-Jährige freut sich über sein Studium, in dem er in Ethik, Recht und Psychologie unterrichtet wird. In der ersten Woche stehen drei Termine an, weiß Basel Mansour. Nach den sechs Semestern will er als Sozialarbeiter arbeiten und anderen bei Problemen helfen, so der Flüchtling. „Das Studium ist die beste Voraussetzung für eine Zukunft“, findet Bernd Rieke: „Nach dem Krieg werden Aufbauhelfer benötigt. Und wer wäre dort besser geeignet als Basel?“, fragt der Rahdener Flüchtlingshelfer.

 abo

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