Facebook-Gruppe „Rahden hilft“ gegründet

Nicht reden, machen

Rahden - Nach der Prügellei zwischen einigen Deutschen und Asylbewerbern während des Rahdener Schützenfests am vergangenen Wochenende, bei der auch Alkohol im Spiel war (wir berichteten), schlugen die Wogen in den sozialen Netzwerken hoch. Lebhaft wurde darüber diskutiert, wer den Streit aus welchen Gründen angefangen hat. Verschiedene Versionen und Gerüchte machten die Runde, und natürlich wurden auch jede Menge Vorurteile gepflegt. Der Rahdener Bernd Rieke und seine Frau Anja waren während der Auseinandersetzungen auf dem Fest und ziehen ihre ganz eigene Konsequenz aus den Ereignissen. Sie reden nicht, sie möchten helfen. Und sie hoffen, dass möglichst viele Rahdener ihrem Beispiel folgen. Denn es sei Aufgabe der gesamten Bevölkerung und nicht nur der Politik, sich um Probleme zu kümmern.

Am Dienstag hat das Ehepaar Rieke die neue Facebook-Gruppe „Rahden hilft“ gegründet. Sie soll Anlaufstelle für Menschen sein, die Asylbewerber bei der Integration unterstützen möchten. Bis gestern hatte die Gruppe bereits über 40 Mitglieder, darunter auch Aktive des Präventionsrats. Die Idee dazu kam dem Ehepaar schon während des Schützenfestes.

„Wir haben uns mit vielen Ausländern unterhalten“, berichtet Bernd Rieke im Gespräch mit dem Diepholzer Kreisblatt. Das sei in gebrochenem Deutsch und auf Englisch ganz gut möglich gewesen. Seine Frau habe auch mit einigen von ihnen getanzt. Es waren nette Gespräche, die Asylbewerber seien richtig dankbar gewesen, dass jemand mit ihnen spreche, so Rieke. Tenor der Unterhaltungen: Die Asylbewerber wünschen sich mehr Kontakt zu den Einheimischen, statt allein in ihren Wohnungen zu hocken und sich zu Tode zu langweilen. Das Problem ist die Sprachbarriere. Wer kein Deutsch spreche, werde schief angesehen, berichteten sie.

Rieke kann sich ein bisschen in ihre Lage hinein versetzten. Er selbst hat zweieinhalb Jahre in England gearbeitet. Nur mit seinem Schulenglisch im Gepäck kam er auf die Insel. Richtig gelernt hat er die Sprache in lockeren Gesprächen mit Einheimischen in Pubs oder bei anderen Zusammenkünften. Allerdings konnte er sich die Kneipen-Besuche leisten, während die Asylbewerber mit wenig Geld zurecht kommen müssen.

Zwar bieten verschiedene Organisationen zusätzliche Deutschkurse an, ihre Zahl deckt aber bei weitem nicht den Bedarf. Auch einige Ehrenamtliche unterrichten, doch eine Deutschstunde pro Woche, das reicht nicht – zumal wenn die Asylbewerber wenig Gelegenheit haben, das Gelernte zu vertiefen.

Genau hier setzt die Facebook-Gruppe an. Sie soll als Portal dienen, in dem sich engagierte Menschen darüber informieren können, wo sie mit Flüchtlingen in Kontakt treten können, welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt, und was beispielsweise zu beachten ist, wenn man Sprachunterricht geben möchte. Außerdem hofft Rieke, dass die Mitglieder die ein oder andere Idee gemeinsam umsetzen können. Vielleicht könne man auch einen Raum finden, in dem man gelegentlich eine Disco veranstalten oder Musik machen könne.

Denn aus Sicht Riekes ist das Freizeitangebot in Rahden nicht wirklich groß. „Espelkamp ist da viel weiter.“ Allerdings habe die Nachbarkommune aufgrund ihrer Geschichte auch viel mehr Erfahrung beim Thema Integration. Das Rahdener Ehepaar selbst kann sich gut vorstellen, mal ein Barbecue mit Asylbewerbern auszurichten.

Die vielen Klagen über die Last der Asylbewerber kann Bernd Rieke nicht recht nachvollziehen. Er versteht nicht, warum ein 80-Millionen-Volk nicht mit einer Million Flüchtlinge klar kommen soll. „Wir sind eines der reichsten Länder der Welt und machen uns in die Hose“, ärgert sich der Rahdener und erinnert an die Nachkriegszeit, als ein zerbombtes Deutschland mehrere Millionen Flüchtlinge aufgenommen und das auch verkraftet habe. J mer

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