Polizei und Straßenverkehrsamt klären Senioren über Reflektoren und Co. auf

Sicher durch die Dunkelheit

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Erika Weidel (Mitte) freute sich, dass Julia Gerkens ihren Rollator für die dunkle Jahreszeit fit macht. Zahlreiche Senioren informierten sich bei den Verkehrssicherheitsberatern zum Thema „Sichtbarkeit bringt Sicherheit“.

Rahden - Blinkende Bänder und Reflektoren lockten Besucher des Rahdener Wochenmarktes zu dem geparkten Polizeiwagen. Dort erklärte Polizist und Verkehrssicherheitsberater Klaus Torno mit Kollegen und Mitarbeiterinnen des Straßenverkehrsamtes Minden auf Einladung des Sozialverbands: „Sichtbarkeit bringt Sicherheit.“

Hintergrund der gleichnamigen Kampagne war eine Unfallserie im Jahr 2013. „In vier Wochen gab es sieben Unfälle mit sechs Toten und einem Schwerverletzten – leider alles ältere Personen“, erklärte Michaela Kirchner vom Straßenverkehrsamt. Daher richteten sich die Experten speziell an Senioren und zeigten, wie sie sich und ihre Hilfsgeräte wie Rollatoren und Einkaufstrolleys für die dunkle Jahreszeit rüsten sollten. „Es gibt keine gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie die Geräte ausgestattet sein müssen“, kritisierte Torno. Er habe sich bei den Rollatoren-Herstellern informiert und erfahren, dass Krankenkassen die teureren Reflektoren nicht zahlen. Daher seien Rollatoren standardmäßig dunkel gehalten, so der Beamte.

Torno erinnerte sich an einen Unfall, bei dem der Einkaufstrolley einer Dame erfasst wurde, weil er noch nicht – wie die Seniorin – auf dem Gehweg war. Die Rentnerin habe schwerste Kopfverletzungen erlitten. „Ältere erholen sich von Unfällen nicht so schnell und verlieren an Lebensqualität, weil sie sich nicht mehr richtig bewegen können und Angst bekommen“, unterstrich der Beamte einen Grund, Senioren über Unfallgefahren aufzuklären.

„Das A und O ist die Kleidung“, so Kirchner. Denn mit dunkler Kleidung würden Fußgänger von Autofahrern erst auf 25 Meter Entfernung gesehen – selbst bei einer Vollbremsung unter Idealbedingungen sei ein Zusammenstoß kaum vermeidbar, ergänzte Torno. Helle Kleidung sei zwar ein erster richtiger Schritt, aber erst mit Warnwesten und Reflektoren könnten Autofahrer andere Verkehrsteilnehmer aus rund 140 Meter erkennen. Da würden auch schon Kleinigkeiten reichen. „Es ist wichtig, das reflektierende Material an beweglichen Körperteilen anzubringen“, erklärte Kirchner. Dadurch zeichne sich die Silhouette besser ab. „Zudem sollte man bedenken, dass das Auge alle 13 Jahre die doppelte Lichtmenge benötigt, um gleich viel zu sehen, wie ein 20-Jähriger“, betonte Torno.

Powerflares seien ein weiteres Gadget, das in der dunklen Jahreszeit für alle Altersgruppen sinnvoll ist. Die blinkenden LED benötigen keine externe Lichtquelle, funktionieren mit Akku und machen von Weitem auf Verkehrsteilnehmer und Hindernisse aufmerksam, erklärten die Sicherheitsberater von Polizei und Straßenverkehrsamt. „Die haben wir an die Kindergärten verteilt, weil jetzt die Laternenumzüge losgehen“, berichtete Michaela Kirchner.

Der Sozialverband hatte sich dazu entschieden, die Verkehrssicherheitsberater nach Rahden zu holen, da sie aus eigener Erfahrung wüssten, wie gefährlich der Straßenverkehr gerade im Herbst sei, erklärte Hans Waltemate als Vorsitzender des Rahdener Sozialverbands. Er selbst trug mehrere Reflektoren an der Jacke. „Jetzt muss ich nur noch im Kopf klar bekommen, dass ich die immer dran mache, wenn ich rausgehe“, meinte Waltemate.

Für die Bewohner der Rahdener Außenortschaften hatte Michaela Kirchner noch einen Tipp: „Gehen Sie der Gefahr entgegen, wenn es keinen Geh- oder Radweg gibt.“ Auf der linken Fahrbahnseite zu laufen, könnte lebensgefährliche Situationen reduzieren.

Heute wird es in der Seniorenresidenz Schloss Rahden eine Infoveranstaltung zum Thema „Sichtbarkeit bringt Sicherheit“ geben. „Nur so können wir möglichst viele Personen unserer Zielgruppe erreichen“, betonte Klaus Torno.

abo

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