Novemberklänge in Pr. Oldendorf

Gedenken an die Pogromnacht

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Im Rahmen der Novemberklänge in Pr. Oldendorf gedachten zahlreiche Akteure der Pogromnacht von 1938.

Pr. Oldendorf - Die sechsten Novemberklänge in Pr. Oldendorf, initiiert von Musikschulleiterin Johanna Hespe, hatten einen größeren Kreis an Akteuren als noch in den Vorjahren. Neben der Musikschule Pr. Oldendorf waren der Heimatverein „Singgemeinde Lashorst“ (Leitung Anke Mewis), der Geschichtskreis (Rita Tscherpel) sowie die Städtische Realschule Pr. Oldendorf, die Kirchengemeinde Bad Holzhausen durch Pastorin Hilke Vollert, Ortsheimatpfleger Dieter Besserer und die Stadtbücherei Espelkamp (Claudia Kleine-Niermann) mit einem Büchertisch vertreten.

Bürgermeister Marko Steiner betonte in seinem Grußwort, wie wichtig der 9. November als Gedenktag an die Schrecken des Holocaust sei. Siebzig Jahre lang Frieden in Deutschland sei ein großes Geschenk und verpflichte daher umso mehr, Flüchtlingen aus Kriegsgebieten zu helfen. Er verurteilte rechtsradikale Strömungen und rief jeden einzelnen dazu auf, etwas beizusteuern, „dass Ausgrenzung keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft“ hat.

Genau darum ging es auch Harald Scherenberg aus Petershagen, der erstmalig als Sprecher der Jüdischen Gemeinden im Kreis Minden-Lübbecke bei der Veranstaltung zu Gast war. Über Entstehung und Verlauf des Holocaust, insbesondere über die Reichskristallnacht, in der neben Synagogen auch jüdische Geschäfte und Häuser zerstört wurden, lieferte er zahlreiche Daten in seiner Rede zum Gedenken an die Pogromnacht 1938. Beim Verlesen der Namen von Juden aus Pr. Oldendorf, die in Konzentrationslagern umkamen, stiegen dem gestandenen Mann die Tränen in die Augen. Einer Meinung mit dem Bürgermeister, rief er zum Kampf gegen Rechtsextremismus auf und zeigte sich trotz der rechtsextremen Straftaten in letzter Zeit hoffnungsvoll: „Wir leben in einer starken Demokratie.“ Trotzdem rief er zur Wachsamkeit auf, damit wir auch in Zukunft in einer liberalen Gesellschaft leben könnten.

Musikalische Leitmotive der Novemberklänge waren die israelische Nationalhymne Hatikvah und die melancholisch-getragene Filmmusik aus Steven Spielbergs „Schindlers Liste“, beides vorgetragen von Christina, Jannis und Tabea Roloff an der Querflöte. Eine weitere herausragende musikalische Darbietung war ein Gesangsduett von Miriam und Jonathan Hagen mit Instrumentalbegleitung der Komponisten Jack Yellen und Lew Pollack, das in seiner Innigkeit sehr zu Herzen ging. Der gemischte Chor aus Lashorst trug den ruhigen, getragenen Kanon „Novembermorgen“ (Eduard Mörike und Heiz Lau) vor sowie das gesungene Gebet „Ich glaube an den Vater“. Erschütternde Textbeiträge von Anita Lasker-Wallfisch als eine der letzten Überlebenden von Auschwitz brachten die Schülerinnen Margo Kuhlmann und Lena Helmich. Rita Tscherpel berichtete vom letzten historisch-kulturellen Stadtspaziergang. Unerlässlich nach all den Schreckensbotschaften war die Bitte um Segen und das Gebet von Pastorin Vollert, die den Nachmittag beendeten.

IL

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