Museumseisenbahn Rahden-Uchte feiert 25-jähriges Jubiläum mit Sonderfahrten

„Ohne die Eisenbahn wäre Rahden heute noch ein Dorf“

Die geladenen Gäste hatten am Sonnabend gleich doppelten Grund zur Freude: Bei der Sonderfahrt des Uerdingers anlässlich des Jubiläums begleitete sie strahlender Sonnenschein. - Foto: Bokelmann

Rahden - Von Anika Bokelmann. Als Günter Kuhlmann und Friedhelm Westerfeld Ende der 80er-Jahre die Idee hatten, eine Museumseisenbahn auf die Schienen zu setzen, standen viele diesem Vorhaben skeptisch gegenüber. Doch aus der Idee wurde eine Erfolgsgeschichte und die Strecke, die 1968 für den Personenverkehr und 1995 auch für den Güterverkehr lahmgelegt wurde, wird nach wie vor genutzt. Am Wochenende feierte die Museumseisenbahn Rahden-Uchte 25-jähriges Jubiläum.

Den 15. April 1991 bezeichnete Landrat Dr. Ralf Niermann in seiner Ansprache als „magisches Datum“. Damals ging der erste Zug mit 100 Ehrengästen auf Jungfernfahrt. Ein Vierteljahrhundert später waren es etwa 50 Geladene, die den Ausflug am Lavelsloher Bahnhof und später in Bohnhorst sowie bei einer Kaffeetafel in Uchte genossen. Bevor die Vertreter aus Politik und Wirtschaft die historischen Wagen bestiegen, erinnerten sich Landrat Niermann, Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel und der Museumseisenbahn-Vorsitzende Berndt von Mitzlaff an die Anfänge des Freundeskreises.

„Unsere Mitglieder haben viel Zeit und Wissen eingebracht und die Museumseisenbahn zu dem aufgebaut, was sie heute ist“, bedankte sich von Mitzlaff bei den Aktiven und Ehemaligen. Der engagierte Museumseisenbahner ist seit sechs Jahren an der Spitze des Vereins. Wilfried Wagenfeld als zweiter Vorsitzendes der Museumseisenbahn, die sich 1993 vom Mindener Verein abgespalten hat, nutzte den Empfang, um das Wirken von Berndt von Mitzlaff in den Vordergrund zu stellen. Denn, so Wagenfeld, der Vorsitzende wirke mit seiner ruhigen Art überall mit. „Ohne deine unermüdliche Arbeit wären wir heute nicht hier“, brachte Wagenfeld es auf den Punkt. Von Mitzlaff nehme sich Zeit, um Besuchern Technik und Geschichte der alten Maschinen zu erklären.

Als „herausragende Leistung“ hob Landrat Niermann die ehrenamtlichen Stunden der Vereinsmitglieder hervor. „In 25 Jahren haben sie fast 75 000 Stunden in die Museumseisenbahn gesteckt“, führte er den Gästen vor Augen. Aber nicht nur der Einsatz sei die Grundlage des Erfolgs, machte von Mitzlaff deutlich. Der Vorsitzende erinnerte an die Übernahme des Geländes durch die Firma Meier 1988. Als Unterstützer nannte von Mitzlaff die Firma Gauselmann, die sich finanziell für den Erhalt der Wagen einbringe, das Espelkamper Unternehmen Harting, das in die Streck investiere, sowie die Volksbank Lübbecker Land und Sparkasse Minden-Lübbecke.

Bürgermeister Dr. Honsel berichtete, dass die Stadt Rahden und die Samtgemeinde Uchte seit Dezember 1999 über 30 Jahre Pächter der Bahnstrecke seien. Als gesetzliches Personenverkehrsunternehmen agiert die Rhein-Sieg-Bahn aus Bonn, vertreten durch örtliche Betriebsleiter.

Seit 25 Jahren rund 140.000 Gäste gefahren

Während am Sonnabend Ehrengäste einen Sonderfahrt mit dem Uerdinger unternahmen, stand die Strecke zwischen Rahden und Uchte am Sonntag der Öffentlichkeit zur Verfügung. In gemütlichem Tempo ging es vom Rahdener Bahnhof über die Landesgrenze. Seit der ersten Fahrt vor 25 Jahren sind rund 140.000 Fahrgäste dort gefahren – „das ist fast der halbe Mühlenkreis“, verglich Landrat Niermann und machte auf den touristischen Wert aufmerksam. Die Zugfahrten seien über die Kreis- sowie Landesgrenzen hinaus ein Besuchermagnet.

Für Rahden sei die Bahn auf touristischer und ökonomischer Sicht ein wichtiger Faktor, schloss sich Bürgermeister Honsel an. „Ohne die Eisenbahn wäre Rahden noch heute ein Dorf“, war sich der Verwaltungschef sicher und ließ Zahlen sprechen: „Zu Hochzeiten waren für die Eisenbahn in Rahden 400 Leute beschäftigt und es fuhren 35 Personen- und zwölf Güterwagen täglich.“ Die Struktur, die noch aus florierender Zeit der Bahngeschichte stamme, „bleibt durch die Museumseisenbahn erhalten“, so Honsel. „Und wer weiß, vielleicht wird sie irgendwann wieder in ihrer ursprünglichen Form gebraucht“, orakelte der Bürgermeister, der der Vereinsarbeit als „Salz in der Suppe der Eisenbahnszene“ seinen Respekt aussprach.

„Die Museumseisenbahn ist wichtiger Leistungsträger unserer Region“, sagte Niermann. Denn nur durch die regelmäßigen Fahrten sei es möglich, die sonst stillgelegte Bahnstrecke und letztlich die Infrastruktur zu erhalten. „Damit dies auch weiterhin der Fall ist und wir in 25 Jahren des goldene Jubiläum feiern können“, so der Wunsch des Mühlenkreis-Landrats, seien neue Aktive nötig, die sich um die Museumseisenbahn bemühen. „Leider sind von den 120 Mitglieder nur noch zwölf wirklich aktiv“, bedauerte Dr. Bert Honsel. Daher planen die Museumseisenbahner einen Schnuppertag: Am 16. Juli sollen Jugendliche im Rahmen der Ferienspiele die Möglichkeit bekommen, einen Blick in die Lok zu werfen, und als Nachwuchs angeheuert werden.

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