Realschüler absolvieren „Elternpraktikum“ / Förderverein unterstützt Aktion

Pflegeleicht oder Schreikind: Das ist Glückssache

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Erwachsen auf Probe: Laura (14, v.l.), Raphael (14), Sidney (12) und Alica (13) haben sich gern um die Babysimulatoren gekümmert. Im wirklichen Leben wollen sie sich mit der Familienplanung aber noch viel Zeit lassen.

Rahden - Erst fängt Timmy an zu weinen und kurze Zeit später Damian. Laura und Alica identifizieren sich als die Eltern der beiden, nehmen die Kleinen auf den Arm und versuchen, sie zu beruhigen. Laura und Alica sind nicht wirklich Mütter und Timmy und Damian keine Neugeborenen, sondern Babysimulatoren. 15 Mädchen und zwei Jungen der Freiherr-vom-Stein-Realschule Rahden haben sich jetzt als Eltern auf Probe versucht.

Das „Elternpraktikum“, auch „Babybedenkzeit“ genannt, ist ein Angebot der „Frühen Hilfen“ des Kreisjugendamtes Minden-Lübbecke. Die Siebt- bis Zehntklässler durften „ihr Baby“ nach Unterrichtsschluss mit nach Hause nehmen und waren bis zum Schulbeginn am nächsten Morgen für dessen Wohlergehen zuständig.

„Immer, wenn man selber Essen wollte oder gerade unter der Dusche stand, hat es sich gemeldet“, berichtet Emma (8b). Auch ihre Mitschüler stellen fest, dass nicht viel Zeit für andere Dinge blieb und die Nächte manchmal ganz schön kurz waren. „Es war anstrengend, aber eine gute Erfahrung. Ich würde jetzt noch kein Kind wollen“, sagt Loreen (9d).

„Uns ist die Verantwortung bewusst geworden“, erklärt Raphael (9a). „Man sollte aufpassen, wann man ein Baby bekommt.“ Kinder ja, aber später – das war dann auch der einhellige Tenor unter den Jugendlichen. „Ziel des Elternpraktikums ist es, Erfahrungen im Umgang mit einem Säugling zu sammeln und zu erkennen, welche Aufgaben und Verantwortung damit verbunden ist“, erläutert Kindheitspädagogin Julia Korfsmeier vom Kreis Minden-Lübbecke.

Für das Projekt an ihrer Schule stark gemacht hatte sich Jenny Engelking aus der 10c. „Ich habe einen Bericht darüber im Fernsehen gesehen und fand das interessant.“ Darum hat sie unter ihren Mitschülern für das Vorhaben geworben sowie Lehrer, Schulleitung und Förderverein überzeugt.

„Die Simulatoren lassen sich einstellen von pflegeleicht bis zu Schreikindern“, erklärt Julie Meyer. „Wie ihre Puppe eingestellt ist, wussten die Jugendlichen nicht. Das kann man sich im wirklichen Leben ja auch nicht aussuchen“, unterstreicht die Diplom-Sozialarbeiterin vom Kreis Minden-Lübbecke. Am letzten Tag wurden die Daten der Babysimulatoren ausgelesen, so dass die Mädchen und Jungen eine Rückmeldung über ihren Umgang mit „ihrem Kind“ erhalten haben.

Die Verantwortung einfach abzugeben, war nicht drin. Dafür sorgte ein für die Probezeit unauflöslich am Handgelenk befestigter Chip, über den sich die Mädchen und Jungen als Eltern identifizieren mussten. „Etliche Schüler waren froh, ihre eigenen Eltern im Rücken zu haben. Sie hätten sich aber auch über einen Notfallknopf weitere Hilfe holen können“, erläutert Julie Meyer. Auch darum ging es bei der „Babybedenkzeit“, zu erfahren, wie bedeutsam ein funktionierendes Netzwerk für Eltern ist.

Deshalb haben die Jugendlichen während der zwei Wochen ebenfalls Einrichtungen und Institutionen besucht, die Schwangere, Eltern und Kinder beraten, begleiten und unterstützen. „Das war nur möglich, weil der Förderverein der Schule die Fahrten finanziert hat“, bedankt sich die kommissarische Schulleiterin Gisela Bednar bei der Vereinsvorsitzenden Bianca Winkelmann.

Die Schüler hätten ihre Aufgaben toll gemeistert, sind Meyer und Korfsmeier sowie Schulsozialarbeiterin Verena Voß-Hinke begeistert. Dem Lob schließen sich auch Gisela Bednar und Sara Ireland von der Freiherr-vom-Stein-Realschule an. „Auch die Jungs sind toll und natürlich mit dem Thema umgegangen. Ihr seid super Vorbilder gewesen“, unterstreichen die Lehrerinnen.

SoR

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