Ortshistoriker präsentiert Dielinger Kirchenglocken / Tag des offenen Denkmals

„Die Stimme Gottes“

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Wilfried Thünemann (links) führte die Besucher auf den Glockenturm und erklärte die Besonderheiten der drei Dielinger Glocken.

Dielingen - „Etwas an die große Glocke hängen“, „Eine Veranstaltung einläuten“, „Eine glockenreine Stimme haben“, „Süßer die Glocken nie klingen“. Sprichwörter, Redewendungen und Liedtexte wie diese lassen es bereits erahnen: Kirchenglocken haben eine besondere Mitteilungsfunktion. Was genau es damit auf sich hat, erklärte Ortshistoriker Wilfried Thünemann am Sonntag im Rahmen des bundesweit veranstalteten „Tag des offenen Denkmals“, an dem sich auch die Dielinger St. Marien-Kirche beteiligte. Sowohl die Kirche selbst als auch ihre drei Glocken stehen unter Denkmalschutz.

In der Geschichte werden Kirchenglocken als „die Stimme Gottes“ bezeichnet. Dies belegte Thünemann mit Zitaten im Rahmen eines Vortrags, den er vor einer kleinen, aber dafür sehr interessierten Zuhörerschaft hielt. Anschließend ging es zur Besichtigung in den Glockenturm.

Einem Christen läuten die Glocken im Laufe des Lebens drei Mal: zur Taufe, zur Eheschließung und am Grab. Und auch im Alltag dienen sie als Struktur. Sie rufen zu Gebet und Gottesdienst, klagen und mahnen, feiern Siege und freudige Anlässe, verkünden frohe Botschaften wie seinerzeit das Ende des Zweiten Weltkriegs und geben nicht zuletzt bei Tag und Nacht die Uhrzeit an.

Früher dienten die Kirchenglocken zudem als Feueralarm (mittlere Glocke) und als Signal dafür, wenn Vieh „verschütt gegangen war“ (kleine Glocke/ „Schüttglocke“). Auch wird ihrem Dreiklang die Macht zugesprochen, dämonische Kräfte abwehren zu können. Besonders: Jede Glocke hat ihren individuellen Klang. Quinten, Terzen, Oktaven – wenn auch ähnlich, so schwingt doch keine wie die andere. „Künstlerisch und wissenschaftlich haben Kirchenglocken ebenfalls einen großen Wert“, erklärte der Ortshistoriker weiter. Als die lutherische Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert auch die Region erreichte und das christliche Leben vertiefte, seien sie das vermutlich älteste Musikinstrument gewesen.

Die Kirchenglocken der Dielinger St. Marien-Kirche stammen aus dem 16. Jahrhundert. Um genau zu sein: Die große Glocke mit Grundton „Dis“ Anno Domini 1502, die mittlere Glocke („Fis“) Anno Domini 1586, die kleine Bronzeglocke („Gis“) trägt die Inschrift „Ave Maria, Anno Domini 1503“. Die Bezeichnung „klein“ ist hier freilich relativ zu sehen – allein diese „kleine“ Glocke wiegt rund eine Tonne.

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs fielen die große und mittlere Glocke der Rüstungsindustrie zum Opfer. Generalfeldmarschall Göring ordnete an, dass alle Kirchenglocken aus Bronze abzuliefern und einzuschmelzen seien. Eine Zeitzeugin erinnerte sich am Sonntag daran, wie sie im Jahr 1942 mit ihrer Konfirmandenklasse vor den abmontierten, vor der Kirche auf dem Boden liegenden Glocken stand und diese betrauerte.

Erst 1950 wurden dann zwei neue Stahlglocken in Auftrag gegeben. Diese wurden kürzlich unter tatkräftiger Mithilfe der Katechumenen und Konfirmanden mit Stahlbürsten von Rost befreit und von der Firma Korfhage saniert und erklingen bis heute zusammen mit der kleinen Bronzeglocke nach einer festen Läuteordnung. „Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn alle drei Glocken gemeinsam durch den Turm schwingen“, beschrieb Thünemann während der Besichtigung des Glockenturms sichtlich berührt und ergriffen. „Gewaltig. Majestätisch.“

Ursula Schmidt vom Bevollmächtigtenausschuss hatte vorab eine kurze Begrüßungsrede gehalten und auf die anderen Schätze und Kleinode hingewiesen, die im Rahmen des Tages des offenen Denkmals in der St. Marien-Kirche ausgestellt wurden. Hierzu zählten die im Schloss Seefeld in Bayern aufwändig restaurierten Wappentafeln der Familie Von Steinaecker. Bei der gründlichen Aufarbeitung seiner Familiengeschichte war der in Oberbayern lebende Gert H. Freiherr von Steinaecker, Nachfahr Otto Johanns, des ersten seiner Familie in Haldem, auf die Wappen gestoßen, die allerdings im Laufe der Jahrhunderte mit falschen Farben übermalt worden waren. Da die Kirchengemeinde die für die Wiederherstellung der originalen Farbgebung erforderlichen 2000 Euro nicht aufbringen konnte, ließ Von Steinaecker die Holzwappen auf eigene Kosten restaurieren.

mama

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