Präventionsprojekt „Mein Körper gehört mir“ klärt Grundschüler über Missbrauch auf

Körper kennt Ja- und Nein-Gefühle

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Wenn Kaira Strecker ihren Bruder Dan bürstet, löst das bei ihm ein Ja-Gefühl aus.

Rahden - Nein zu sagen ist nicht leicht. Besonders in schwierigen Situationen – in diesem Fall bei sexuellem Missbrauch – kann aber ein deutliches Nein Schlimmeres verhindern. Das lernen die Schüler der dritten und vierten Klassen der Rahdener Grundschule durch drei Theateraufführungen. Zwei Mitarbeiter der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück werden den Kindern erklären, dass sie nicht nur Besitzansprüche auf Materialien, sondern auch auf ihren Körper haben.

„Keiner kennt seinen Körper so gut, wie du selbst“, erklärt Dan Strecker. Gemeinsam mit seiner Schwester Kaira Strecker engagiert er sich für das Präventionsprojekt, das rund 100 Spielpaare seit 20 Jahren in Deutschland und der Schweiz aufführen. Die Idee zum Stück „Mein Körper gehört mir“ stammt von der US-Amerikanerin Florence Rush. Die Sozialarbeiterin setzte sich intensiv mit sexuellem Missbrauch an Kindern auseinander und entwickelte das interaktive Theaterstück, das nun am 21. und 28. Mai sowie am 2. Juni in der Grundschule aufgeführt wird. Finanziell unterstützt wird das Präventionsprojekt gegen sexuellen Missbrauch von der Stiftung „Standort: hier“ der Stadtsparkasse.

„Wir wollen Krusten aufbrechen“, sagt Kaira Strecker – noch immer gelte Missbrauch als Tabu. Dabei geht es nicht um reine Theorie – die Kinder kommen mit den Schauspielern ins Gespräch, singen und erkennen anhand von Rollenspielen, was sexueller Missbrauch bedeutet.

Dabei lernen die Grundschüler, dass Berührungen entweder ein Ja- oder ein Nein-Gefühl auslösen. Eben diese sollten zum Ausdruck gebracht werden, um Mitmenschen zu signalisieren, wie Situationen empfunden werden. „Denn die Körpersprache soll mit Worten unterstützt werden“, so Kaira Strecker. Die Geschwister werden sich viel Zeit für die Dritt- und Viertklässler nehmen – mit ihnen über Ängste und Erfahrungen sprechen. In Rollenspielen können die Grundschüler sich selbst wiederfinden, denn die Situationen sind ihrem Alltag entsprechend aufbereitet. So wird in einer Szene Kaira Strecker als Schulmädchen von Dan als einem unbekannten Autofahrer angesprochen und sexuell belästigt. „Dann müsst ihr mit jemandem sprechen, dem ihr vertraut“, raten Kaira und Dan. In einer anderen Szene widmen sich die Schauspieler dem Thema Belästigung im Internet.

Die Lehrer haben die Aufgabe, weiter am Thema zu arbeiten. Denn den Kindern soll klar werden, dass sie sich nicht schuldig fühlen brauchen.

abo

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