Ratsmitglieder fühlen sich unter Druck gesetzt

„Schauveranstaltung“ zum Ärztezentrum

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Das Lange-Gebäude an der Ecke Feldstraße/Hohe Mühle in Rahden soll abgerissen werden. Dort ist ein Ärztezentrum geplant.

Rahden - Über die laut Bürgermeister Bernd Hachmann wohl „wichtigste Zukunftsfrage“, diskutierten gestern die Mitglieder des Rahdener Rates. Denn „wo Streit nötig ist, muss er zum Wohl der Sache ausgetragen werden“, fand Friedrich Schepsmeyer (SPD). Auch Vertreter anderer Fraktionen sahen sich mit dem Vorschlag für ein Ärztehaus überrumpelt und „unter Druck gesetzt“ (Hans-Eckhard Meyer, FDP). Sie forderten mehr Zeit und übten harsche Kritik. Als „Schauveranstaltung“ bezeichnete Torsten Kuhlmann (SPD) die Sitzung. Er wollte wissen, ob Hachmann und Bauamtsleiter Dieter Drunagel, die die Pläne entwickelt haben, noch Wert auf die Meinung des Rates legen würden. „Oder ist schon alles entschieden?“, fragte Kuhlmann.

Das Ärztezentrum bedeutet laut Hachmann „eine Stärkung in vielerlei Hinsicht“. „Wenn wir nichts machen, verlieren wir Arztsitze und damit die älteren Bürger.“ Aktuell könne man über die medizinische Versorgung nicht klagen, so Bauamtsleiter Drunagel. „Wir müssen aber handeln und bereit sein, neue Wege zu gehen“, schwor Hachmann die Ratsmitglieder ein. Denn spätestens in fünf Jahren werde die Situation schon anders aussehen. In einem Ärztehaus sieht Hachmann „die einzige Chance für eine Kleinstadt wie Rahden, sich im Wettbewerb mit größeren Städten zu behaupten“.

Sechs Ärzte stehen dafür fest. Es handelt sich in erster Linie um Ärzte aus dem Stadtgebiet. Zudem werde Kerstin Blaue als Apothekerin mit in den Gebäudekomplex einziehen.

Die Praxen der Mediziner, die in das Projekt einsteigen, sollen nicht leer stehen, erklärte Hachmann. Die Stadt wolle mit einem Zuschuss gegensteuern. „Nur so können wir junge Ärzte als Nachfolger für die in das Gesundheitszentrum einziehenden Praxen gewinnen“, sagte Hachmann. Über die Höhe des Zuschusses ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen, denn man könne den Sachverhalt nicht rechtfertigen, dass ein Arzt, der sich im Ärztehaus ansiedeln wolle, einen Zuschuss bekäme, ein Kollege in einer Rahdener Ortschaft jedoch nicht, verdeutlichte Schepsmeyer.

Der Pr. Ströher Arzt Jens Gottfriedsen will eine junge Kollegin mit ins Boot holen und eine Gemeinschaftspraxis eröffnen. Sein Konzept stellte er gestern vor. „Wir wollen die Bevölkerung nicht ärztelos zurücklassen“, machte der Mediziner deutlich, dass seine Praxis in Pr. Ströhen „an etwa zwei Tagen in der Woche weitergeführt wird“.

Das Gebäude an der Ecke Feldstraße/Hohe Mühle wird die Stadt von den Mühlenkreiskliniken kaufen und den Investoren, zwei Ärzten der Einrichtung, als Erbpacht zur Verfügung stellen. Das beschlossen die Ratsmitglieder gestern. Ein endgültiges Konzept gibt es aber noch nicht. Bericht folgt.

abo

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